
Eine Selbsthilfegruppe gibt dir Gesichter, feste Termine und Stimmen, die dir zunicken. Ein Workbook gibt dir nichts als leere Seiten und die Stille der eigenen Wohnung. Ich habe beides für meine MPU-Vorbereitung nach der Alkohol-MPU ausprobiert, und ausgerechnet die Stille hat bei mir mehr bewegt als vier Termine im Stuhlkreis. Das hier ist keine allgemeine Empfehlung, nur meine ehrliche Bilanz zwischen zwei Materialien, und ein paar Momente Selbstreflexion, die ich mir gerne erspart hätte.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Ich bin keine Verkehrspsychologin und keine Therapeutin, nur jemand, die sich den MPU Masterplan Alkohol selbst gekauft hat und ihn für sich durcharbeitet. Dieser Blog enthält Partnerlinks, kaufst du über einen davon etwas, bekomme ich eine kleine Provision, dein Preis bleibt gleich. Bei rechtlichen Fragen gehört ein Anwalt für Verkehrsrecht dazu, bei echten Alkoholproblemen eine Suchtberatungsstelle, nicht mein Tagebuch.
MPU-Vorbereitung: Gruppe oder Workbook?
Die Gruppe traf sich einmal die Woche in einem Gemeinderaum, den ich über den U-Bahnhof Westfriedhof erreicht habe. Dreimal bin ich hingefahren, hab zugehört, ein bisschen mitgeredet, mir Namen gemerkt, die ich später wieder vergessen habe. Beim vierten Termin bin ich einfach nicht mehr losgegangen. Kein großer Knall, keine bewusste Entscheidung, ich saß auf dem Sofa, die Zeit lief weiter, und irgendwann war es zu spät zum Loslaufen. Am nächsten Tag hab ich mir eingeredet, es hätte am Wetter gelegen.

Was mir in der Gruppe fehlte, war nicht Ehrlichkeit, die war da, oft ziemlich direkt. Mir fehlte die Möglichkeit, bei einer einzigen Frage so lange hängen zu bleiben, wie ich sie brauche, ohne dass der Kreis weiterrückt zur nächsten Person. Der MPU Masterplan Alkohol lässt mir genau das. Es gibt auch den FLEX3 Online Kurs für Drogen, den eine Bekannte aus der Gruppe nutzt, für ihren Fall naheliegend, für meinen nicht, weil bei mir am Ende fast alles auf mein Trennungsvermögen und meine eigene Geschichte mit Alkohol hinausläuft, nicht auf eine andere Substanz.
Der Anruf, auf den kein Workbook mich vorbereitet hatte
Der Anruf kam mitten am Nachmittag, ohne Vorwarnung, von einer Nummer, die ich nicht kannte. Die Begutachtungsstelle, ein Termin sollte bestätigt werden. Ich bin einfach drangegangen, keine Atemübung vorher, keine Sätze im Kopf zurechtgelegt, nur ich und eine fremde Stimme, die meinen Namen falsch betont hat.
Kein Workbook der Welt übt dich auf genau diesen einen Moment vor.
Mein Handy leuchtet kurz auf, ein Meme von Dirk, einem ehemaligen Arbeitskollegen, der öfter nach Mitternacht schreibt, ohne zu ahnen, dass ich noch wach bin. Ich antworte nicht, lächle nur kurz und mache weiter. Seit diesem Anruf markiere ich die schwierigen Tage mit einem kleinen Punkt in meinem Notizbuch, kein System, keine Auswertung, nur ein Zeichen für mich selbst, dass dieser Tag zu den schwierigen zählte.
Was der MPU Masterplan Alkohol anders macht als FLEX3
Zwischen den beiden Materialien liegt vor allem eins: wie ehrlich sie dich zwingen zu sein. Der Masterplan hat ein Modul für die ehrliche Trinkanamnese, wann, mit wem, warum, und was ich mir davor eingeredet habe, und genau das ist unangenehmer, als ich dachte.

