
Das einzige Geräusch in meiner Wohnung in Neuhausen ist gerade das kratzige Scharren meines Füllers auf dem Papier. Es ist Sonntagabend, drauÃen ist es dieses seltsame, helle Mai-Licht, und mein Pfefferminztee ist schon wieder eiskalt geworden. Ich sitze auf dem Küchenboden â da, wo die Fliesen im Sommer so schön kühl sind â und starre auf eine leere Seite in meinem Notizbuch. Ãber mir summt der Kühlschrank, und vor mir liegt dieser Fragenkatalog, der sich anfühlt wie eine unbezwingbare Bergwand.
Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich teile hier nur meine ganz persönlichen Erfahrungen mit dem Workbook, das ich selbst nutze. Wichtig: Ich bin keine Therapeutin, keine Verkehrspsychologin und keine Anwältin. Dieses Tagebuch ersetzt keine professionelle Beratung. Wenn du rechtliche Fragen hast, wende dich an einen Fachanwalt, und bei Alkoholproblemen sind Suchtberatungsstellen die richtigen Ansprechpartner. Meine vollständige Offenlegung findest du auf der Ãber-mich-Seite.
Ich habe diese Woche versucht, die Fragen zum Alkoholkonsum aus dem Masterplan zu beantworten. Also, nicht nur die technischen Sachen, sondern die, die wehtun. Die Fragen, bei denen man nicht einfach âIch habe zu viel gefeiertâ sagen kann, ohne dass die Verkehrspsychologin beim Lehrgespräch sofort merkt, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Oder gar keine.
Der Schock von 1,4 Promille und das Märchen vom âeinen Malâ
Rückblick: Spätsommer 2025. Eine Hochzeit, viel zu viel Sekt, die blöde Idee, das Auto nur âkurz umzuparkenâ, und dann die Kelle. 1,4 Promille. Ich dachte damals wirklich, das wäre ein Rechenfehler gewesen. Ich habe drei Stunden lang versucht, mir selbst einzureden, dass der Test falsch war, dass ich doch gar nicht so viel getrunken hatte. Aber die Wahrheit ist â und das hat mir das Workbook knallhart serviert: Wer mit 1,4 Promille noch geradeaus laufen und ein Zündschloss finden kann, der hat eine verdammt hohe Toleranz. Die charakterliche Eignung wird nicht angezweifelt, weil man einmal betrunken war, sondern weil man es geschafft hat, trotz dieser Menge noch zu funktionieren.
Im November 2025 kam der Brief. Der gelbe Umschlag. Die Aufforderung zur MPU. Seitdem versuche ich zu verstehen, wie ich bei der Untersuchung ehrlich sein kann, ohne mich selbst zu zerfleischen oder â was noch schlimmer wäre â wieder in diese Ausreden-Falle zu tappen. Damals dachte ich: âIch erzähle denen einfach, es war eine Ausnahme.â Aber jeder, der sich mit der Dauer der MPU Vorbereitung bei 1,4 Promille beschäftigt, merkt schnell: Mit Ausnahmen kommst du nicht durch die Tür.

Wenn die Erschöpfung die Ehrlichkeit frisst
Ich habe neulich in einem Forum eine Frau kennengelernt â nennen wir sie M. Sie ist alleinerziehend, arbeitet im Schichtdienst als Krankenschwester und muss auch zur MPU. Wir haben uns über die âHausaufgabenâ unterhalten, die man für die Vorbereitung machen muss. Sie sagte etwas, das mich nicht mehr loslässt: âWann soll ich denn bitteschön reflektieren? Wenn ich nach der Nachtschicht die Kinder wecke? Ich bin so müde, dass ich mir selbst jede Lüge glaube, solange ich dann schlafen darf.â
Das ist ein Punkt, den viele Berater gar nicht auf dem Schirm haben. Diese Standard-Strategien zur Selbstreflexion setzen voraus, dass man einen klaren Kopf und feste Routinen hat. Aber wenn man am Limit läuft, ist Ehrlichkeit ein Luxusgut. Man will einfach nur den Führerschein zurück, um den Alltag zu bewältigen. Aber die MPU-Gutachter riechen diese âZweck-Ehrlichkeitâ auf zehn Kilometer Entfernung. Sie suchen nach dem echten Trennungsvermögen.
Ich merke das bei mir selbst. Wenn ich nach einem langen Tag im Büro (bevor ich den Job verloren habe, war das einfacher) nach Hause kam, war die Hemmschwelle für das âFeierabendbierâ â oder eben den Wein â fast null. Jetzt, wo ich ohne Job in Neuhausen sitze und die Zimmerdecke anstarre, ist die Erschöpfung eine andere. Es ist eine mentale Leere. Und in dieser Leere ist es verdammt schwer, sich einzugestehen, warum man wirklich getrunken hat.
Der Moment auf dem Sofa: Anfang März
Es gab diesen einen Abend Anfang März. Ich lag auf dem Sofa, die Heizung hat geklackert, und ich hatte das Workbook auf den Knien. Ich sollte aufschreiben, was ich tun würde, wenn sich ein Samstagabend wieder so âschwerâ anfühlt. Dieser Kloà im Hals kam sofort. Eine plötzliche Enge in der Brust, als hätte jemand den Sauerstoff im Raum reduziert. Ich wollte schreiben: âDann gehe ich spazieren.â Aber mein Notizbuch wusste, dass das gelogen war. Ich wäre früher nicht spazieren gegangen. Ich hätte die Flasche aufgemacht.
