Wieder am Steuer

Alkoholfrei leben nach der Trunkenheitsfahrt: Mein neuer Alltag in Neuhausen

Es ist Sonntagabend, kurz nach zehn. Ich sitze auf dem Küchenboden in meiner Wohnung in Neuhausen, den Rücken gegen die Heizung gelehnt, und starre auf mein blaues Notizbuch. Das 35. Kreuz. 35 Wochen ohne Alkohol. Draußen rattert die Tram Richtung Rotkreuzplatz vorbei, und ich spüre die kalten, leicht unebenen Fliesen an meinen Oberschenkeln. Der Geruch von abgestandenem Pfefferminztee hängt in der Luft. Mein 249. Tag ohne Führerschein – wer hätte gedacht, dass ich das mal so genau zählen würde?

Hinweis: In diesem Text teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen. Er enthält Affiliate-Links – wenn du darüber etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich empfehle nur Dinge, wie den Masterplan, den ich selbst auf meinem Küchenboden durchgearbeitet habe. Das hier ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine Suchttherapie. Wenn du rechtliche Hilfe brauchst, such dir einen Anwalt; bei Alkoholproblemen sind Beratungsstellen die richtige Adresse. Meine Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.

Vom Office-Alltag zur unfreiwilligen Fußgängerin

Eigentlich war mein Leben als Office Managerin immer durchgetaktet. Termine, Fuhrparkmanagement, Teamevents planen. Und dann dieser eine Samstagabend im Spätsommer 2025. Eine Hochzeit, zu viel Wein, die fixe Idee, dass die drei Kilometer nach Hause schon gut gehen werden. Und dann die Kelle. 1,4 Promille. Seitdem ist alles anders. Mein Auto? Verkauft. Mein Selbstbild? Ziemlich angeknackst.

Wenn ich morgens zur U7 am Westfriedhof sprinte, fühle ich mich oft wie eine Betrügerin. Ich frage mich dann, ob meine ehemaligen Kollegen denken, ich wäre in einem Sabbatical, oder ob sie längst geahnt haben, warum mein Wagen plötzlich nicht mehr auf dem Firmenparkplatz steht. In München ohne Auto zu sein, ist eigentlich kein Drama, sagen alle. Aber versuch mal, als Alleinerziehende mit einem Vollzeitjob den Wocheneinkauf und die Kita-Abholung zu wuppen, wenn man auf Bus und Bahn angewiesen ist. Die Standard-Tipps aus den Foren – 'Geh einfach joggen, um den Kopf frei zu bekommen' oder 'Nimm dir jeden Tag eine Stunde Zeit für Meditation' – klingen wie Hohn, wenn man zwischen Überstunden und dem nächsten Elternabend feststeckt.

Das Workbook und die harte Wahrheit in Modul 3

Ich habe viel Geld investiert, um das hier irgendwie geradezubiegen. Knapp 484 USD hat mich der MPU Masterplan Alkohol gekostet. Ein ordentlicher Batzen, aber ich brauchte eine Struktur, an der ich mich festhalten konnte. Anfangs dachte ich, ich lese das einfach durch, lerne die Begriffe wie Trennungsvermögen auswendig und gut ist. Aber so läuft das nicht.

Ich habe drei Sonntage hintereinander bei Modul 3 festgesteckt. Es ging um die Frage: Warum hast du wirklich getrunken? Ich konnte es mir nicht eingestehen. War es nur die Hochzeit? Oder war es der Stress im Büro, die Einsamkeit am Abend, wenn das Kind schläft? Ich habe das Workbook tagelang nicht angerührt, es lag unter einem Stapel Rechnungen. Ich habe mich geschämt, so tief graben zu müssen. In einer Woche habe ich sogar gelogen, als meine Schwester fragte, wie weit ich bin. Ich sagte 'Fast fertig', dabei hatte ich seit Tagen keine Seite aufgeschlagen.

Es ist dieser Moment, wenn man merkt, dass die 1,4 Promille nur das Symptom waren. Die eigentliche Arbeit findet hier auf dem Boden statt, nicht im Lehrgespräch. Wer sich fragt, wie lange das alles dauert, kann mal in meinen Bericht schauen: Wie lange dauert die MPU Vorbereitung bei 1,4 Promille?. Spoiler: Es ist ein Marathon, kein Sprint.

