
Sonntagabend, Ende Mai 2026. Ich sitze auf dem Dielenboden meiner Küche in Neuhausen, der Rücken lehnt am kalten Kühlschrank. Draußen vor dem Fenster wird es langsam dunkel, und der Verkehr auf der Nymphenburger Straße klingt nur noch wie ein fernes Rauschen. Neben mir steht eine Tasse Pfefferminztee, die ich vor einer Stunde aufgebrüht habe – sie ist inzwischen eiskalt und schmeckt nach gar nichts mehr. Aber ich brauche diesen Moment gerade, dieses Starren auf die Zahlen in meinem Notizbuch.
Bevor ich euch die nackte Wahrheit über mein Konto zeige: Ein kurzer Hinweis. In diesem Tagebuch teile ich meine ehrlichen Erfahrungen und die Workbooks, die ich selbst für meine Vorbereitung nutze. Wenn du über die Links in diesem Text etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass für dich zusätzliche Kosten entstehen. Ich empfehle nur, was wirklich auf meinem Küchenboden liegt und mir hilft, den Kopf über Wasser zu halten. Dieses Tagebuch ist natürlich keine Rechtsberatung und keine Suchttherapie – ich habe keine therapeutische Ausbildung und bin keine Anwältin. Wenn es bei dir brennt, geh bitte zu einem Fachanwalt für Verkehrsrecht oder zur Suchtberatung. Meine vollständige Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.
Der Moment, in dem die Realität zuschlägt
Ich weiß noch, wie ich im September 2025 dachte, die Strafe vom Amtsgericht wäre das Schlimmste. Ein paar Tausend Euro, ein paar Monate Fahrverbot – dachte ich. Wie naiv ich war. Inzwischen bin ich in Woche 38 ohne Führerschein. Gestern saß ich mit meiner Schwester im Café am Rotkreuzplatz. Sie hat nicht gefragt, warum ich schon wieder mit der U-Bahn gekommen bin, aber dieses mitleidige Lächeln, als ich mein IsarCard-Abo aus der Tasche kramte, hat mehr wehgetan als jede Gebührenrechnung. Überall diese Plakate für neue Autos, und ich sitze da und rechne im Kopf aus, wie viel Geld ich diesen Monat schon wieder für die 'Mission Führerschein' ausgegeben habe.
Letzten Sonntag habe ich angefangen, alles akribisch aufzuschreiben. Das raue Papier meines Notizbuchs unter meinen Fingern fühlte sich fast tröstlich an, bis ich die Summe zum dritten Mal dick mit dem Kugelschreiber umkreiste. Knapp 1.600 Euro. Das sind fast drei Monatsmieten für meine kleine Wohnung hier in Neuhausen. Ein verdammt teures Glas Wein auf dieser Hochzeit damals im Spätsommer 2025.

Die Gebührenfalle: KVR und TÜV Süd
Ich hatte im Januar diesen Brief vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) im Briefkasten. Die Gebühr für die Neuerteilung. Ich dachte: 'Okay, das wird es dann wohl sein.' Von wegen. Um die 150 Euro wollten die allein für die Bearbeitung, inklusive Führungszeugnis und der Abfrage in Flensburg. Das war der erste Stich. Wenn du gerade erst anfängst, schau dir unbedingt an, welche Unterlagen du für den MPU Antrag in München wirklich brauchst, damit du nicht doppelt rennst und zahlst.
Dann kam der eigentliche Brocken: Die Begutachtungsgebühr. Da ich wegen Alkohol ran muss, liegt der Standardtarif beim TÜV Süd in Bayern aktuell bei etwa 500 Euro. Das Geld musst du vorab überweisen, sonst bekommst du nicht mal einen Termin. Es fühlt sich an, als würde man eine Eintrittskarte für ein Konzert kaufen, bei dem man eigentlich nur ausgebuht werden will.
Die versteckten Posten: Abstinenz und Haarspalterei
Dann kam die Sache mit den Nachweisen. Ich habe mich für die Haaranalyse entschieden, weil ich dieses ständige Auf-Abruf-Bereitstehen beim Urinkontrollprogramm psychisch nicht gepackt hätte. Im Februar kam die Rechnung für die erste Analyse. Ein kurzer, stechender Kopfschmerz schoss mir ein, als ich den Betrag sah: Knapp 250 Euro für drei Zentimeter Haare. Und weil ich für meine 1,4 Promille insgesamt sechs Monate Nachweise brauche, sind das am Ende 500 Euro nur für das Labor hier in München.
Hier mal die nackte Aufstellung, die gerade vor mir liegt:
- MPU-Begutachtungsgebühr: Etwa 500 Euro.
- Abstinenznachweise (2x Haaranalyse): Etwa 500 Euro.
- Gebühr für die Neuerteilung (KVR München): Etwa 150 Euro.
- Vorbereitung (Workbook & Kurs): Etwa 450 Euro.
Gesamtsumme: Knapp 1.600 Euro.
