Wieder am Steuer

Typische Fehler bei der MPU Vorbereitung: Warum mein 'Alles im Griff'-Modus in Neuhausen scheiterte

Überarbeitet

Alles im Griff: Der teuerste Denkfehler meiner MPU-Vorbereitung

Mein Abstinenz-Kalender hört bei Woche zwei auf. Zwei Häkchen, dann eine leere Spalte, die leer geblieben ist. Angefangen habe ich ihn im Alles-im-Griff-Modus — ausdrucken, abhaken, erledigt, so wie ich früher als Office Managerin jedes Projekt organisiert habe. Nur ist die MPU-Vorbereitung kein Projekt mit sauberem Zeitplan, und genau dieser Kalender, der nach vierzehn Tagen einfach abbricht, ist das ehrlichste Bild dafür, wie mein 'Alles im Griff'-Modus hier in Neuhausen auseinandergefallen ist. Was jetzt kommt, ist kein Ratgeber, sondern ein Erfahrungsbericht über die typischen Fehler, die ich bei meiner eigenen Alkohol-MPU gemacht habe.

Seit jenem Samstagabend im Spätsommer 2025, eine Hochzeit, 1,4 Promille, den Führerschein noch an der Straße abgegeben, lebe ich in einer Art Dauerkorrektur. Im November lag die formale Aufforderung im Briefkasten, und seitdem sammle ich die Scherben ein. Das Ganze fühlt sich an wie Navigieren ohne Karte: Man fährt los und merkt erst spät, dass einem niemand sagt, wo es langgeht. Über die meisten Stolpersteine bin ich gefallen, weil ich mir eingeredet habe, ich hätte alles unter Kontrolle.

Der Selbsttest, den ich mir seitdem stelle, ist simpel: Habe ich diese Woche wirklich etwas getan — das Notizbuch aufgeschlagen, einen ehrlichen Satz hineingeschrieben —, oder rede ich mir nur ein, ich hätte alles im Griff? Fällt die Antwort auf 'nur eingeredet', ist das genau der Punkt, an dem ich früher stehen geblieben bin. Diese eine Frage ist der eigentliche Gewinn aus den Fehlern der letzten Monate.

Zu lange gewartet, zu spät mit den Nachweisen angefangen

Wochenlang habe ich gewartet und mir dabei eingeredet, ich hätte ja Zeit. Ich trinke doch ohnehin fast nichts mehr, dachte ich, das läuft von allein. Kostbare Monate sind so vergangen, bevor ich mich überhaupt über den Abstinenznachweis informiert habe. Die Leberwerte vom Hausarzt, auf die ich mich verlassen wollte, reichen dafür nämlich nicht — man braucht die richtigen, offiziellen Belege, und mit denen fängt man besser früh an als spät.

Statt einen Termin in einem Labor zu machen, habe ich lange auf dem Sofa gelegen und die Zimmerdecke angeschaut. Den Abstinenznachweis zu früh starten zu wollen und dabei den ETG-Grenzwert misszuverstehen, das war fast mein teuerster Fehler, und die genaue Rechnung dazu spare ich mir hier bewusst, weil ich sie selbst erst spät begriffen habe. Wer zu spät anfängt, verlängert die Zeit ohne Führerschein künstlich; wer zu früh und falsch anfängt, verbrennt Nachweise, die er später dringend braucht.

Tagebuch mit kleinen Punkten für die schlechten Tage — Erfahrungsbericht zur MPU-Vorbereitung bei Alkohol-MPU

Der gute Vorsatz reicht nicht ohne das Warum

Meine Verkehrspsychologin hat mich letzten Mittwoch etwas gefragt, das mir bis heute nachgeht: was der Alkohol in meinem Leben eigentlich gefüllt hat. Ich saß da und hatte keine Antwort, nur Ausreden. Der Satz 'Ich trinke nie wieder, weil ich meinen Führerschein brauche' klingt gut, aber die Medizinisch-Psychologische Untersuchung belohnt kein Wohlverhalten — sie fragt nach der charakterlichen Eignung, und die kann man nicht auswendig lernen.

Susanne aus dem Forum hat mir das einmal in zwei Sätzen klargemacht: Der Gutachter will Einsicht hören, keine Geständnisse. Genau davor hatte ich mich gedrückt, als ich dachte, ich müsste nur die passenden Formulierungen parat haben, MPU Fragenkatalog Alkohol: Warum auswendig lernen für die Prüfung nicht reicht, dieser Gedanke klingt logisch, und trotzdem klammert man sich an die Strohhalme. Auswendig gelernte Antworten merkt das Gegenüber sofort.

