
Ich tippe zum dritten Mal „Sperrfrist verkürzen München" in die Suchleiste, lösche es, tippe es noch einmal. Zwölf Ergebnisse, die sich alle ähneln und mir trotzdem nicht weiterhelfen. Neben der Tastatur liegt mein Alkohol-MPU-Tagebuch aufgeschlagen, oben auf der Seite steht in meiner Handschrift das Wort Sperrfristverkürzung, unterstrichen, mit einem Fragezeichen, das schon Wochen alt ist.
Kurzer Zwischenstopp, bevor es weitergeht: In diesem Text stecken Affiliate-Links, unter anderem zu dem Workbook, mit dem ich selbst arbeite. Kaufst du darüber etwas, bekomme ich eine kleine Provision, am Preis ändert sich für dich nichts. Und gleich vorweg: Ich bin keine Anwältin, keine Verkehrspsychologin, nur eine Frau aus München mitten in ihrer MPU-Vorbereitung für Alkohol.
Sperrfristverkürzung in München: der erste Blick ins Gesetz
Die Sperrfrist ist das Wort, das seit November über allem liegt. Wer den Führerschein abgeben muss, bekommt vom Gericht nicht nur eine Strafe, sondern auch eine festgelegte Zeit, in der die Fahrerlaubnisbehörde keinen neuen Schein ausstellen darf. Geregelt ist das im Strafgesetzbuch, genauer im § 69a StGB. Dort steht sinngemäß, dass das Gericht die Sperre verkürzen kann, wenn Grund zu der Annahme besteht, dass man zum Führen von Kraftfahrzeugen nicht mehr ungeeignet ist. Klingt nach Juristendeutsch, ist auch welches.
In München läuft ein solcher Antrag über das Amtsgericht. Man reicht dort formlos einen Antrag auf Sperrfristverkürzung ein, stellt danach aber fest, dass formlos nicht dasselbe ist wie einfach. Ohne Nachweis einer besonderen Schulungsmaßnahme bewegt sich gar nichts, egal wie dringend man den Wagen für den Job in Neuhausen braucht.

Reicht es, einfach höflich zu fragen?
Nein. Das war meine erste, ziemlich naive Erkenntnis bei dieser MPU-Vorbereitung für Alkohol. Die meisten Gerichte lassen sich auf etwa drei Monate Verkürzung ein, wenn ein anerkanntes Aufbauseminar oder eine vergleichbare Vorbereitung nachgewiesen wird. Als ich das zum ersten Mal las, dachte ich kurz an drei Monate weniger Bus und Bahn. Die Ernüchterung kam gleich hinterher: Der Richter will keinen Teilnahmeschein sehen, er will erkennen, dass man sich wirklich mit dem eigenen Trinken auseinandergesetzt hat.
Also habe ich mir den MPU Masterplan Alkohol bestellt, weil ich etwas Strukturiertes brauchte, das ich abends im eigenen Tempo durchgehen kann, wenn von der Arbeit kaum noch Energie übrig ist. Ein Modul heißt Trennungsvermögen, und schon der Begriff hat mich tagelang beschäftigt – warum genau ich damals dachte, die Strecke nach Hause sei kurz genug für 1,4 Promille gewesen. Mehr will ich dazu hier gar nicht sagen, das Thema füllt für sich allein schon ein ganzes Kapitel.
Bei meiner Verkehrspsychologin am Rotkreuzplatz habe ich neulich stolz erzählt, dass ich die Sperrfrist verkürzen will. Sie hat nur ruhig zurückgefragt, ob ich das wegen des Autos will oder weil ich mit der Aufarbeitung wirklich schon so weit bin. Die Frage sitzt mir seitdem im Nacken.
