Wieder am Steuer

MPU Vorbereitung psychologisches Gespräch: Mehr Sicherheit durch den Masterplan

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Der Tee ist schon wieder eiskalt. Er steht neben mir auf den hellgrauen Fliesen in meiner Küche in Neuhausen, während draußen die Vögel im Hinterhof langsam ruhig werden. Es ist Sonntagabend, Anfang Juni 2026, und ich sitze hier mit meinem Notizbuch und diesem dicken Workbook, das sich inzwischen fast wie ein Teil meiner Identität anfühlt. Woche 40 ohne Führerschein. Eine Zahl, die ich mir im September letzten Jahres, als die Polizei mich mit 1,4 Promille aus dem Verkehr zog, niemals hätte vorstellen können.

Hinweis von mir: In diesem Text teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen und erwähne auch die Workbooks, mit denen ich arbeite. Wenn du über die Links in diesem Artikel etwas kaufst, erhalte ich eine Provision – für dich ändert sich am Preis natürlich gar nichts. Ich empfehle hier nur Dinge, die ich selbst auf meinem Küchenboden durchgearbeitet habe. Wichtig: Ich bin keine Anwältin und keine Therapeutin. Dieses Tagebuch ersetzt keine Rechtsberatung (dafür gibt es Fachanwälte für Verkehrsrecht) und keine Suchtberatung. Wenn du merkst, dass du Hilfe brauchst, wende dich bitte an Profis oder Beratungsstellen.

Die Angst vor dem Raum mit der verschlossenen Tür

Seit der formale Brief mit der MPU-Aufforderung im November 2025 in meinem Briefkasten landete, kreisen meine Gedanken eigentlich nur um eine Sache: dieses psychologische Gespräch. Die ärztliche Untersuchung? Okay, Blutwerte kann man kontrollieren. Der Reaktionstest? Da bin ich als ehemalige Office Managerin eigentlich fit genug am Computer. Aber 45 bis 60 Minuten mit einem Psychologen in einem Raum zu sitzen, der tief in meiner Seele gräbt, warum ich an jenem Samstagabend nach der Hochzeit dachte, es sei eine gute Idee, noch selbst nach Hause zu fahren... das macht mir eine Heidenangst.

Letzten Mittwoch hatte ich wieder einen Termin bei meiner Verkehrspsychologin hier in München. Ich bin mit der U7 Richtung Westfriedhof gefahren und habe die ganze Zeit auf meine Hände gestarrt. Sie fragte mich nach meinem Rückfallrisiko. Und ich? Ich habe gestammelt. Ich dachte, wenn ich sage, dass ich seit September keinen Tropfen mehr angerührt habe und mein ETG-Wert (dieser Marker für Abstinenz) jedes Mal perfekt war, reicht das. Aber sie schüttelte nur den Kopf und sagte: "Frau S., Ihre Werte sind die Eintrittskarte, aber das Gespräch ist das Konzert. Ohne Aufarbeitung bleibt die Tür zu."

Nahaufnahme eines MPU-Workbooks mit handschriftlichen Notizen zum Thema Trennungsvermögen.

Warum Abstinenznachweise nur die halbe Miete sind

Das war der Moment, in dem ich zu Hause wieder zum MPU Masterplan Alkohol gegriffen habe. Ich hatte das Workbook eine Woche lang nicht angerührt, weil mich die Fragen darin so sehr angestrengt haben. Es ist so ein seltsames Gefühl – die raue Textur der Workbook-Seiten unter meinen Handflächen, während das gleichmäßige Brummen meines alten Kühlschranks die einzige Geräuschkulisse in der Küche ist. Ich habe lange versucht, mich hinter den Fakten zu verstecken. Ich bin 36 Jahre alt, ich hatte einen Job mit Verantwortung, ich bin kein "Alkoholiker" im klassischen Sinne – so habe ich mir das zumindest immer eingeredet.

Aber der Masterplan zwingt mich dazu, über die charakterliche Eignung nachzudenken. Es geht nicht nur darum, nicht zu trinken. Es geht um das Analysieren der persönlichen Trinkanlässe. Die Psychologen wollen sehen, ob ich ein echtes Trennungsvermögen entwickelt habe. Das bedeutet: Kann ich garantieren, dass ich nie wieder Trinken und Fahren kombiniere? Und diese Garantie gebe ich nicht durch ein Versprechen, sondern durch den Beweis, dass ich verstanden habe, was mich damals dazu getrieben hat.

Ich habe am Freitag bei einer kleinen Geburtstagsfeier im Büro einer ehemaligen Kollegin ein Glas Sekt vor mich hingestellt, nur damit niemand fragt. Ich habe es nicht angerührt, keinen Schluck. Aber es war ein dummer Test. Ein Test an mich selbst, der mir gezeigt hat, wie unsicher ich eigentlich noch bin. In meinem Tagebuch habe ich diesen Tag mit einem großen, schwarzen Punkt markiert. Ein schlechter Tag, weil ich wieder einmal versucht habe, die Fassade aufrechtzuerhalten, statt einfach zu sagen: "Nein danke, ich trinke nicht mehr."