Den psychologischen Teil als Schikane abstempeln

Wütend war ich lange, auf die Kontrolle in jener Nacht, auf die Gutachter, auf das ganze Verfahren. Diese Haltung ist Gift, das merke ich erst jetzt: Wer innerlich auf Abwehr schaltet, kommt an die eigenen Trinkanlässe nicht heran und dreht sich nur im Kreis. Das MPU-Masterplan-Workbook lag deshalb wochenlang zugeklappt auf dem Küchenstuhl neben mir. Und als dann die Frage nach genau diesen Anlässen kam, war von meinem Organisationstalent nichts mehr übrig — nur Scham.

Dirk, ein früherer Kollege, weiß Bescheid, und bringt es kein einziges Mal von sich aus zur Sprache, was auf eine stille Art guttut. Vor ihm muss ich nichts spielen, und genau das fehlte mir bei der MPU: Den Gutachter überlisten zu wollen war naiv, denn solange man nicht übt, wie ich meine MPU Fragen zum Alkoholkonsum ehrlich beantworten lerne, spürt das Gegenüber sofort die Lücke zwischen den Worten und der Haltung dahinter. Mein Trennungsvermögen ist noch nicht da, wo es sein müsste, und das offen zuzugeben fällt schwerer als jedes Formular.

U-Bahnhof Westfriedhof bei Nacht — der Weg zur Alkohol-MPU und ihren typischen Fehlern

Kein Netz für die schlechten Tage

Die schlechten Tage markiere ich mit einem kleinen Punkt im Notizbuch; diese Woche sind es drei geworden. Lange dachte ich, mit dem Führerschein zurück wäre alles gut — aber was, wenn im nächsten Job der Druck kommt, wenn die alte Lieblings-Bar mir eine Mail schickt, wenn der Abend in Neuhausen einfach zu still ist? Einen Punkt zu setzen ist leicht. Zu wissen, was ich an so einem Abend stattdessen tue, ist die eigentliche Arbeit — und der Test, an dem sich echte Vorbereitung von guten Vorsätzen trennt.

Ohne einen echten Plan B baut man nur ein Kartenhaus aus guten Vorsätzen. Früher war der Wein mein Feierabend; jetzt ist es der Tee in der blauen Tasse mit dem Sprung, oft kalt, weil ich ihn über dem Schreiben vergesse. Zwei Straßen weiter rumpelt die U7 Richtung Westfriedhof durch den Boden, im immer gleichen Takt, und ich habe aufgehört mitzuzählen. So ein Abend ist kein Sieg, aber auch kein Rückfall — und diese Unterscheidung musste ich erst lernen.

Was ich diese Woche anders mache

In Woche fünf, seit ich die Vorbereitung wirklich ernst nehme, klingelte das Telefon, die Nummer der Begutachtungsstelle auf dem Display. Ich bin einfach rangegangen, ohne mir vorher Sätze zurechtzulegen, ohne eine einzige Übung im Kopf. Mitten im Gespräch fiel mir auf, dass ich nicht mehr auswendig antwortete, sondern einfach sagte, wie es ist. Kein großer Moment, kein Aha — nur ein Anruf, den ich ein paar Monate vorher noch gefürchtet hätte.

Vier Dinge mache ich seitdem anders. Die vermeintliche Kontrolle habe ich als das erkannt, was sie war: eine Illusion. Die Termine bei der Verkehrspsychologin sind kein Feindbesuch mehr, sondern der eine Ort, an dem ich das alles laut aussprechen kann. Ausreden wie 'Es war ja nur eine Hochzeit' habe ich gestrichen, und statt meine Auslöser wegzulächeln, schaue ich sie mir inzwischen an, auch wenn es unangenehm ist.

Das Notizbuch klappe ich gleich zu, der Tee ist längst kalt, und die mintgrünen Fliesen unter mir wärmen sich den ganzen Abend nicht auf. Wenn ich diese Wochen auf einen Satz bringen müsste, dann diesen: Der 'Alles im Griff'-Modus ist bei der MPU-Vorbereitung nicht die Lösung, sondern der erste Fehler — echte Vorbereitung fängt genau dort an, wo ich zugebe, dass ich eben nicht alles im Griff habe. Nächste Woche steht wieder ein Termin im Labor an, ein weiterer kleiner Schritt, ein weiterer Punkt im Buch — und hoffentlich ein Fehler weniger auf dem Weg zurück. Wenn du selbst mittendrin steckst, hol dir echte Hilfe bei einer Beratungsstelle oder einem Fachanwalt für Verkehrsrecht; ich schreibe das hier nur auf, um nicht durchzudrehen.

Verwandte Artikel