Wieder am Steuer

Alkoholfrei leben nach der Trunkenheitsfahrt: Mein neuer Alltag in Neuhausen (Update 2026)

Überarbeitet

Es war letzten Mittwoch, kurz nach dem Termin bei der Verkehrspsychologin am Rotkreuzplatz. Ich stand an der Ampel, die U7 ratterte unter meinen Füßen im Schacht vom Westfriedhof, und ich hätte fast geheult. Sie hat mich gefragt, warum ich erst jetzt, neun Monate nach der Fahrt mit 1,4 Promille, wirklich verstehe, was 'Trennungsvermögen' bedeutet. Ich hatte keine Antwort. Nur diesen Kloß im Hals und den kalten Wind, der durch die Schulstraße fegte.

Hinweis: In diesem Tagebuch teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen auf dem Weg zurück zum Führerschein. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links – wenn du darüber etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, für dich ändert sich nichts am Preis. Ich empfehle hier nur Dinge wie den Masterplan, die ich selbst auf meinem Küchenboden in Neuhausen durchgearbeitet habe. Ich bin keine Psychologin, keine Anwältin und keine Therapeutin – ich bin eine 36-Jährige, die Mist gebaut hat. Das hier ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine Suchttherapie. Wenn du rechtliche Hilfe brauchst, such dir einen Fachanwalt für Verkehrsrecht; bei Alkoholproblemen sind Beratungsstellen oder die Suchtberatung die richtigen Adressen. Meine Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.

Woche 41 ohne Führerschein: Wenn die Fassade in Neuhausen bröckelt

Heute ist Sonntagabend, Anfang Juni 2026. Ich sitze wieder hier, der Rücken lehnt an der Heizung, neben mir eine Tasse Kräutertee, die schon seit einer Stunde eiskalt ist. Mein blaues Notizbuch liegt auf den Fliesen. 41 Kreuze. Fast ein Dreivierteljahr ohne Auto. Wer hätte gedacht, dass man als ehemalige Office Managerin, die eigentlich alles im Griff hatte, so tief fallen kann? Die ungelöschte Mail meiner alten Lieblings-Bar in der Donnersbergerstraße poppt manchmal noch auf meinem Handy auf. 'Happy Hour!', schreit sie mich an. Ich lösche sie nicht. Ich starre sie an wie ein Relikt aus einem Leben, das nicht mehr meins ist.

Mein Alltag in Neuhausen hat sich komplett verschoben. Früher war der Wagen mein Schutzraum. Heute ist es die U7. Aber dieses Gefühl, wenn man morgens in die Bahn steigt und hofft, dass niemand aus der alten Firma fragt, warum man nicht mehr mit dem SUV auf den Parkplatz rollt... es ist zermürbend. Ich habe neulich einer ehemaligen Kollegin erzählt, ich mache jetzt 'Carsharing aus ökologischer Überzeugung'. Eine feige Lüge. Die Wahrheit ist: Ich darf nicht. Und die Scham darüber sitzt tiefer als jeder Kater, den ich je hatte.

Nahaufnahme eines handgeschriebenen Kalenders mit markierten Wochen ohne Alkohol und einem schlechten Tag.

Der Moment, in dem das Workbook zum Feind wurde

Ich habe im Januar angefangen, mit dem MPU Masterplan Alkohol zu arbeiten. Eigentlich dachte ich, ich ziehe das in vier Wochen durch. Aber die Realität sieht anders aus. Vor drei Wochen habe ich das Workbook komplett in die Ecke gepfeffert. Modul 3 – die Analyse der Trinkanlässe. Da steht diese eine Frage: 'In welchen Momenten war Ihnen die Wirkung des Alkohols wichtiger als die Sicherheit anderer?'

Ich konnte nicht weiterschreiben. Ich habe das Buch zugeklappt und eine Woche lang nicht mehr angefasst. In dieser Woche habe ich auch keine Kreuze im Kalender gemacht. Ich habe mich stattdessen auf das Sofa gelegt und stundenlang die Raufasertapete an der Decke gezählt. Es ist so verdammt schwer, ehrlich zu sein, wenn man merkt, dass man nicht nur 'einmal Pech hatte', sondern dass da ein Muster war. Dieses Workbook zwingt mich dazu, in die hässlichen Ecken zu schauen, die ich jahrelang mit Überstunden und After-Work-Drinks übermalt habe. Es ist kein Vergleich zu dem, was eine Bekannte aus dem Forum macht, die den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs nutzt – bei ihr geht es um ganz andere Substanzen, aber der Kern ist derselbe: Man muss sich selbst nackt sehen können, ohne wegzuschauen.

Ich lerne jetzt mühsam, wie ich meine MPU Fragen zum Alkoholkonsum ehrlich beantworten lerne. Ohne die Ausflüchte, ohne das 'aber die anderen haben auch'. Die Verkehrspsychologin war am Mittwoch gnadenlos. Sie meinte, mein 'Trennungsvermögen' sei am Tag der Kontrolle nicht vorhanden gewesen, weil ich mir eingeredet habe, die 1,4 Promille wären nach zwei Stunden Schlaf schon wieder weg. Ein fataler Irrtum, der mich jetzt meine Freiheit kostet.

