
Der Daumen fährt unter die Lasche, das Papier gibt schief nach, und da ist er wieder — der gelbe Umschlag, den ich seit November nicht in den Müll werfen kann. Kein Ratgeber, was hier folgt: nur ein Erfahrungsbericht vom Küchenboden in Neuhausen, mitten in meiner Alkohol-MPU-Vorbereitung.
Bevor es losgeht, das Ehrliche: In diesem Tagebuch stecken Affiliate-Links. Kaufst du über sie etwas, bekomme ich eine kleine Provision — dein Preis bleibt gleich. Verlinkt ist nur, was ich selbst auf diesen Fliesen durchgearbeitet habe. Und das Wichtigste: Ich bin keine Psychologin und keine Anwältin. Wird es rechtlich ernst, gehört das zu einem Fachanwalt für Verkehrsrecht; bei Fragen zu Konsum zu einer Suchtberatung. Meine ganze Offenlegung steht auf der Über-mich-Seite.
Die Frage, die mich an dem Abend umgehauen hat, war simpel: Wo fange ich überhaupt an? Meine Antwort heute ist unbequem — es liegt nicht an Willenskraft und auch nicht an der einen klugen Antwort, die man auswendig kann. Es liegt daran, ob du an deinem schlechtesten Abend eine Struktur hast, der du folgen kannst. Alles andere ist Raten.
Unter 1,6 Promille — und trotzdem der gelbe Brief
Lange dachte ich, so ein Brief käme erst ab 1,6 Promille. Meine 1,4 Promille lagen darunter, also rechnete ich nicht damit. Der Umschlag kam trotzdem.
Erklären ließ ich mir das erst später. Eine MPU kann auch unterhalb von 1,6 Promille angeordnet werden: Wer bei 1,1 Promille oder mehr keine erkennbaren Ausfallerscheinungen zeigt, gibt der Fahrerlaubnisbehörde nach §13 Satz 1 Nr. 2a FeV Anlass, Alkoholgewöhnung anzunehmen — unabhängig davon, ob die absolute 1,6-Promille-Grenze erreicht wurde. Genau das war mein Fall: nüchtern gewirkt, klar gesprochen, und ausgerechnet das wurde zum Argument gegen mich. Das ist keine Rechtsauskunft, nur das, was ich für meinen eigenen Fall verstanden habe.

Mein erster Reflex war raten
Drei Monate lang trank ich nur alkoholfreies Bier und redete mir ein, das zähle als Abstinenz. Es fühlte sich verantwortungsvoll an — die Flasche in der Hand, der vertraute Griff zum Kühlschrank, nur eben ohne Promille. Bloß war das keine saubere Linie, sondern dieselbe Gewohnheit mit einem anderen Etikett. Aufgefallen ist es mir erst, als ich meinen Abstinenznachweis für die MPU zusammensortierte und plötzlich nicht sagen konnte, ab wann ich eigentlich wirklich aufgehört hatte.
Auf einer kleinen Feier im Büro stellte ich mir ein Glas Sekt hin, nur damit niemand fragt. Keinen Schluck getrunken, wirklich nicht — und am nächsten Morgen saß ich hier auf den Fliesen und musste mich selbst korrigieren. Wer heimlich austestet, wie nah er an den Rand darf, hat das Prinzip noch nicht kapiert. Das Glas war kein Beweis von Kontrolle. Es war eine Fassade.
Dann kam die Phase, in der ich einen Katalog wahrscheinlicher MPU-Fragen auswendig lernte wie eine Theorieprüfung — Antworten wie Vokabeln. Markus, ein Leidensgenosse, ist in seiner Vorbereitung weiter als ich und sagt offen, was ihn überrascht hat: nicht die schweren Fragen sind das Problem, sondern wie schnell auswendig Gelerntes zusammenbricht, sobald jemand einmal nachhakt. Genau so ging es mir.
Bei der Verkehrspsychologin rutschte ich in den Erklärmodus. Ich begründete, ich rechtfertigte, ich lieferte für jeden Schluck an jenem Hochzeitsabend einen Grund — und merkte erst hinterher, dass Erklären nicht dasselbe ist wie Verstehen. Sie wollte nicht hören, warum es passiert ist. Sie wollte hören, was es über mich sagt. Diese beiden Dinge zu verwechseln, hat mich einen ganzen Termin gekostet.