Der gelbe Brief, der drei Wochen liegen blieb
Bevor ich überhaupt bei diesem Thema angekommen war, gab es da diesen einen gelben Brief von der Begutachtungsstelle, der im November kam. Drei Wochen habe ich ihn im Briefkasten liegen lassen, ungeöffnet, jedes Mal an ihm vorbeigegriffen wie an einem Gegenstand, der mir nicht gehört. Ich wusste genau, was drinstand, deshalb wollte ich es gar nicht erst schwarz auf weiß sehen. Erst als eine Mahnung mit Fristsetzung kam, habe ich ihn endlich aufgemacht, auf der Treppe stehend, mit klopfendem Herzen.
Diese drei Wochen sind kein Ruhmesblatt für mich. Sie haben mir nur zusätzliche Zeit gekostet, die ich mir hätte sparen können, wenn ich früher hingeschaut hätte.

Mit Nicole übers Warten reden
Nicole aus meinem Fitnessstudio in Neuhausen hat vor einiger Zeit beschlossen, ein Jahr komplett auf Alkohol zu verzichten, aus ganz anderen Gründen als ich. Letzte Woche hat sie mich nach dem Training beiseitegenommen und gesagt, ausgerechnet die Erschöpfung werde oft unterschätzt, wenn es um Rückfälle gehe – nicht die große Versuchung, sondern der ganz normale Feierabend, an dem man einfach zu müde ist, um noch stark zu sein. Das saß, weil ich genau das an manchen Abenden spüre, wenn ich von der Arbeit komme und der Antrag beim Amtsgericht immer noch nicht bearbeitet ist.
Wie ich im Büro mit dem Führerscheinverlust umgehe, hängt eng mit genau dieser Erschöpfung zusammen – wer im Job ständig erklären oder eben nicht erklären muss, warum man nicht mit dem Auto zum Teamevent kommt, hat am Ende des Tages weniger Kraft für Workbook-Seiten übrig.
Woche 4 hat mir mehr gezeigt als jeder Termin beim Amtsgericht
Benjamin, ein früherer Leser aus Laim, der über einen Kommentar unter meinem allerersten Eintrag den Kontakt zu mir gefunden hat, schreibt mir selten – aber wenn, dann nie mit Aufmunterung, sondern mit einem ganz konkreten Hinweis. Diesmal war es der Tipp, beim Amtsgericht nach dem genauen Ablauf des Antragsverfahrens zu fragen, bevor man überhaupt einen Termin für die Aufbaumaßnahme bucht, weil manche Gerichte das unterschiedlich handhaben. Ohne ihn hätte ich diesen Schritt wahrscheinlich in der falschen Reihenfolge gemacht.
In Woche 4, kurz vor sieben Uhr morgens, ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass ich fünf Minuten wach liegen konnte, ohne dass sich mein Magen sofort zusammenzieht. Ich habe es an dem Abend ins Tagebuch geschrieben, und der Kugelschreiber hat so laut übers karierte Papier gekratzt, dass ich in der Stille kurz zusammengezuckt bin. Kein großer Moment, niemand hätte ihn von außen gesehen. Aber genau daran messe ich inzwischen mehr als an irgendeinem Datum vom Amtsgericht, ob sich wirklich etwas verändert.
Eine Sache steht für mich nach dieser ganzen Recherche zur Sperrfristverkürzung fest: Die Zeit lässt sich verkürzen, die Aufarbeitung nicht abkürzen. Wer nur auf die drei Monate schielt, merkt das meistens selbst irgendwann, und der Antrag wirkt dann auch beim Richter dünn.
Mir hilft das Arbeiten mit dem MPU Masterplan Alkohol nach wie vor, gerade an den Tagen, an denen ich sonst gar nichts anfassen würde – ein einziges Modul reicht manchmal schon, um wieder ins Tun zu kommen. Für alle, deren Fall eher in Richtung Drogen statt Alkohol geht, kenne ich über eine Bekannte aus dem Forum auch den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs – die Lernlogik soll dort ähnlich aufgebaut sein, auch wenn ich ihn selbst nie gebraucht habe.
Der nächste Sonntagabend-Eintrag wird zeigen, ob aus dem Antrag beim Amtsgericht überhaupt etwas wird – bis dahin bleibt das Fragezeichen neben Sperrfristverkürzung in meinem Tagebuch erst mal stehen.