
Sonntagabend, der 26. April 2026. Ich sitze auf dem Dielenboden meiner Küche in Neuhausen, der Rücken lehnt am kalten Kühlschrank. Neben mir steht eine Tasse Pfefferminztee, die ich vor einer Stunde aufgebrüht habe – sie ist inzwischen eiskalt und schmeckt nach gar nichts mehr. Aber ich brauche diesen Moment gerade, dieses Starren auf die Zahlen in meinem Notizbuch.
Bevor ich euch die nackte Wahrheit über mein Konto zeige: Ein kurzer Hinweis. Ich teile hier meine ehrlichen Erfahrungen und die Workbooks, die ich selbst für meine Vorbereitung nutze. Wenn du über die Links in diesem Text etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich am Preis rein gar nichts. Ich empfehle nur, was wirklich auf meinem Küchenboden liegt und mir hilft, den Kopf über Wasser zu halten. Dieses Tagebuch ist natürlich keine Rechtsberatung und keine Suchttherapie – wenn es bei dir brennt, geh bitte zum Fachanwalt für Verkehrsrecht oder zur Suchtberatung.
Der Moment, in dem die Realität zuschlägt
Ich weiß noch, wie ich im September 2025 dachte, die Strafe vom Amtsgericht wäre das Schlimmste. Ein paar Tausend Euro, ein paar Monate Fahrverbot – dachte ich. Wie naiv ich war. Inzwischen bin ich in Woche 34 ohne Führerschein. Gestern bin ich wieder mit der U7 zum Westfriedhof gefahren, nur um ein bisschen spazieren zu gehen und den Kopf frei zu bekommen. Überall diese Plakate für neue Autos, und ich sitze da mit meinem IsarCard-Abo und rechne im Kopf aus, wie viel Geld ich diesen Monat schon wieder für die „Mission Führerschein“ ausgegeben habe.
Letzten Sonntag habe ich angefangen, alles akribisch aufzuschreiben. Das raue Papier meines Notizbuchs unter meinen Fingern fühlte sich fast tröstlich an, bis ich die Zahl 1.580 zum dritten Mal dick mit dem Kugelschreiber umkreiste. 1.580 Euro. Das sind fast drei Monatsmieten für meine kleine Wohnung hier in Neuhausen. Ein verdammt teures Glas Wein auf dieser Hochzeit damals im Spätsommer 2025.
Ich hatte im Januar, genauer gesagt am 12. Januar 2026, diesen Brief vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) im Briefkasten. Die Gebühr für die Neuerteilung. Ich dachte: „Okay, das wird's dann wohl sein.“ Von wegen. 150 Euro wollten die allein für die Bearbeitung, inklusive Führungszeugnis der Belegart O und der Abfrage in Flensburg. Das war der erste Stich.
Die versteckten Posten: Abstinenz und Gebühren
Dann kam die Sache mit den Nachweisen. Ich habe mich für die Haaranalyse entschieden, weil ich dieses ständige Auf-Abruf-Bereitstehen beim Urinkontrollprogramm psychisch nicht gepackt hätte. Am 15. Februar kam die Rechnung für die erste Analyse. Ein kurzer, stechender Kopfschmerz hinter der rechten Schläfe schoss mir ein, als ich den Betrag sah: 250 Euro für läppische drei Zentimeter Haare. Und weil ich für meine 1,4 Promille insgesamt sechs Monate Nachweise brauche, sind das am Ende 500 Euro nur für das Labor in München.
Hier mal die nackte Aufstellung, die gerade vor mir liegt:
- MPU-Begutachtungsgebühr (TÜV Süd): 480 Euro (das ist der Standardtarif in Bayern für die Fragestellung Alkohol).
- Abstinenznachweise (2x Haaranalyse à 3 Monate): 500 Euro.
- Gebühr für die Neuerteilung (KVR München): 150 Euro.
- Vorbereitung (Workbook): 450 Euro.
Gesamtsumme: 1.580 Euro.
Und das ist nur die „Hardware“. Da ist noch kein einziger Termin bei einer Verkehrspsychologin drin, keine Fahrtkosten, nichts. Nur das nackte Überleben im MPU-Dschungel.
Der 2.000-Euro-Fehler und die Suche nach Struktur
Mitte März hatte ich einen absoluten Tiefpunkt. Ich war so verzweifelt, dass ich fast ein 2.000-Euro-Wochenendseminar bei so einem „MPU-Guru“ gebucht hätte. Ich hatte den Termin am 20. März schon fest im Kalender stehen. Aber dann habe ich ein paar Nächte darüber geschlafen und mir die Unterlagen nochmal genau angesehen. Es waren nur Standard-Floskeln. „Sagen Sie dies, sagen Sie das.“ Keine echte Reflexion, kein Eingehen auf das, was in jener Nacht wirklich passiert ist. Ich habe es im letzten Moment abgesagt. Ich wollte nicht noch mehr Geld für eine Maske ausgeben, die beim ersten Nachhaken des Gutachters zerbricht.