Und das ist nur die 'Hardware'. Da ist noch kein einziger Termin bei einer Verkehrspsychologin drin, keine Fahrtkosten zum Westfriedhof, nichts. Nur das nackte Überleben im MPU-Dschungel. Es ist leicht, hier typische Fehler bei der MPU Vorbereitung zu machen, die am Ende noch viel teurer werden.
Der 2.000-Euro-Guru und die Suche nach Struktur
Mitte März hatte ich einen absoluten Tiefpunkt. Ich war so verzweifelt, dass ich fast ein 2.000-Euro-Wochenendseminar bei so einem selbsternannten MPU-Guru gebucht hätte. Ich hatte den Termin schon fest im Kalender stehen. Aber dann habe ich ein paar Nächte darüber geschlafen und mir die Unterlagen nochmal angesehen. Es waren nur Standard-Floskeln. 'Sagen Sie dies, sagen Sie das.' Keine echte Reflexion, kein Eingehen auf das, was in jener Nacht wirklich passiert ist. Ich habe es im letzten Moment abgesagt. Ich wollte nicht noch mehr Geld für eine Maske ausgeben, die beim ersten Nachhaken des Gutachters zerbricht.
Stattdessen habe ich mich für das strukturierte Selbststudium entschieden. Seit ein paar Wochen arbeite ich mit dem MPU Masterplan Alkohol. Das Workbook liegt jetzt hier neben meinem kalten Tee. Es hat mich etwa 450 Euro gekostet und bietet mir genau die Struktur, die ich brauche. Manchmal schlage ich es auf und starre nur die Fragen zum Trennungsvermögen an. Es ist hart, ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn man allein auf dem Küchenboden sitzt. Aber es hilft mir dabei, meine MPU Fragen zum Alkoholkonsum ehrlich beantworten zu lernen, statt nur auswendig gelernte Sätze aufzusagen.
Das Workbook hat konkrete Aufgaben für jede Woche, was sich für mich wie ein roter Faden durch diesen Nebel anfühlt. Einziger Nachteil: Wenn ich es mal eine Woche liegen lasse – was vorkommt, wenn der Job als Office Managerin mal wieder stresst – muss ich mich echt aufraffen, wieder reinzukommen. Der Kurs nimmt einen nicht an der Hand, man muss die ehrliche Arbeit selbst machen.
Wenn die Umgebung gegen dich arbeitet
Gestern habe ich beim Bäcker einen Bekannten getroffen, der ein kleines Bistro betreibt. Er steckt auch gerade in der MPU-Schleife fest, aber bei ihm ist es noch viel schwieriger. Er muss beruflich ständig Weine verkosten – für ihn ist der Abstinenznachweis fast unmöglich. Er erzählte mir, dass er schon einen Test 'verhaun' hat, weil er die psychologische Belastung unterschätzt hat. Das hat mich nachdenklich gemacht. Meine Kosten sind viel Geld, ja. Aber ich habe das Privileg, in meinem Bürojob nicht ständig mit Alkohol konfrontiert zu sein.
Für jemanden, der wegen anderer Substanzen in dieser Situation ist, gibt es übrigens ähnliche Programme. Eine Bekannte aus einem Forum nutzt den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs und meinte, die Lernlogik sei dort genauso strukturiert, nur eben auf Drogen-Fragestellungen zugeschnitten. Wir sitzen alle im selben Boot, egal ob U7 oder Tram 12.
Warum ich trotzdem weitermache
Ich habe am Freitag bei einer kleinen Firmenfeier ein Glas Sekt vor mich hingestellt, damit niemand fragt. Ein dummer Test, ich weiß. Ich habe es nicht angerührt, aber allein das Gefühl, es vor sich zu haben, war wie ein Echo aus dem letzten Sommer. Ich habe das Workbook diese Woche zwei Tage lang nicht aufgemacht, weil mich die Aufgaben zu meiner Trinkhistorie einfach fertiggemacht haben. Ich saß stattdessen auf dem Sofa und habe die Raufasertapete an der Decke gezählt.
Aber dann sehe ich die Zahlen in meinem Notizbuch. Das ist der Preis für meine zweite Chance. Wenn ich jetzt aufgebe, war das ganze Geld, die ganze Scham und das ganze Warten umsonst. Die Kosten für eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung sind ein verdammt teures Lehrgeld, aber vielleicht ist es das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich lerne, was Verantwortung bedeutet.
Es ist jetzt fast Mitternacht. Der Tee ist weggekippt, das Notizbuch zugeklappt. Morgen ist Montag, eine neue Woche ohne Führerschein, eine neue Woche näher am Tag X. München schläft, und ich versuche es jetzt auch. Knapp 1.600 Euro. Ein tiefer Atemzug. Es ist nur Geld. Meine Freiheit und mein neues Selbstbild sind mehr wert.
Wenn du auch gerade rechnest und nicht weißt, wo du anfangen sollst: Fang bei dir selbst an. Ein strukturiertes Workbook wie der Masterplan ist ein guter Anker, aber die eigentliche Reise findet in deinem Kopf statt. Wir hören uns nächsten Sonntag.