Wieder am Steuer

Annika Brunner

Autorin bei Wieder am Steuer

Über die Autorin

Samstagabend, Ende September 2025. Hochzeit einer Freundin, Schwabing. Ich hatte eigentlich die U7 geplant, bin dann doch ins Auto. Kontrolle gegen halb zwei morgens. 1,4 Promille. Führerschein auf der Straße abgegeben.

Acht Wochen später kam die formale Alkohol-MPU-Aufforderung, ein gelber Umschlag mit Frist. Seitdem führe ich dieses Tagebuch: jeden Sonntagabend auf dem Küchenboden in Neuhausen, die gesprungene blaue Keramiktasse mit dem kalten Tee neben mir, das schwarze Notizbuch aufgeschlagen auf den mintgrünen Metrofliesen. Der Wasserkocher auf der Anrichte ist meistens schon kalt, wenn ich endlich zum Nachfüllen komme. Manchmal liegt das MPU-Masterplan-Workbook daneben. Manchmal nicht.

Beruflich bin ich Office Managerin in einer mittelständischen Firma. Die meisten Kolleginnen und Kollegen wissen es nicht. Dirk, zwei Schreibtische weiter, hat es durch Zufall rausgefunden: er fragte nach der Fahrtgemeinschaft, die es plötzlich nicht mehr gab. Er hat nie weiter nachgebohrt.

Melanie, meine beste Freundin seit dem Studium, war die Erste, die in dieser Nacht ans Telefon ging. Sie stellt keine Fragen über den Alkohol selbst, sondern fragt nach dem, was dahinter lag. Das ist der Unterschied.

Dieses Tagebuch entsteht als Betroffene, ohne Ausbildung in Verkehrspsychologie, Suchttherapie oder Recht. Was ich kenne, ist dieser Prozess aus meiner eigenen Küche in Neuhausen. Wer rechtliche Einschätzungen zur MPU braucht, braucht einen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Wer Unterstützung bei Alkoholproblemen sucht, findet sie in Suchtberatungsstellen, beim Hausarzt oder in Gruppen wie den AA, nicht in einem Tagebuch.

Beiträge von Annika Brunner

Außerdem: Wie ich mit dem MPU Masterplan Alkohol zu Hause lerne

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