Stattdessen habe ich mich für das strukturierte Selbststudium entschieden. Seit ein paar Wochen arbeite ich mit dem MPU Masterplan Alkohol. Das Workbook hat mich etwa 450 Euro gekostet (eigentlich 484 $, aber ich rechne das immer grob um). Es liegt jetzt hier neben meinem kalten Tee. Manchmal schlage ich es auf und starre nur die Fragen zum Trennungsvermögen an. Es ist hart, ehrlich zu sich selbst zu sein, wenn man allein auf dem Küchenboden sitzt. Aber es gibt mir eine Struktur, die mir der 2.000-Euro-Kurs nie gegeben hätte.
Wie ich schon in meinem ersten Eintrag schrieb (Sonntagabend in Neuhausen: Der gelbe Umschlag und mein erster Blick in den Masterplan), ist dieser Weg verdammt einsam, wenn man ihn nur über das Geld definiert.
Wenn die Umgebung gegen dich arbeitet: Die Gastronomie-Falle
Gestern habe ich beim Bäcker am Rotkreuzplatz einen Bekannten getroffen. Er betreibt ein kleines Bistro hier in der Nähe. Er steckt auch gerade in der MPU-Schleife fest, aber bei ihm ist es noch viel schlimmer. Er muss beruflich ständig Weine verkosten, Saucen mit Alkohol abschmecken – für ihn ist der Abstinenznachweis fast unmöglich. Sein soziales Umfeld besteht aus Leuten, die Feierabendbier als Grundrecht ansehen. Er erzählte mir, dass er schon zwei ETG-Tests „verhaun“ hat, weil er die psychologische Belastung, in einer Bar zu arbeiten und nichts trinken zu dürfen, unterschätzt hat.
Das hat mich nachdenklich gemacht. Meine 1.580 Euro sind viel Geld, ja. Aber ich habe das Privileg, in einem Bürojob (oder was davon nach meinem Sabbatical/Rauswurf übrig ist) nicht ständig mit Alkohol konfrontiert zu sein. Für Menschen in der Gastronomie ist die MPU nicht nur eine finanzielle, sondern eine existenzielle Zerreißprobe. Die „charakterliche Eignung“ zu beweisen, wenn man in der Höhle des Löwen arbeitet, kostet Kraft, die man in keinem Euro-Betrag ausdrücken kann.
Warum ich trotzdem weitermache
Ich habe am Freitag bei einer Geburtstagsfeier ein Glas Sekt vor mich hingestellt, damit niemand fragt. Ein dummer Test, ich weiß. Ich habe es nicht angerührt, aber allein das Gefühl, es vor sich zu haben, war wie ein Echo aus dem letzten Sommer. Ich habe das Workbook diese Woche zwei Tage lang nicht aufgemacht, weil mich die Aufgaben zu meiner Trinkhistorie einfach fertiggemacht haben. Ich saß stattdessen auf dem Sofa und habe die Raufasertapete an der Decke gezählt.
Aber dann sehe ich die 1.580 Euro in meinem Notizbuch. Das ist der Preis für meine zweite Chance. Wenn ich jetzt aufgebe, war das ganze Geld, die ganze Scham und das ganze Warten umsonst. Der MPU Masterplan Alkohol hilft mir dabei, die ETG-Werte und die rechtlichen Begriffe nicht nur als Zahlen zu sehen, sondern als Meilensteine. Es ist ein verdammt teures Lehrgeld, aber vielleicht ist es das erste Mal in meinem Leben, dass ich wirklich lerne, was Verantwortung bedeutet.
Falls jemand von euch in einer ähnlichen Situation ist, aber wegen Drogen ran muss: Eine Bekannte aus einem Forum nutzt das FLEX3 Online MPU Drogen Programm und scheint damit auch gut klarzukommen. Die Kosten sind da ähnlich, aber die Themen natürlich ganz andere. Wir sitzen alle im selben Boot, egal ob U7 oder Tram 12.
Es ist jetzt fast Mitternacht. Der Tee ist weggekippt, das Notizbuch zugeklappt. Morgen ist Montag, eine neue Woche ohne Führerschein, eine neue Woche näher am Tag X. München schläft, und ich versuche es jetzt auch. 1.580 Euro. Ein tiefer Atemzug. Es ist nur Geld. Meine Freiheit ist mehr wert.
Wenn du auch gerade rechnest und nicht weißt, wo du anfangen sollst: Fang bei dir selbst an. Das Workbook ist ein guter Anker, aber die Arbeit musst du machen. Wir hören uns nächsten Sonntag.