Wieder am Steuer

MPU Vorbereitung für Frauen: Warum meine Geschichte in Neuhausen anders ist

Offenlegung: Diese Seite enthält Partnerlinks. Kaufen Sie über einen dieser Links, erhalte ich eine kleine Provision -- Ihr Preis bleibt gleich.

Es ist wieder einer dieser Sonntagabende in Neuhausen. Ich sitze auf dem Küchenboden, der Fliesenboden ist eigentlich zu kalt, aber hier unten fühle ich mich gerade am sichersten. Neben mir steht eine Tasse Pfefferminztee, der schon längst eiskalt geworden ist, und mein Notizbuch liegt aufgeschlagen vor mir. Draußen vor dem Fenster höre ich das vertraute Rumpeln der U7 Richtung Westfriedhof – ein Geräusch, das früher einfach nur Hintergrund war und jetzt mein Taktgeber für einen Alltag ohne Auto geworden ist.

Bevor ich weiterschreibe, ein kurzer Hinweis: In diesem Tagebuch teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen. Ich bin keine Verkehrspsychologin, keine Therapeutin und keine Anwältin – ich bin einfach eine 36-Jährige, die Mist gebaut hat. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links zu den Tools, die ich selbst nutze. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, für dich ändert sich am Preis absolut nichts. Ich teile hier nur, was ich wirklich in meinen Händen halte und was mir auf dem Boden meiner Küche in Neuhausen geholfen hat. Bei rechtlichen Fragen geh bitte zum Fachanwalt, bei Suchtfragen zur Beratungsstelle. Meine vollständige Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.

Der Moment, als die Perfektion zerbrach

Wenn ich an den Spätsommer letzten Jahres zurückdenke, fühlt es sich an wie ein Leben in einer anderen Galaxie. Ich war die Office Managerin, die alles im Griff hatte. Diejenige, die bei der Hochzeit im August die Zeitpläne jonglierte und am Ende des Abends dachte: „Ach, das eine Glas geht noch, ich fahre ja vorsichtig.“ Dass das Messgerät an der Straße später 1,4 Promille anzeigen würde, hätte ich niemals geglaubt. In Deutschland gilt man ab 1,1 Promille als absolut fahruntüchtig, egal wie sicher man sich fühlt. Die 1,6-Promille-Grenze, ab der eine MPU fast immer automatisch kommt, habe ich zwar knapp unterschritten, aber im November flatterte trotzdem die Aufforderung in meinen Briefkasten. Charakterliche Eignung. Ein Wort, das sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt, wenn man eigentlich stolz auf sein strukturiertes Leben war.

Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl im Bauch, als ich den Brief öffnete. Ein scharfes, kaltes Loch in der Magengegend – genau das gleiche Gefühl, das mich heute noch jedes Mal überfällt, wenn am Rotkreuzplatz ein weißer Transporter mit orangefarbenen Warnleuchten an mir vorbeifährt. Es ist diese Mischung aus Scham und der Angst, dass alle sehen könnten, was hinter der Fassade der erfolgreichen Frau aus Neuhausen wirklich los ist.

Nahaufnahme eines Tagebuchs mit einer Markierung neben einem vollen, unberührten Glas Sekt.

Warum es für uns Frauen oft schwieriger ist, ehrlich zu sein

In den letzten Monaten habe ich viel darüber nachgedacht, warum sich die MPU-Vorbereitung für mich so anders anfühlt als für die Männer, von denen man in den Foren liest. Es gibt diesen enormen gesellschaftlichen Druck, als Frau immer „beherrscht“ zu sein. Ein betrunkener Mann nach einer Hochzeit? „Passiert halt mal.“ Eine Office Managerin mit 1,4 Promille? Da schwingt sofort ein tieferes Urteil mit. Das führt dazu, dass wir uns oft in eine gefährliche Falle manövrieren: den Verzichts-Druck.

Ich habe lange geglaubt, dass ich einfach nur beweisen muss, dass ich „gar nichts mehr trinke“, um durchzukommen. Aber die psychologische Falle ist genau dieser krampfhafte Verzicht, der bei uns Frauen oft zu einem inneren Reißen führt. Man versucht, perfekt zu sein, bis man irgendwann unter der Last zusammenbricht. In der MPU geht es aber nicht um Perfektion, sondern um Trennungsvermögen. Ich musste lernen, dass mein Problem nicht nur der Alkohol an sich war, sondern die Unfähigkeit, in Stressmomenten die Grenze zwischen Genuss und Verantwortung zu ziehen.

