Wieder am Steuer

Die Auswahl der richtigen MPU Begutachtungsstelle in München und Umgebung

Es ist wieder einer dieser Sonntagabende in Neuhausen, an denen der Tee schneller kalt wird, als ich ihn trinken kann. Ich sitze auf dem Küchenboden – die Fliesen sind im Juli zum Glück nicht mehr ganz so eisig wie im März – und starre auf diese eine Liste, die das Kreisverwaltungsreferat mir geschickt hat. Diese Liste mit den Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF), die sich wie ein Urteil liest, obwohl es eigentlich nur Adressen sind.

Woche 38 ohne Führerschein. Es ist verrückt, wie sehr sich das Zeitgefühl verschiebt. Letzten Mittwoch bin ich mit der Tram an der Westendstraße vorbeigefahren, und als dieses riesige TÜV-Gebäude im Fenster auftauchte, habe ich einen plötzlichen, stechenden Knoten im Magen gespürt. Einfach so. Mein Körper erinnert sich an den Schreck vom November 2025, als die formale Aufforderung im Briefkasten lag, obwohl ich versuche, ganz rational zu bleiben.

Das Privileg der Wahlfreiheit – oder: Die Qual der Liste

Man hat mir gesagt, ich darf mir die Stelle aussuchen. Wahlfreiheit nennt sich das. In ganz Deutschland gibt es etwa 15 akkreditierte Träger, die diese Gutachten erstellen dürfen, und in München haben wir fast alle davon direkt vor der Haustür. Aber wie entscheidet man das? Ich habe Stunden damit verbracht, mit zittrigem Finger die Adressen auf einem Stadtplan nachzufahren, während der metallische Geschmack von kaltem Kräutertee auf meiner Zunge klebte. Ein seltsames Gefühl, sich den Ort auszusuchen, an dem über die eigene charakterliche Eignung entschieden wird.

Nahaufnahme eines Stadtplans von München mit markierten MPU-Begutachtungsstellen und einer Tasse Tee.

Ich habe im MPU-Masterplan-Workbook geblättert, um Kriterien zu finden. Nicht nach dem Logo gehen, nicht nach der Farbe der Vorhänge. Es geht um Paragraphen, um die Fahrerlaubnis-Verordnung, speziell die Paragraphen 11 und 13, die bei mir wegen der 1.4 Promille greifen. Da steht nichts darüber, ob die Vorzimmerdame nett lächelt. Es geht nur um die Frage: Trauen sie mir zu, dass ich nie wieder betrunken fahre? Dass mein Trennungsvermögen diesmal wirklich sitzt?

TÜV SÜD, PIMA oder AVUS? Mein Weg durch den Anbieter-Dschungel

Natürlich denkt man in München zuerst an den TÜV SÜD. Er ist überall. Aber dann gibt es noch PIMA, AVUS, die IAS oder die Dekra. Ich habe letzte Woche sogar eine E-Mail von meiner ehemaligen Lieblings-Bar ungeöffnet gelöscht, weil ich wusste, dass mich das nur ablenkt. Ich muss mich jetzt auf diese Entscheidung konzentrieren. Mein erster Impuls war: Nimm die Stelle, die am nächsten an Neuhausen liegt. Die U7 zum Westfriedhof oder die Tram sind ja quasi meine neuen besten Freunde.

Aber meine Verkehrspsychologin hat mir in der Sitzung am Donnerstag etwas gesagt, das mich zum Nachdenken gebracht hat. Sie meinte, die geografische Nähe sollte das letzte Kriterium sein. Manchmal ist es sogar besser, ein bisschen weiter wegzufahren. Nicht, weil die Gutachter dort "netter" sind – das sind sie nirgendwo, sie machen ihren Job –, sondern weil man den Ort nicht mit seinem Alltag verknüpfen will. Ich möchte nicht jedes Mal, wenn ich zum Bäcker gehe, an das Haus erinnert werden, in dem ich meine Trinkbiografie offenlegen musste.

Blick aus einer Münchener Tram auf regnerische Bürogebäude an der Westendstraße.

Warum die nächste Stelle in München vielleicht die schlechteste Wahl ist

Es gibt da so einen Gedanken, den ich anfangs gar nicht auf dem Schirm hatte. In München gibt es eingespielte Netzwerke. Gutachter, die seit Jahrzehnten die gleichen Geschichten hören. Ich habe das Gefühl – und das ist nur mein ganz persönliches Bauchgefühl von diesem Küchenboden aus –, dass manche Stellen in der Stadt fast schon eine Art Vorurteil gegenüber uns "Münchner Wiederholungstätern" (auch wenn ich Ersttäterin bin, fühlt man sich in dem System so) entwickelt haben könnten. Die Messlatte scheint hier manchmal höher zu liegen als im Umland.

