Wieder am Steuer

Wie ich meine MPU Fragen zum Alkoholkonsum ehrlich beantworten lerne

Der Kugelschreiber steht still über der Zeile, während ich dieselbe Frage aus dem Masterplan zum dritten Mal lese und begreife, dass meine erste Antwort gelogen war. Es geht um meinen Alkoholkonsum — genau die Sorte Frage, die bei der Alkohol-MPU über alles entscheidet und sich nicht mit einem hübschen Satz wegmoderieren lässt. Dafür führe ich dieses Neuhausen-Tagebuch: nicht für die Gutachterin, sondern für die Selbstreflexion, die kein Abstinenznachweis der Welt mir abnimmt.

Kurz vorweg, weil Ehrlichkeit hier ohnehin das Thema ist: In diesem Beitrag stecken Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon etwas, bekomme ich eine kleine Provision, und für dich bleibt der Preis exakt gleich. Die Rede ist hier nur von dem Workbook, das gerade auf meinem Küchenstuhl liegt. Und das Wichtigste vorweg: Ich bin keine Therapeutin, keine Verkehrspsychologin, keine Anwältin — dieses Tagebuch ersetzt keine Beratung. Bei rechtlichen Fragen gehört das in die Hände eines Fachanwalts, bei einem Alkoholproblem zu einer Suchtberatung.

Warum die ehrliche Antwort bei der Alkohol-MPU schwerer ist als die richtige

Lange habe ich nach der einen richtigen Antwort gesucht — der, die die Verkehrspsychologin angeblich hören will. Das ist der Denkfehler, in dem fast alle stecken, die frisch in der Vorbereitung sind. Beim Lehrgespräch zählt nicht die geschliffene Formulierung, sondern ob hinter den Worten ein Mensch sitzt, der sich selbst verstanden hat. Eine auswendig gelernte Antwort riecht die Gutachterin auf zehn Kilometer.

1,4 Promille an einem Samstagabend nach einer Hochzeit. Das war mein Wert, und ich habe stundenlang versucht, ihn mir als Rechenfehler schönzureden. Wer mit so viel Promille noch das Zündschloss trifft, hat aber keine Ausnahme hinter sich, sondern eine Gewöhnung. Genau deshalb wird die charakterliche Eignung angezweifelt: nicht wegen des einen Abends, sondern weil ich trotz dieser Menge noch funktioniert habe. Wer sich mit der Dauer der MPU-Vorbereitung bei 1,4 Promille beschäftigt, merkt schnell, dass man mit Ausreden nicht durch die Tür kommt.

Trennungsvermögen: das Wort, an dem ich am längsten hängengeblieben bin

Trennungsvermögen ist so ein MPU-Wort, das erst sperrig klingt und dann alles trifft. Gemeint ist die Fähigkeit, das Trinken und das Fahren zuverlässig auseinanderzuhalten — nicht als guter Vorsatz, sondern als feste innere Grenze, die auch dann hält, wenn der Abend schwer wird und niemand zuschaut. Die MPU-Fragen zum Alkohol zielen im Kern immer darauf: Habe ich verstanden, warum diese Grenze bei mir gerissen ist, und trägt sie jetzt wirklich? Solange ich nur sage „Das passiert mir nie wieder", ist das eine Behauptung. Trennungsvermögen erkennt man erst an den konkreten Situationen, in denen ich früher zur Flasche gegriffen hätte und es heute nicht mehr tue.

In der sechsten Woche mit dem Workbook bin ich an Seite 47 hängengeblieben — eine Frage, so schlicht gestellt, dass sie genau die Stelle traf, um die ich seit Monaten einen großen Bogen gemacht hatte. Wissen wollte sie, was ich an einem Samstag tue, der sich wieder „schwer" anfühlt. Meine erste Antwort war keine, sondern ein Kloß im Hals. Solange ich die schöne Version schrieb, kam nichts Brauchbares aufs Papier; erst als ich sie strich, stand da ein Satz, der stimmte. Das ist der Punkt, an dem aus einer Floskel eine echte Antwort für die MPU wird.

Aufgeschlagenes Neuhausen-Tagebuch mit rot markierten schweren Tagen neben dem Alkohol-MPU-Workbook auf dem Küchenboden

So hangle ich mich durch das Workbook

Struktur ist das, was mir am meisten fehlt, wenn ich allein auf dem Küchenboden sitze. Das MPU Masterplan Alkohol Workbook gibt sie mir, Woche für Woche kleine Aufgaben, die sich fast wie Tagebuchschreiben anfühlen. In einem der Rückfall-Module steht diese eine Frage, die ich nicht mehr loswerde: nicht nach dem Anlass (der Hochzeit), sondern nach dem eigentlichen Grund. Jemand aus meinem Forum, bei dem es um eine Drogen-MPU geht, arbeitet mit dem FLEX3 Online MPU Drogen-Programm vom selben Anbieter und sagt, die Logik sei dieselbe — man muss genauso tief graben, egal ob es um Gras oder um Wein geht.