Letzten Freitag auf der Geburtstagsfeier einer Freundin hatte ich so einen Moment. Ich habe mir ein Glas Sekt vor mich hingestellt, nur damit niemand fragt, warum ich nichts trinke. Ich habe es nicht angerührt, keinen Schluck. Aber im Nachhinein war es ein dummer Test. Ich wollte der Welt zeigen, dass ich „normal“ bin, während ich innerlich zitterte. Solche Tage markiere ich in meinem Tagebuch mit einem kleinen schwarzen Punkt. Es hat nicht geklappt, weil ich wieder versucht habe, eine Rolle zu spielen, statt zu meiner Situation zu stehen.

Der Masterplan als Anker in der Nacht

Irgendwann im frühen Frühjahr, als die Abende noch lang und dunkel waren, habe ich gemerkt, dass ich alleine nicht weiterkomme. Die Gespräche mit der Verkehrspsychologin waren gut, aber sie endeten nach 50 Minuten und dann stand ich wieder alleine in meiner Wohnung. Ich brauchte etwas Handfestes. So kam Der MPU Masterplan Alkohol in mein Leben. Es ist kein klassisches Lehrbuch, sondern eher ein Workbook, das sich fast wie mein eigenes Tagebuch anfühlt.

Ich erinnere mich an den Geruch des frischen Papiers, als ich es zum ersten Mal aufschlug. Er mischte sich mit dem Aroma alter Teebeutel auf meiner Küchenzeile, während ich bis spät in die Nacht die ersten Aufgaben bearbeitete. Besonders das Modul zum Trennungsvermögen hat mich kalt erwischt. Da geht es nicht um Ausreden, sondern um knallharte Selbstreflexion. Warum habe ich damals nicht das Taxi genommen? Was war der eigentliche Grund für den Frust an diesem Abend? Der Kurs erklärt Begriffe wie den ETG-Wert oder den Abstinenznachweis in einer Sprache, die ich verstehe, ohne dass ich mich wie eine Kriminelle fühle.

Manchmal liege ich trotzdem noch lange auf dem Sofa und starre die Zimmerdecke an. Ich frage mich, ob ich jemals wieder die Frau sein werde, die unbeschwert durch Neuhausen spaziert. Aber dann nehme ich das Workbook zur Hand und arbeite an den Reflexionsfragen. Es hilft mir, meine „charakterliche Eignung“ nicht als Urteil über mich als Mensch zu sehen, sondern als eine Aufgabe, an der ich wachsen kann. Wenn du dich auch gerade fragst, wie du das alles organisieren sollst, schau dir mal an, wie ich meinen Alltag ohne Führerschein in München organisiere – es ist machbar, auch wenn es am Anfang unmöglich scheint.

Abstinenz ist kein Sprint, sondern ein Umdenken

Was ich im Masterplan gelernt habe und was mir keine Statistik der Welt sagen konnte: Der Druck, alles richtig zu machen, ist oft das größte Hindernis. Wir Frauen neigen dazu, uns für unsere Fehler doppelt zu bestrafen. Aber die MPU-Gutachter suchen keinen perfekten Menschen. Sie suchen jemanden, der verstanden hat, warum es passiert ist und der Strategien hat, damit es nie wieder passiert.

Für mich bedeutet das heute, dass ich nicht mehr lüge. Wenn mich jemand fragt, warum ich mit der U7 komme, sage ich manchmal die Wahrheit. Nicht immer – ich bin noch nicht so weit –, aber öfter als noch vor drei Monaten. Diese Ehrlichkeit ist Teil meiner Vorbereitung. Es ist ein langer Weg vom Schock im November bis zur eigentlichen Prüfung, und es gibt Tage, an denen ich das Workbook eine Woche lang nicht aufschlage, weil die Scham zu groß ist. Aber das ist okay. Wichtig ist, dass ich am Sonntagabend wieder hier auf dem Boden sitze.

Falls du in einer ähnlichen Situation steckst: Du bist nicht allein mit diesem Gefühl. Es gibt Wege, die Struktur zurückzugewinnen. Der MPU Masterplan Alkohol war für mich der erste Schritt aus der Lähmung. Er ersetzt keine professionelle Hilfe – sprich unbedingt mit einem Experten, wenn du merkst, dass du es alleine nicht schaffst –, aber er gibt dir ein Werkzeug an die Hand, wenn du nachts um elf am Küchentisch sitzt und nicht mehr weiterweißt.

Die Lichter der Häuser gegenüber gehen langsam aus. Morgen ist Montag, eine neue Woche ohne Führerschein, aber eine Woche näher an der zweiten Chance. Ich räume jetzt die kalte Teetasse weg und klappe mein Notizbuch zu. Bis nächsten Sonntag, Neuhausen.

Verwandte Artikel