Und einmal sagte ich einen Freitagabend komplett ab — die Einladung, das Lokal, alles —, aus Angst vor dem Glas in fremder Hand. Statt eines Plans hatte ich nur eine Absage. Der Abend endete damit, dass ich allein auf dem Küchenboden lag, die kalte Tasse neben mir, und weinte. Ausweichen ist kein Plan. Es ist nur die Abwesenheit von einem.
So fühlt sich Raten an: ohne Karte durch den Nebel stapfen und hoffen, dass der nächste Schritt schon passt.
Der andere Weg: eine Struktur, der ich folgen kann
Nichts tun war keine Option mehr, die Zimmerdecke anstarren brachte keinen Führerschein zurück. Also entschied ich mich diesen Winter für den MPU Masterplan Alkohol — ein Workbook mit Wochen-Aufgaben, das man im eigenen Tempo durcharbeitet. Kein kleiner Betrag für mich, gerade jetzt, wo beruflich auch vieles neu sortiert werden muss. Aber ich brauchte etwas, das sagt: Schritt eins, Schritt zwei, Schritt drei.
Das Workbook nimmt dich nicht an die Hand und verspricht, alles werde gut. Es hält dir den Spiegel vor — und in der Welt der MPU ist genau das der Unterschied zwischen Bestehen und Durchfallen. Ein Modul hat mich fast eine Woche gelähmt: Trennungsvermögen, dieses sperrige Wort. Ich weiß längst, was es meint, und lasse es hier trotzdem als bloßes Stichwort stehen.
An guten Abenden komme ich voran. An schlechten schlage ich das Workbook tagelang nicht auf und lande wieder bei Modul drei, das ich dann von vorne anfange. Die Selbstreflexions-Aufgaben nehmen einem nichts ab — man muss sie wirklich ehrlich beantworten, sonst merkt man es sich selbst an. Und ja, ich markiere die schlechten Tage mit einem kleinen Punkt im Notizbuch; was es damit auf sich hat, erzähle ich ein anderes Mal.
Warum meine MPU-Vorbereitung zu Hause trotzdem manchmal kippt
Manchmal drückt mich schon der Gedanke an die MPU Kosten in München so tief ins Sofa, dass ich den Stift nicht in die Hand bekomme. Die Fragen sind hart. „Welche Funktion hatte der Alkohol für dich?" — das beantwortest du nicht mal eben zwischen zwei Mails.
Eine Bekannte aus dem Forum arbeitet mit dem FLEX3 Online MPU Drogen Kurs, weil es bei ihr um etwas ganz anderes geht als bei mir. Für meinen Alkohol-Fall ist das wenig direkt verwertbar — aber sie sagt, die Struktur hilft ihr überhaupt aufzustehen. Bei mir ist es der Alkohol-Masterplan, der mich zurückholt, wenn ich im Selbstmitleid versacke.
Woran ich merke, welcher Weg mich trägt
Der Unterschied zwischen den beiden Wegen ist kein Gefühl von Stärke. Raten funktioniert, solange nichts schiefgeht — bis der erste schlechte Abend kommt und dich ohne Halt erwischt. Eine Struktur funktioniert genau dann, wenn du keine Kraft mehr hast: Du musst nichts erfinden, du machst den nächsten Schritt, der schon dasteht. Läuft alles glatt, fällt der Unterschied kaum auf. Wird es hart, ist er alles.
Neulich lag ich abends auf dem Sofa, und für vielleicht fünf Minuten zog sich mein Magen nicht zusammen — zum ersten Mal seit dem gelben Brief fühlte sich Stillliegen nicht wie Warten auf schlechte Nachrichten an. Melanie, meine beste Freundin, erzählt mir an solchen Tagen von ihren eigenen miesen Phasen, nicht um zu trösten, sondern damit ich mich nicht wie die Einzige fühle, die strauchelt.
Charakterliche Eignung, das habe ich langsam begriffen, ist nichts, was man besitzt oder nicht besitzt. Es ist etwas, an dem man jeden Tag ein Stück arbeitet.
Wenn du gerade denselben gelben Brief in der Hand hältst und nicht weißt, wo du anfangen sollst: Rate nicht. Such dir eine Struktur, die ehrlich ist und dich nicht mit falschem Optimismus abspeist — für mich ist das der MPU Masterplan Alkohol. Er ist schmerzhaft, aber echt. Und falls dich interessiert, wie ich das zwischen Alltag und Job unterbringe, kannst du nachlesen, wie ich mit dem MPU Masterplan zu Hause lerne.
Gute Nacht aus Neuhausen. Die Tasse ist längst kalt, die Fliesen drücken hart gegen mein Kreuzbein — aber das Notizbuch liegt heute offen.