ETG-Werte und der kleine Punkt im Kalender

Ein großer Teil meines neuen Alltags dreht sich um den ETG-Wert. Diese ständige Angst, dass irgendwas den Test verfälschen könnte. Apfelsaft? Mundspülung? Ich bin extrem vorsichtig geworden. Der Abstinenznachweis ist meine Eintrittskarte zurück in die Normalität. Ich habe dazu auch schon mal aufgeschrieben, wie das mit den Haaranalysen läuft: Abstinenznachweis für die MPU: Meine ersten Erfahrungen mit Haaranalysen.

Letzten Freitag war ich auf einer Geburtstagsfeier. Jemand hat mir ein Glas Sekt in die Hand gedrückt, damit ich nicht ständig gefragt werde, warum ich nichts trinke. Ich habe es vor mich hingestellt. Ich habe es nicht angerührt, aber es war ein dummer Test. Ein Risiko, das ich eigentlich nicht eingehen darf. In meinem Notizbuch habe ich diesen Tag mit einem kleinen Punkt markiert – ein Zeichen für einen schlechten Tag, an dem ich fast schwach geworden wäre, nicht beim Trinken, sondern beim Verstecken der Wahrheit.

Jedes Mal, wenn ich eine Polizeistreife sehe, die in die Schulstraße einbiegt, zieht sich mein Magen zusammen. Ein stechender, hohler Schmerz. Die Angst, dass sie mich erkennen, obwohl ich zu Fuß bin. Es ist irrational, ich weiß. Aber das ist der Preis für die 'charakterliche Eignung', die ich jetzt mühsam wieder aufbauen muss.

Wenn die Theorie auf die Realität trifft

Was mir am meisten zu schaffen macht, ist der Kontrast zwischen den 'perfekten' MPU-Vorbereitungen und meinem Leben. In den Kursen heißt es oft, man solle sein Leben komplett umkrempeln. Aber wie soll das gehen, wenn man um 7 Uhr das Kind weckt, um 8:30 Uhr im Büro sitzt und erst um 18 Uhr wieder zu Hause ist? Ich habe keine Zeit für ausgiebige Waldspaziergänge zur Selbstfindung. Meine Selbstfindung findet zwischen zwei Waschladungen und dem Ausfüllen von Excel-Tabellen statt.

Deshalb war das Workbook für mich so wichtig. Ich konnte es aufschlagen, wenn mal zehn Minuten Ruhe war. Es ist kein Vergleich zu den starren Kursen, von denen eine Bekannte erzählte, die den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs macht. Bei Alkohol ist die psychologische Hürde oft noch mal anders, weil es überall so normal dazugehört. Hier in München, im Biergarten am Rotkreuzplatz, ist man die Exotin, wenn man eine Schorle bestellt.

Ich habe mich oft gefragt, was dieser ganze Mist eigentlich kostet. Nicht nur emotional, sondern in Euro. Ich habe das mal grob überschlagen: Was kostet eine MPU wegen Alkohol in München wirklich?. Es tut weh, diese Zahlen schwarz auf weiß zu sehen.

Fazit: Der Küchenboden als Werkstatt

Jetzt ist es fast elf. Der Tee ist eiskalt, und meine Beine sind eingeschlafen. Aber das 35. Kreuz steht. Ich lerne langsam, dass dieser neue Alltag in Neuhausen nicht nur aus Verzicht besteht, sondern aus einer Klarheit, die ich früher weggespült habe. Es ist hart, es ist unglamourös, und manchmal sitze ich einfach nur auf dem Sofa und starre die Decke an, weil ich nicht weiß, ob ich die MPU beim ersten Mal schaffe.

Aber ich habe den MPU Masterplan heute wieder ein Stück weitergearbeitet. Modul 3 ist fast geschafft. Wenn du auch gerade in dieser Phase steckst und dich fragst, wie du das zwischen Job und Alltag hinkriegen sollst: Du bist nicht allein auf deinem Küchenboden. Es geht Schritt für Schritt. Manchmal ist das Wichtigste einfach nur, das nächste Kreuz im Kalender zu machen und ehrlich zu sich selbst zu sein, auch wenn es wehtut.

Nächsten Sonntag erzähle ich euch, wie mein Termin bei der Verkehrspsychologin war. Bis dahin – bleibt stabil.

Verwandte Artikel