Wieder am Steuer

Verkehrspsychologe München MPU: Mein Erfahrungsbericht zur ersten Beratung

An einem regnerischen Nachmittag Ende Februar stand ich vor einer völlig unscheinbaren Bürotür in München-Neuhausen, die Hände tief in den Manteltaschen vergraben. In der einen Hand umklammerte ich einen zerknitterten Zettel mit der Adresse des Verkehrspsychologen, in der anderen ein Haargummi, das ich nervös zwirbelte. Ich wusste, dass dieser Termin kommen musste, aber als ich dort im Nieselregen stand, fühlte ich mich wieder wie das verschreckte Mädchen, das damals im Spätsommer 2025 fassungslos am Straßenrand stand, nachdem das Messgerät 1,4 Promille angezeigt hatte.

Hinweis: In diesem Blog erzähle ich von meinem Weg zurück zum Führerschein. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision – für dich bleibt der Preis absolut gleich. Ich empfehle hier nur Dinge wie das Workbook, das ich selbst auf meinem Küchenboden in Neuhausen durchgearbeitet habe. Wichtig: Ich bin keine Anwältin, keine Verkehrspsychologin und keine Therapeutin. Ich habe einfach nur einmal richtig Mist gebaut. Bei rechtlichen Fragen solltest du einen Fachanwalt für Verkehrsrecht aufsuchen, und bei Sorgen wegen deines Konsums sind Suchtberatungsstellen die richtigen Ansprechpartner.

Der Weg zur Tür: Warum Ausreden nicht mehr funktionierten

Bevor ich diesen Termin überhaupt vereinbart hatte, verbrachte ich Wochen damit, auf meinem Sofa zu liegen und die Decke anzustarren. Ich hatte den MPU Masterplan Alkohol bereits im Regal stehen, aber ich traute mich erst spät heran. In meinem Kopf gab es immer noch diese Stimme, die flüsterte: "Es war doch nur eine Hochzeit, es war ein einmaliger Ausrutscher." Aber als ich anfing, mich durch das Modul zum Trennungsvermögen zu arbeiten, wurde mir klar: Mit 1,4 Promille ist man weit über der Grenze der absoluten Fahruntüchtigkeit, die in Deutschland bei 1,1 liegt.

Ich wusste, dass ein bloßes "Es tut mir leid" vor einem Gutachter niemals ausreichen würde. Die MPU Vorbereitung als Einzelberatung schien mir der einzige Weg, um wirklich zu verstehen, was in jener Nacht passiert war. Ich hatte Angst, dass mich der Psychologe wie eine Kriminelle behandeln würde. Ich, die ehemalige Office Managerin, die eigentlich alles im Griff hat – außer eben an diesem einen Samstagabend.

Notizzettel mit der Adresse eines Verkehrspsychologen in München neben einer Tasse Tee.

Das Wartezimmer und das Gefühl der Scham

Die Praxis roch nach altem Papier und abgestandenem Tee. Ich setzte mich auf einen der harten Holzstühle und starrte auf meine Schuhe. Neben mir saß ein Mann, vielleicht Mitte 50, der ständig auf seine Uhr sah. Ich fragte mich, ob er auch wegen Alkohol hier war. Vielleicht war er einer dieser Selbstständigen im Außendienst, von denen ich früher in meiner Firma so viele in der Flotte verwaltet habe. Männer, die unter einem enormen Leistungsdruck stehen, ständig auf Achse sind und für die der Führerschein die Existenz bedeutet.

In meiner alten Rolle als Office Managerin habe ich oft die Tankbelege und Leasingverträge für unsere Außendienstler geprüft. Ich wusste, wie wichtig Flexibilität für sie ist. Aber jetzt, wo ich selbst hier saß, begriff ich erst, dass eine Standard-MPU-Beratung für jemanden, der ständig reisen muss, fast unmöglich ist. Wie soll man strukturierte Verhaltensänderungen in einen Alltag pressen, der keine festen Termine kennt? Ich war froh, dass ich zumindest mein Workbook hatte, das ich sonntagabends in meinem eigenen Tempo bearbeiten konnte, während draußen die U7 Richtung Westfriedhof vorbeirauschte.

Der Moment der Wahrheit: Das Klicken des Kugelschreibers

Dann wurde ich aufgerufen. Der Psychologe war freundlich, aber distanziert. Er hatte diese Art, einen anzusehen, die direkt durch alle Schutzschilde hindurchgeht. Wir begannen mit den Rahmendaten. Als er nach meinem Wert fragte und ich leise "Eins-Punkt-Vier" sagte, notierte er etwas. Das spezifische, scharfe Klicken seines Kugelschreibers jedes Mal, wenn ich zögerte, bevor ich eine Frage zu meinen früheren Trinkgewohnheiten beantwortete, verfolgt mich heute noch in meinen Träumen.