Diesen Moment der Wahrheit zuzulassen, hat mich Wochen gekostet. Ich habe das MPU Masterplan Alkohol Workbook bestimmt zehnmal weggelegt und wieder vorgeholt. Es gibt darin ein Modul zur Rückfallprävention, das dich fragt: âWas war der eigentliche Grund?â Nicht der Anlass (die Hochzeit), sondern der Grund (die Unfähigkeit, Nein zu sagen, die Einsamkeit, der Stress). Eine Bekannte nutzt übrigens das FLEX3 Online MPU Drogen Programm, und sie sagt, dort ist es ähnlich â man muss tief graben, egal ob es um Gras oder Wein geht.
Die âschlechten Tageâ und ihre Punkte
In meinem Tagebuch gibt es diese kleinen Punkte. Ein kleiner roter Punkt für jeden Tag, an dem ich am liebsten alles hingeschmissen hätte. Im März waren es viele. Diese Punkte sind jetzt meine ehrlichsten Antworten für die MPU. Wenn der Gutachter fragt, wie ich heute mit Stress umgehe, werde ich ihm nicht von meiner neuen Liebe zum Yoga erzählen (die existiert nämlich nicht), sondern von diesen Punkten. Dass ich gelernt habe, die Schwere auszuhalten, ohne sie zu betäuben.
Ich lerne gerade, dass alkoholfrei leben in Neuhausen bedeutet, auch die langweiligen, traurigen und anstrengenden Abende ohne Filter zu erleben. Das ist nicht immer schön. Manchmal ist es sogar richtig ätzend. Aber es ist die einzige Basis für eine glaubwürdige MPU-Aussage.
Warum die Fragen nach der Trinkmenge so tückisch sind
Eine der schwierigsten Aufgaben im Workbook war die Berechnung der Trinkmengen in der Vergangenheit. Ich saà hier mit dem Taschenrechner und habe versucht, meine 1,4 Promille als âeinmaligen Ausrutscherâ darzustellen. Ich habe drei Stunden damit verschwendet, mathematische Schlupflöcher zu suchen. Aber die Biologie lügt nicht. Mein ETG-Wert beim Abstinenznachweis ist seit Monaten sauber, aber meine Vergangenheit ist es nicht.
Die MPU-Fragen zielen darauf ab, ob du dein altes Ich verstanden hast. Wenn ich sage: âIch habe nie viel getrunkenâ, und dann mit 1,4 Promille erwischt wurde, glaubt mir kein Mensch. Ich musste lernen zu sagen: âJa, ich hatte eine Gewöhnung. Ich habe über Jahre schleichend mehr getrunken, als mir gut tat.â Das zu schreiben, war, als würde ich eine alte Haut abstreifen. Es hat wehgetan, aber danach konnte ich zum ersten Mal wieder richtig durchatmen.
Hier sind ein paar Dinge, die mir beim Ehrlichsein geholfen haben:
- Keine auswendig gelernten Sätze: Der Gutachter merkt, wenn du Worte wie âTrinkmotiveâ benutzt, ohne zu wissen, was sie für dich persönlich bedeuten.
- Die âWarumâ-Kette: Warum habe ich getrunken? Weil ich Stress hatte. Warum hatte ich Stress? Weil ich keine Grenzen gesetzt habe. Warum habe ich keine Grenzen gesetzt? Das führt zum Kern.
- Das Akzeptieren der Peinlichkeit: Ja, es ist peinlich, mit 36 Jahren auf dem Küchenboden zu sitzen und über Sektgläser nachzudenken. Aber diese Peinlichkeit ist ein guter Kompass für die Wahrheit.
Ich habe mich oft gefragt, ob ich das alles alleine schaffe. Ich habe viel darüber nachgedacht, ob ich einen MPU Vorbereitung Kurs oder eine Einzelberatung brauche. Am Ende ist es eine Mischung. Das Workbook gibt mir die Struktur, aber mein Tagebuch gibt mir die Ehrlichkeit.
Sonntagabend-Fazit aus der Küche
Wenn ich heute in drei Monaten vor dem Psychologen sitze, werde ich keine perfekte Geschichte erzählen. Ich werde von den Sonntagen erzählen, an denen ich den Tee vergessen habe. Von dem Freitag vor zwei Wochen, als ich bei einer Geburtstagsfeier ein Glas Sekt vor mich hingestellt habe, nur damit niemand fragt â ich habe es nicht angerührt, aber es war ein dummer, riskanter Test. Ich werde erzählen, dass ich Angst hatte.
Ehrlichkeit bedeutet nicht, dass man alles perfekt gemacht hat. Es bedeutet, dass man aufgehört hat, sich selbst zu belügen. Wenn du auch gerade an diesem Punkt stehst, vielleicht auch völlig erschöpft von der Arbeit oder dem Alltag, dann nimm dir diesen einen Moment Zeit. Leg das Handy weg. Schau die Zimmerdecke an. Und frag dich nicht, was der Gutachter hören will, sondern was die Wahrheit ist.
Mir hat die Struktur von meinem MPU Masterplan Workbook dabei geholfen, überhaupt erst mal die richtigen Fragen zu finden. Es ist kein Zaubermittel, und man muss die Arbeit trotzdem selbst machen â oft unter Tränen und mit viel kaltem Tee. Aber es ist ein Geländer, an dem man sich hochhangeln kann, wenn man im Nebel der eigenen Ausreden die Orientierung verliert.
Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann mal in der U7 Richtung Westfriedhof â ich bin die, die jetzt immer ein Buch dabei hat und keinen Grund mehr braucht, um âkurz umzuparkenâ. Wir schaffen das, Schritt für Schritt. Auch an den Tagen, an denen die Punkte in unserem Tagebuch wieder rot sind.