Der ETG-Wert und der 'dumme Test' im Biergarten

Letzten Samstag war ich mit Freunden im Biergarten am Rotkreuzplatz. Es war einer dieser ersten warmen Abende. Jemand bestellte eine Runde Sekt, einfach so, zum Anstoßen auf den neuen Job eines Bekannten. Ich hielt das Glas in der Hand. Die Perlen stiegen auf, es roch nach diesem süß-sauren Versprechen von Entspannung. Ich habe es vor mich gestellt. Ich habe es nicht getrunken, keinen Schluck. Aber ich habe so getan, als würde ich nippen, damit niemand fragt. Ein 'dummer Test', wie ich es später in mein Tagebuch schrieb. Warum kann ich in Neuhausen nicht einfach sagen: 'Ich trinke nicht, weil ich meinen Führerschein wegen Alkohol verloren habe und gerade für meine MPU kämpfe'?

Die Angst vor dem nächsten Abstinenznachweis sitzt mir im Nacken. Jedes Mal, wenn ich zur Haaranalyse muss, zittere ich, obwohl ich weiß, dass ich sauber bin. Aber der Kopf spielt verrückt. Hat der alkoholfreie Apfelsaft vielleicht doch gegärt? War in der Sauce im Restaurant Wein? Der ETG-Wert ist mein unsichtbarer Richter geworden. Ich habe angefangen, meine schlechten Tage mit einem kleinen Punkt zu markieren. Nicht, weil ich getrunken habe, sondern weil der Suchtdruck oder die soziale Angst an diesen Tagen gewonnen haben.

Das Schild der U-Bahn Station Westfriedhof in München bei Dämmerung.

Charakterliche Eignung: Mehr als nur ein juristischer Begriff

Wenn ich heute durch den Hirschgarten laufe, sehe ich die Menschen mit ihren Maßkrügen. Früher war ich eine von ihnen. Heute fühle ich mich wie eine Beobachterin von einem anderen Planeten. Die MPU-Stelle prüft meine 'charakterliche Eignung'. Ein Wort, das sich anfühlt wie ein Schlag ins Gesicht. Als hätte ich keinen Charakter. Aber wenn ich ehrlich bin: Jemand, der mit 1,4 Promille ins Auto steigt, hat in diesem Moment keine Verantwortung übernommen. Weder für sich noch für die Menschen, die an der Landshuter Allee an der Ampel standen.

Die Vorbereitung ist teuer, ja. Die Gebühren, die Psychologin, das Workbook. Aber am teuersten ist die Zeit, die man mit Selbstmitleid verliert. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich nicht das Opfer der Polizei bin, sondern die Täterin meiner eigenen Dummheit. In meinem Erfahrungsbericht zur ersten Beratung beim Verkehrspsychologen habe ich das noch ganz anders gesehen. Da war ich noch wütend auf das System. Heute bin ich eher wütend auf mein altes Ich, das dachte, es hätte alles im Griff.

Was mir im Alltag hilft, ist die Struktur. Ich versuche, die MPU nicht mehr als unüberwindbaren Berg zu sehen, sondern als Projekt. Ein Projekt, bei dem ich die Projektleiterin bin, die diesmal keine Deadlines reißen darf. Ich nehme mir jeden Sonntagabend diese Zeit auf dem Küchenboden. Es ist meine Art der Therapie, auch wenn ich weiß, dass ich für die wirklichen psychologischen Knoten einen Profi brauche. Bitte geht auch zu einer echten Beratung, wenn ihr merkt, dass euch das alles über den Kopf wächst. Ein Workbook ist ein Werkzeug, aber kein Ersatz für ein Gespräch mit einem Menschen, der euch spiegelt, wie ihr wirklich wirkt.

Eine kalte Tasse Tee neben dem MPU Masterplan Workbook auf einem Tisch in der Abendsonne.

Fazit: Der lange Weg zur zweiten Chance

Es ist jetzt fast Mitternacht. Die Tram ist schon lange nicht mehr vorbeigefahren. Ich klappe mein Notizbuch zu. Das 41. Kreuz ist trocken. In meinem Kopf gehe ich nochmal die Fragen aus Modul 4 durch. Es geht um Trinkanlässe und wie man sie analysiert. Ich weiß jetzt, dass es bei mir der Stress war – dieser Drang, nach zehn Stunden im Büro einfach den 'Aus-Schalter' zu finden. Den Schalter muss ich jetzt anders finden. Vielleicht durch die langen Spaziergänge zum Nymphenburger Kanal, vielleicht durch das ehrliche Schreiben hier.

An alle, die auch gerade in München oder sonst wo auf ihrem Küchenboden sitzen: Es wird nicht von heute auf morgen besser. Die Scham bleibt eine Weile, und die Angst vor der MPU-Prüfung auch. Aber jeder Tag ohne Alkohol ist ein Sieg für die 'charakterliche Eignung', die wir uns mühsam zurückerobern müssen. Bleibt ehrlich zu euch selbst, auch wenn es wehtut. Besonders dann.

Nächste Woche muss ich zur nächsten Haaranalyse. Ich werde berichten, wie es war – und ob ich es geschafft habe, diesmal nicht in Panik zu verfallen, wenn die Schere ansetzt. Bis dahin, bleibt stabil in eurem neuen Alltag.

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