
Es ist jetzt Mitte Mai 2026, und draußen vor meinem Fenster in Neuhausen blühen die Kastanien. Eigentlich eine Zeit für laue Abende im Biergarten am Rotkreuzplatz, aber für mich ist es der Sonntagabend auf dem Küchenboden. Vor mir steht eine Tasse Tee, die schon wieder eiskalt geworden ist, und daneben liegt dieser eine, zerknitterte gelbe Umschlag, den ich seit November 2025 wie ein Mahnmal aufbewahre. Heute ist Woche 38 seit jener Samstagnacht im Spätsommer, und während die Tram 12 draußen mit ihrem vertrauten Quietschen Richtung Scheidplatz vorbeizieht, merke ich, wie tief dieser Brief immer noch sitzt.
Hinweis: In meinem Tagebuch finden sich Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich bleibt der Preis genau gleich. Ich empfehle hier nur die Module und Workbooks, die ich selbst auf meinem Küchenboden durchgearbeitet habe. Wichtig: Ich bin keine Psychologin oder Anwältin. Ich habe keine verkehrspsychologische Ausbildung und erst recht kein Jurastudium in der Tasche. Wenn es rechtlich brenzlig wird, such dir bitte einen Fachanwalt für Verkehrsrecht, und bei Fragen zu Sucht oder Konsum ist eine professionelle Suchtberatung der richtige Weg. Meine komplette Offenlegung gibt es auf der Über-mich-Seite.
Der Moment, in dem die Scham einen Namen bekam
Ich erinnere mich noch genau an den Vormittag im letzten November, als das Geräusch des Briefschlitzes den Tag zerschnitt. Das Klatschen von schwerem, gelbem Papier auf dem Parkett im Flur. Ich wusste sofort, was da liegt. Zehn Wochen nach der Hochzeit, nach diesen 1,4 Promille, war es offiziell: Die Aufforderung zur MPU war da. Es war nicht einfach nur Post. Es war die schriftliche Bestätigung, dass mein bisheriges Selbstbild als organisierte Office Managerin Risse bekommen hatte.
Ich stand da, in meiner Küche, und habe einfach nur auf diesen Umschlag gestarrt. Er sah so harmlos aus, fast wie Werbung für einen neuen Lieferdienst. Aber das Beamtendeutsch darin – „Aufforderung zur Beibringung eines Gutachtens zur Klärung der charakterlichen Eignung“ – hat sich angefühlt wie eine Ohrfeige. Plötzlich waren diese 1,4 Promille nicht mehr nur eine Zahl aus der Polizeikontrolle, sondern ein Urteil über mich als Person. Wer bin ich eigentlich, wenn der Staat mir sagt, dass ich charakterlich vielleicht nicht geeignet bin?
Letzten Mittwoch hatte ich so einen Moment, der mich genau dorthin zurückgeworfen hat. Eine ehemalige Kollegin rief an und fragte, ob wir uns auf ein Glas Wein in unserer alten Stammbar treffen wollen. Ich habe gelogen. Ich habe gesagt, ich hätte eine heftige Migräne und müsste im dunklen Zimmer liegen. In Wahrheit saß ich hier und habe meinen Abstinenznachweis für die MPU sortiert. Diese kleinen Lügen fressen einen auf Dauer auf, aber die Wahrheit – „Ich darf nicht, weil ich meinen Führerschein wegen Alkohol verloren habe“ – fühlt sich in Neuhausen oft noch schwerer an als die Migräne.

Ein Gedanke an die Einsamkeit ohne U-Bahn-Anschluss
Wenn ich hier auf dem Boden sitze und die Decke anstarre, denke ich oft an eine Bekannte aus einem Online-Forum, die in der Nähe von Passau lebt. Sie hat mir geschrieben, dass sie ohne Führerschein nicht mal zum Supermarkt kommt. In der Stadt schimpfen wir, wenn die U7 nach Westfriedhof mal drei Minuten Verspätung hat. Aber dort draußen? Da bricht ohne Auto das komplette Leben zusammen. Ich kann wenigstens zum Rotkreuzplatz laufen oder das Fahrrad nehmen, auch wenn ich mich dabei manchmal fühle, als hätte ich ein unsichtbares Schild um den Hals hängen.
Diese logistischen Hürden auf dem Land sind brutal. Wenn du dort lebst, kannst du nicht einfach spontan zur Abstinenz-Urinkontrolle fahren, wenn der Anruf kommt. Du musst jemanden anbetteln, dich zu fahren. Ich hier in Neuhausen kann wenigstens im Dunkeln zum Briefkasten schleichen, ohne dass das ganze Dorf zuschaut. Und doch fühlt sich die Isolation in der Großstadt anders an – anonym, aber kalt. Die ungelöschte Mail von meiner Lieblingsbar im Postfach ist wie ein kleiner Stachel, den ich nicht ziehen will.
Ich habe lange überlegt, was der nächste Schritt ist. Nichts tun war keine Option mehr, die Decke anzustarren hat mir auch keinen Führerschein zurückgebracht. Also habe ich mich im letzten Winter endlich durchgerungen und in den MPU Masterplan Alkohol investiert. Es waren rund 480 Euro – für mich als jemand, der gerade beruflich auch einiges neu sortieren muss, eine riesige Summe. Fast eine halbe Monatsmiete hier im Viertel. Aber ich brauchte eine Struktur, etwas, das mir sagt: Schritt 1, Schritt 2, Schritt 3.