Ich habe lange überlegt, ob ich für die MPU vielleicht nach Augsburg oder Regensburg ausweichen soll. Nur um aus dieser Münchner Blase rauszukommen. Aber dann dachte ich an die Kosten und den Stress der Anreise ohne Führerschein. Ich habe in einem meiner früheren Texte schon darüber geschrieben, wie ich versucht habe, meine MPU Sperrfrist zu verkürzen, und am Ende ist es immer eine Abwägung zwischen Zeit, Energie und Wahrscheinlichkeit.

Transparenz schlägt Bauchgefühl

Was für mich letztlich den Ausschlag gab, war die Transparenz. Ich habe bei zwei Stellen angerufen. Bei der ersten wurde ich recht kurz angebunden abgefertigt – "Schicken Sie die Akte, wir melden uns". Bei der zweiten, einer etwas kleineren Stelle, hat man mir ruhig erklärt, wie der Abstinenznachweis und der ETG-Wert in die Akte einfließen und dass ich das Gutachten erst zu mir nach Hause geschickt bekomme. Das ist nämlich mein Recht: Ich bin die Auftraggeberin. Das Gutachten gehört mir, nicht der Behörde.

An einem regnerischen Sonntagabend im März habe ich die gewählte Stelle in meinem Notizbuch mit einem dicken Kreis markiert. Es war ein kleiner Sieg über die eigene Unentschlossenheit. Ich bin keine Beraterin und habe keine juristische Ausbildung, aber ich weiß jetzt: Die Auswahl der Stelle ist der erste Moment, in dem man wieder selbst das Steuer in die Hand nimmt – metaphorisch gesehen natürlich. Wer rechtliche Sicherheit braucht, sollte unbedingt einen Fachanwalt für Verkehrsrecht fragen, ich erzähle hier nur von meinem Chaos im Kopf.

Offizielles Schreiben des KVR München über einem persönlichen Notizbuch auf einem Holztisch.

Ich nutze zur Vorbereitung oft den MPU Masterplan, weil er mir hilft, diese ganze Bürokratie einzuordnen. Es ist okay, Angst zu haben. Ich hatte sie auch, besonders vor diesem riesigen Komplex an der Westendstraße. Aber warum der MPU Masterplan meine größte Hilfe gegen die Angst ist, liegt vor allem daran, dass er mir zeigt, dass die Gutachter auch nur Menschen sind, die eine Checkliste abarbeiten. Wenn meine Vorbereitung (und mein Abstinenznachweis) stimmt, ist der Ort am Ende zweitrangig.

Ein kleiner Punkt im Tagebuch

Heute Abend gab es wieder einen dieser kleinen Punkte in meinem Kalender. Ein schlechter Tag. Ich habe eine alte Mail von der Arbeit gefunden, in der es um die Organisation des Sommerfests ging – und ich musste daran denken, wie ich letztes Jahr dort mit dem Glas Sekt stand. Ich habe es am Freitag bei einer Geburtstagsfeier sogar wieder getan: Ein Glas Sekt vor mich hingestellt, damit niemand fragt. Ich habe keinen Schluck getrunken, keinen Tropfen. Aber es war ein dummer Test. Ein Test, den ich eigentlich nicht mehr brauche.

Die Auswahl der Begutachtungsstelle ist jetzt abgehakt. Die Akte wird dorthin wandern. Es fühlt sich an wie eine Wanderkarte im Nebel, bei der man zumindest schon mal den ersten Wegweiser gefunden hat. Falls ihr selbst gerade davor steht: Schaut euch die Stellen an, ruft an, fühlt nach, wo ihr euch nicht wie eine Nummer fühlt. Und wenn ihr euch unsicher seid, sprecht mit eurer Suchtberatung oder einer Selbsthilfegruppe. Die wissen oft am besten, wo das Klima fair ist.

Ich lege mich jetzt aufs Sofa und starre die Decke an. Der Tee ist endgültig eiskalt. Aber die Entscheidung steht. Nächste Woche fange ich an, meine MPU Vorbereitung Materialien noch einmal ganz strukturiert durchzugehen. Schritt für Schritt. Bis ich irgendwann nicht mehr auf dem Küchenboden sitzen muss, sondern wieder hinter einem Lenkrad.

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