Ich hatte versucht, mir eine Antwort zurechtzulegen. Etwas von "ich trinke eigentlich nur auf Partys" und "es war ein langer Abend". Aber er unterbrach mich sanft. Er rechnete mir vor, dass es mathematisch fast unmöglich ist, 1,4 Promille mit nur zwei Gläsern Sekt zu erreichen – vor allem, wenn man noch in der Lage ist, ein Auto zu starten. In diesem Moment spürte ich das plötzliche, kalte Prickeln von Schweiß auf meinem unteren Rücken. Er fragte: "Und was genau hat sich in Ihrem Leben seit diesem Samstag geändert?"

Die Sache mit dem Abstinenznachweis und dem ETG-Wert

Ein großer Teil des Gesprächs drehte sich um den ETG-Wert. Ich hatte mich bereits für ein Programm angemeldet, um über 6 Monate meine Abstinenz nachzuweisen. Er erklärte mir, dass meine charakterliche Eignung davon abhängt, ob ich nicht nur nicht mehr trinke, sondern ob ich verstanden habe, *warum* ich getrunken habe. Er wollte keine auswendig gelernten Sätze hören. Er wollte Reflexion.

Ich verbrachte fast zwanzig Minuten damit, den Zeitablauf der Hochzeitsfeier zu erklären, nur um dann festzustellen, dass ich mich nicht einmal mehr erinnern konnte, wann ich in dieser Nacht wirklich aufgehört hatte zu trinken. Es war so peinlich. Ich sah an die Wand, an der seine Urkunden hingen, und dachte mir: Du siehst Leute wie mich jede Stunde, aber für mich ist das hier die demütigendste Stunde meines ganzen Jahres.

Er gab mir Hausaufgaben auf. Ich sollte mir genau ansehen, welche Rolle Alkohol in meinem Stressmanagement spielte. Als Office Managerin war ich diejenige, die alle Probleme gelöst hat – aber meine eigenen Probleme habe ich wohl mit einem Glas Wein am Abend runtergespült. Wer sich fragt, was man alles an Papierkram braucht, sollte mal hier schauen: Welche Unterlagen brauche ich für den MPU Antrag in München? – das ist der bürokratische Teil, der fast einfacher ist als die psychologische Arbeit.

Ein Kugelschreiber auf einem Schreibtisch in einer verkehrspsychologischen Praxis.

Warum die erste Beratung weh tun muss

Ich verließ die Praxis vollkommen erschöpft. Ich lief zu Fuß zurück Richtung Rotkreuzplatz, der Regen war mittlerweile kälter geworden. Mein Kopf dröhnte. Es war kein angenehmer Termin, aber es war ein notwendiger. Ich hatte endlich eine Art Fahrplan. Wenn man wie ich mit 1,4 Promille erwischt wurde, reicht es nicht, einfach nur abzuwarten, bis die Sperrfrist abläuft.

In den Wochen danach habe ich mich viel intensiver mit dem MPU Masterplan beschäftigt. Ich habe gelernt, wie ich meine MPU Fragen zum Alkoholkonsum ehrlich beantworten kann, ohne in die Rechtfertigungsfalle zu tappen. Es ist ein Prozess, der weh tut. Manchmal sitze ich sonntags immer noch auf dem Boden und weine, weil ich mich frage, wie ich so dumm sein konnte. Aber dann sehe ich die kleinen Punkte in meinem Tagebuch – die Wochen, die ich bereits geschafft habe.

Für alle, die vielleicht mit Drogenproblematiken zu kämpfen haben (was bei mir nicht der Fall war, aber eine Bekannte aus einem Forum nutzt das), gibt es auch den FLEX3 Online MPU Kurs für Drogen. Es ist wichtig, dass man sich die Hilfe sucht, die zum eigenen Fall passt. Die MPU ist kein Test, den man mit Glück besteht. Es ist eine Prüfung der eigenen Veränderung.

Mein Fazit nach dem ersten Termin

Was ich aus dieser ersten Beratung beim Verkehrspsychologen in München mitgenommen habe? Vor allem Demut. Und die Erkenntnis, dass meine alte Strategie – alles allein regeln zu wollen – hier nicht funktioniert. Ich muss lernen, Hilfe anzunehmen. Ob das nun die Gespräche sind, mein Workbook oder die ehrliche Auseinandersetzung mit meinen Fehlern.

Wenn du selbst gerade an diesem Punkt stehst: Geh hin. Auch wenn du Angst hast. Auch wenn es sich anfühlt, als würdest du nackt vor einem Fremden stehen. Es ist der erste echte Schritt zurück zu dem Menschen, der du sein willst – jemand, der Verantwortung übernimmt. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, aber zumindest kenne ich jetzt die Richtung. Und heute Abend gibt es keinen Wein, sondern nur einen kalten Tee und mein Notizbuch. Das ist mein neuer Sonntagabend in Neuhausen.

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