Das hässliche Wort: Trennungsvermögen
In dem Workbook gibt es ein Modul, das mich fast eine ganze Woche lang gelähmt hat. Es geht um das Thema Trennungsvermögen. Das klingt so sachlich, fast wie Mülltrennung. Aber in der Welt der MPU bedeutet es den Unterschied zwischen Bestehen und Durchfallen. Es geht darum, ob man in der Lage ist, Alkoholkonsum und das Führen eines Fahrzeugs strikt zu trennen. Und zwar immer. Nicht nur, wenn man denkt, man sei noch „fit“.
Ich musste mir eingestehen: An jenem Samstagabend auf der Hochzeit hatte ich absolut kein Trennungsvermögen mehr. Ich dachte, ich hätte alles im Griff. Ich dachte, nach dem Essen und dem Tanzen sei der Sekt längst „verflogen“. Das Workbook zwingt einen dazu, diese Momente der Selbstlüge zu sezieren. Warum habe ich getrunken? Warum dachte ich, ich könnte noch fahren? Wenn ich ehrlich bin, wollte ich einfach nicht diejenige sein, die als Erste geht oder nach einem Taxi fragt. Ich wollte dazugehören, unkompliziert sein.
Ein Moment der Wahrheit von letzter Woche Freitag: Ich war auf einer kleinen Geburtstagsfeier im Büro. Ich habe mir ein Glas Sekt vor mich hingestellt, nur damit niemand fragt. Ich habe keinen Schluck getrunken, wirklich nicht. Aber am nächsten Morgen saß ich hier auf dem Küchenboden und habe mich im Masterplan-Workbook selbst korrigiert. Solche „Tests“ sind dumm. Sie zeigen, dass ich immer noch versuche, eine Fassade aufrechtzuerhalten, statt zu meiner Abstinenz zu stehen. Im Workbook steht ganz klar: Wer testet, wie nah er dem Abgrund kommen kann, hat das Prinzip noch nicht ganz verstanden. Das tat weh zu lesen.
Warum die Vorbereitung zu Hause manchmal scheitert
Manchmal liege ich stundenlang auf dem Sofa und schaffe es nicht mal, den Stift in die Hand zu nehmen. Die Fragen im Masterplan sind hart. „Welche Funktion hatte der Alkohol für Sie?“ – das beantwortet man nicht mal eben zwischen zwei Telefonaten. Ich habe letzte Woche drei Tage lang das Workbook nicht mal aufgeschlagen. Ich habe mich stattdessen in alte Netflix-Serien geflüchtet, weil die Realität meiner MPU Kosten in München und die Angst vor dem Gutachtergespräch mich erdrückt haben.
Eine Bekannte aus dem Forum nutzt übrigens den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs, weil es bei ihr um etwas anderes ging als bei mir. Sie sagt, die Struktur hilft ihr, überhaupt morgens aufzustehen. Bei mir ist es der Alkohol-Masterplan, der mich immer wieder zurückholt, wenn ich mich in Selbstmitleid verliere. Es ist kein Kurs, der dich an die Hand nimmt und sagt, alles wird gut. Es ist ein Kurs, der dir den Spiegel vorhält. Und das ist genau das, was ich brauche, auch wenn ich es hasse.
Was diese Woche hängen bleibt
Hier sitze ich also, Ende Mai 2026, und ziehe Bilanz für diese Woche. Es war keine perfekte Woche. Ich habe gelogen, um einem Barbesuch zu entgehen, und ich habe das Workbook drei Tage lang ignoriert. Aber ich habe heute Abend wieder angefangen. Ich habe die ETG-Werte in meinen Ordner geheftet und mir klargemacht, dass jeder kleine Punkt in meinem Tagebuch ein Schritt weg von jener Nacht im August 2025 ist.
Meine Fakten für heute:
- Status: Woche 38 ohne Führerschein, Monat 6 nach der Aufforderung.
- Fortschritt: Modul 3 im Masterplan abgeschlossen (nach zwei Anläufen).
- Gefühl: Ein kleiner, vorsichtiger Punkt im Tagebuch. Es ist okay, dass es wehtut.
- Investition: Die 484 Euro für den Masterplan tun immer noch weh, wenn ich auf mein Konto schaue, aber sie sind billiger als ein zweites Mal durchzufallen.
Ich weiß, dass ich noch viele Termine vor mir habe. Ich weiß, dass das Lehrgespräch beim Gutachter die größte Hürde meines Lebens werden könnte. Aber ich lerne langsam, dass „charakterliche Eignung“ nichts ist, was man besitzt oder nicht besitzt – es ist etwas, an dem man jeden Tag arbeitet. Wenn du auch gerade den gelben Brief bekommen hast und dich fragst, wie du das alles bezahlen und schaffen sollst: Du bist nicht allein. Es ist ein verdammt harter Weg, besonders wenn man sich wie ich oft selbst im Weg steht.
Falls du eine Struktur suchst, die ehrlich ist und dich nicht mit falschem Optimismus füttert, schau dir den MPU Masterplan Alkohol an. Er ist schmerzhaft, aber er ist echt. Und am Ende ist es genau diese Ehrlichkeit, die uns durch die MPU bringt. Du kannst auch nachlesen, wie ich mit dem MPU Masterplan zu Hause lerne, falls du dich fragst, wie man das zwischen Alltag und Job unterbringt.
Gute Nacht aus Neuhausen. Nächsten Sonntag erzähle ich euch mehr über meine Vorbereitung auf die Haaranalyse. Ich habe jetzt schon Angst, dass die Friseurin zu viel abschneidet.