Ganz reibungslos läuft das nicht. Lasse ich das Workbook zwei Wochen liegen, fange ich Modul drei oft von vorne an, weil ich den Faden verloren habe. An einem dieser zähen Abende leuchtet mein Handy auf. Ein Meme von Dirk Wossidlo, einem früheren Kollegen, der durch Zufall vom Führerscheinverlust erfahren hat und keine Ahnung hat, dass ich um diese Uhrzeit noch wach auf den Fliesen sitze. Gelacht habe ich trotzdem. Und danach die Seite wieder aufgeschlagen.

Was mit der Selbsthilfegruppe nicht geklappt hat

Die Idee war gut, die Umsetzung nicht: Dreimal bin ich zu einer Selbsthilfegruppe gegangen, beim vierten Termin einfach nicht mehr hin. Irgendetwas in mir hat sich im Stuhlkreis zugezogen statt geöffnet — ich saß da, nickte an den richtigen Stellen und sagte nichts, was wahr war. Für andere ist so eine Gruppe genau das Richtige; für mich wurde sie zur Bühne. Dass alkoholfrei leben in Neuhausen auch die langweiligen und traurigen Abende ohne Filter bedeutet, habe ich nicht in dem Kreis begriffen, sondern allein am Küchentisch.

Geholfen hat stattdessen eine Stimme aus einem Online-Forum für Alkohol-MPU. Susanne Bäuerle aus Augsburg hatte unter meinen allerersten Beitrag zwei Sätze geschrieben — direkt, ohne einen Tropfen Mitleid, und genau deshalb richtig. Ihr trockener Humor wirkt bis heute wie ein Ventil an den Abenden, an denen ich mich selbst zu ernst nehme. Manchmal ist der Mensch, der einen weiterbringt, nicht der im vorgesehenen Stuhlkreis, sondern der mit der richtigen Frechheit im richtigen Moment.

Die Fragen nach der Trinkmenge sind eine Falle

Eine der zähesten Aufgaben war das Zurückrechnen früherer Trinkmengen. Mit dem Taschenrechner habe ich versucht, meine 1,4 Promille als einmaligen Ausrutscher hinzudrehen — und drei Stunden mit der Suche nach mathematischen Schlupflöchern vergeudet. Mein ETG-Wert beim Abstinenznachweis ist seit Monaten sauber, aber meine Vergangenheit lässt sich nicht sauberrechnen. Die ehrliche Trinkanamnese — das schonungslose Aufschreiben, was wirklich war — gehört zu den härtesten Teilen der ganzen Vorbereitung.

Wer bei der Menge lügt, verliert die ganze Geschichte. Sage ich „Ich habe nie viel getrunken" und stehe mit 1,4 Promille im Protokoll, glaubt mir keiner mehr ein einziges Wort. Also habe ich den Satz aufgeschrieben, vor dem ich mich am meisten gedrückt hatte: Ja, ich hatte eine Gewöhnung, über Jahre schleichend mehr, als mir gut tat. Das zu Papier zu bringen fühlte sich an wie eine alte Haut abstreifen — es tat weh, und danach konnte ich zum ersten Mal wieder richtig durchatmen.

Sonntagabend auf dem Küchenboden

Ich frage mich oft, ob ich das alles allein schaffe. Zwischendurch überlege ich, ob ich einen MPU-Vorbereitungskurs oder eine Einzelberatung brauche — am ehrlichsten ist wohl die Mischung. Das Workbook liefert die Struktur, das Tagebuch die Wahrheit. Die MPU vorzubereiten ist ohnehin wie mit einer Wanderkarte durch Nebel zu laufen: Du siehst nie das ganze Tal, nur den nächsten Schritt vor dir.

Wenn ich in ein paar Monaten vor der Psychologin sitze, werde ich keine glatte Geschichte erzählen. Berichten werde ich auch von dem Glas Sekt, das ich mir auf einer Feier hingestellt habe, nur damit niemand fragt. Angerührt habe ich es nicht, aber es war ein dummer, riskanter Test. Die Struktur aus meinem MPU Masterplan Workbook hat mir geholfen, überhaupt erst die richtigen Fragen zu finden; die Antworten muss trotzdem jeder selbst schreiben, oft unter Tränen und mit kaltem Tee in der blauen Tasse mit dem Sprung. Falls du gerade am selben Punkt sitzt: Frag dich nicht, was die Gutachterin hören will, sondern was wahr ist — das ist die einzige Antwort, die morgen noch trägt.

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