Was in den Begutachtungsleitlinien steht und was mein eigener ETG-Wert mir eigentlich sagt, sind zwei verschiedene Paar Schuhe, das eine ist der Rahmen, das andere meine Zahl darin. Der Masterplan erklärt beides in einfachem Deutsch, ohne mich mit Fachbegriffen abzuspeisen, für die ich sonst erst googeln müsste.
Mit den Methoden für den Abstinenznachweis habe ich mich unabhängig vom Workbook beschäftigt, eher aus Notwendigkeit als aus Neugier, und lasse es dabei bewenden.
Susanne, zwei Sätze und die Frage nach kontrolliertem Trinken
Susanne aus Augsburg kenne ich aus einem Forum für Leute mit Alkohol-MPU. Unter meinem allerersten Beitrag dort standen zwei Sätze von ihr, direkt und ohne jedes Mitleid, genau das Richtige in dem Moment. Ihr trockener Humor wirkt bei mir seitdem wie ein Ventil, gerade an Tagen, an denen die Sache alles andere als lustig ist. Neulich hat sie gefragt, ob ich mich je gefragt habe, ob kontrolliertes Trinken für mich überhaupt eine Option gewesen wäre, oder ob es bei mir von Anfang an nur um Abstinenz gehen konnte. Ich hab keine fertige Antwort darauf, nur das Gefühl, dass die Frage besser in mein Modul zur Trinkanamnese passt als in ein Gespräch nebenbei.
Ob so ein Gespräch eher ins psychologische Gespräch mit der Verkehrspsychologin gehört oder in mein Notizbuch, kann ich selbst nicht sauber trennen, vermutlich in beides, nur unterschiedlich tief. Genauso wenig hab ich bisher ernsthaft über Akteneinsicht nachgedacht, obwohl das Thema in den Foren regelmäßig aufploppt. Wenn dich diese Seite der MPU-Vorbereitung mehr interessiert als meine Workbook-Geschichte, hab ich dazu auch schon mal aus einer anderen Perspektive geschrieben: MPU Vorbereitung für Frauen: Warum meine Geschichte in Neuhausen anders ist.
Wann Gruppe, wann Workbook: meine Antwort heute
Wenn du jemand bist, der laut denken muss, um bei sich ehrlich zu werden, würde ich trotz allem zuerst eine Gruppe ausprobieren, bei mir hat sie nicht getragen, das heißt nicht, dass sie bei dir nicht trägt. Wenn du eher schreibend zu dir durchdringst und lieber allein an einer Frage sitzt, bis sie sich löst, ist ein Workbook wie der MPU Masterplan Alkohol der bessere Startpunkt. Und falls dein Fall nicht Alkohol, sondern eine andere Substanz betrifft, ist der FLEX3-Kurs die naheliegendere Wahl, weil die Beispiele und Reflexionsfragen darauf zugeschnitten sind, bei mir wäre er komplett am Thema vorbeigelaufen.

Ich sitze wieder auf dem Boden meiner Küche, der Rücken kalt an den Fliesen, die alte blaue Tasse mit dem Sprung im Henkel neben mir, der Tee darin ist, wie so oft an einem Sonntagabend, längst kalt geworden, bevor ich überhaupt daran denke, ihn zu trinken. Mein Notizbuch mit dem schwarzen Einband liegt aufgeschlagen zwischen meinen Knien, das Workbook griffbereit auf dem Stuhl neben mir. Zwei Materialien, zwei sehr unterschiedliche Wege dahin, und für mich, an diesem Punkt, eine ziemlich klare Antwort, welches der beiden öfter neben mir auf dem Boden landet.
Falls du selbst gerade zwischen Materialien für deine MPU-Vorbereitung schwankst: Ich kann dir nur von meiner eigenen Erfahrung erzählen, nicht von einer objektiven Bewertung. Für mich war der Masterplan bisher das Werkzeug, das am ehesten zu meinem Kopf passt, die Details dazu, inklusive der Punkte, die mir schwerfallen, findest du unten.
Der MPU Masterplan Alkohol
Vorteile
- ✓ Sehr strukturiertes Workbook-Format, ideal für ehemalige Office-Menschen
- ✓ Tiefgehende Module zum Trennungsvermögen
- ✓ Erklärt ETG-Werte und Abstinenznachweise in einfachem Deutsch
- ✓ Fördert echte Selbstreflexion statt Auswendiglernen
Nachteile
- − Hoher zeitlicher Aufwand durch intensive Eigenarbeit
- − Man muss wirklich ehrlich zu sich selbst sein (tut manchmal weh)
- − Kein 'Schnellkurs' für Kurzentschlossene