Das Scheitern an der Frage nach dem Warum

Einer der schwierigsten Momente war letzte Woche Sonntag. Ich saß genau hier, die Kaffeetasse mit dem kleinen Sprung im Porzellan in der Hand, und starrte auf den Abschnitt im Masterplan, in dem es um das "Warum" geht. Ich habe zwei Stunden lang auf eine leere Seite gestarrt. Ich war einfach nicht bereit zuzugeben, dass mein Alkoholkonsum mehr war als nur ein einmaliger Ausrutscher auf einer Hochzeit. In meinem Kopf war es immer die "besondere Situation". Aber 1,4 Promille baut man nicht mal eben so mit zwei Gläsern Wein auf.

Ich habe gemerkt, dass ich Modul 3 des Masterplans jetzt schon zum dritten Mal von vorne anfange. Jedes Mal, wenn ich denke, ich habe eine Antwort, merke ich beim lauten Vorlesen, dass es wie eine billige Ausrede klingt. Die psychologische Aufarbeitung der Rückfallrisiken ist so viel anstrengender als jeder Verzicht auf das Feierabendbier. Wer nur auf seine Abstinenznachweise starrt, übersieht oft, dass die Psyche viel länger braucht um zu heilen als die Leberwerte.

Das ist auch der Grund, warum ich mich gegen eine reine Gruppenberatung entschieden habe. Ich brauche diesen Rückzugsort hier auf meinem Küchenboden. Ein Bekannter aus einem Online-Forum nutzt übrigens den FLEX3 Online Kurs für Drogen-MPU, weil er ein ähnliches Problem mit Cannabis hatte. Er sagt, die Struktur hilft ihm, nicht völlig den Verstand zu verlieren, wenn die Angst vor dem MPU-Termin wieder hochkommt. Auch wenn sein Kurs für mich inhaltlich nicht passt, verstehe ich jetzt, was er meint: Man braucht ein Geländer, an dem man sich festhalten kann, wenn der Nebel im Kopf zu dicht wird.

Blick aus einem Fenster in Neuhausen bei Dämmerung mit einem MPU-Tagebuch im Vordergrund.

Das psychologische Gespräch als Chance, nicht als Verhör

Was ich durch das ständige Wiederholen der Module gelernt habe: Das psychologische Gespräch bei der MPU ist kein Verhör, auch wenn es sich so anfühlt. Es ist eher wie ein extrem ehrliches Vorstellungsgespräch für den Rest meines Lebens. Wenn ich dort sitze und nur meine ETG-Werte präsentiere, als wären sie ein glänzendes Zeugnis, werde ich scheitern. Die Fixierung auf die reine Abstinenz kann im Gespräch sogar kontraproduktiv wirken, wenn man nicht erklären kann, wie man mit schwierigen Situationen in der Zukunft umgeht.

Ich lerne gerade, wie ich meine MPU Fragen zum Alkoholkonsum ehrlich beantworten kann. Nicht so, wie ich denke, dass sie es hören wollen, sondern so, wie es wirklich war. Dass ich getrunken habe, wenn der Stress im Büro zu viel wurde. Dass ich getrunken habe, um mich in sozialen Situationen weniger unsicher zu fühlen. Das zuzugeben tut weh. Es kratzt an meinem Selbstbild als taffe Office Managerin aus Neuhausen, die alles im Griff hat.

Manchmal liege ich einfach nur lange auf dem Sofa und schaue die Zimmerdecke an. Ich frage mich, ob ich jemals wieder die Leichtigkeit zurückbekomme, die ich vor diesem Augustabend 2025 hatte. Aber vielleicht ist "Leichtigkeit" auch gar nicht das Ziel. Vielleicht ist das Ziel eher eine neue Form von Klarheit. Ich habe angefangen, meine schlechten Tage zu markieren, um Muster zu erkennen. Das Workbook hilft mir dabei, diese Muster nicht nur zu sehen, sondern sie auch in Worte zu fassen, die ich später im Gespräch nutzen kann.

Mein Weg zum "Bestanden" auf dem Küchenboden

Es ist jetzt fast elf Uhr abends. Morgen früh muss ich wieder mit der U-Bahn zur Arbeit – eine Strecke, die ich früher in 15 Minuten mit dem Auto erledigt habe und für die ich jetzt fast 40 Minuten brauche. Jeden Tag ist das eine Erinnerung an meinen Fehler. Aber es ist auch eine Erinnerung daran, dass ich mich bewege. Dass ich nicht stehen bleibe.

Ich bin noch nicht am Ziel. Die MPU liegt noch ein paar Wochen vor mir. Aber wenn ich heute in mein Notizbuch schaue, sehe ich nicht mehr nur die Angst. Ich sehe Vorbereitung. Ich sehe, dass ich mich mit dem Masterplan wirklich verändert habe. Es ist kein Auswendiglernen von Antworten mehr. Es ist ein Verstehen meiner selbst.

Falls du auch gerade an diesem Punkt stehst und dich fragst, wie du jemals dieses 60-minütige Gespräch überstehen sollst: Fang an, ehrlich zu dir selbst zu sein, bevor du versuchst, ehrlich zu einem Gutachter zu sein. Mir hat die Struktur des Workbooks dabei geholfen, den ersten Schritt zu machen, als ich selbst noch gar nicht wusste, wo ich anfangen soll. Schau dir den MPU Masterplan für Alkohol einfach mal an – vielleicht ist er für dich auch das Geländer, das du gerade brauchst. Ich klappe mein Buch für heute zu. Der Tee ist immer noch kalt, aber mein Kopf ist ein kleines bisschen sortierter als noch vor zwei Stunden.

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