Wieder am Steuer

Wie ich meinen Alltag ohne Führerschein in München organisiere

Früher plante ich meinen Tag nach freien Parkplätzen, heute plane ich ihn nach Abfahrtszeiten der Tram. Genau das ist mein Münchner Alltag geworden, seit der Führerschein weg ist: eine Dauerübung in Selbstreflexion, wo früher einfach der Autoschlüssel in der Jackentasche lag. Die Abstinenz vom Alkohol ist dabei nur die eine Hälfte meiner MPU-Vorbereitung. Die andere Hälfte, über die kaum jemand spricht, ist die nackte Logistik: Wie organisiert man Mobilität ohne Auto, ohne dass das ganze Leben ins Stocken gerät?

Kurzer Hinweis vorweg, weil er hier hingehört: Ich verlinke in diesem Text unter anderem auf den MPU Masterplan, über den ich eine kleine Provision bekomme, wenn du darüber etwas kaufst — für dich ändert sich am Preis nichts. Ich bin keine Verkehrspsychologin, keine Anwältin, sondern eine Frau, die gerade lernt, ihren Alltag neu zusammenzusetzen.

Mobilität ohne Auto: Pünktlichkeit ist plötzlich Arbeit

Der Terminkalender diktiert inzwischen, wann ich das Haus verlasse, nicht mehr umgekehrt. Ein Termin auf der anderen Seite der Stadt heißt für mich automatisch: eine Verbindung früher losfahren, weil ein verpasster Anschluss den ganzen Vormittag verschieben kann. Genau das ist meine einfache Regel geworden — lieber zehn Minuten zu früh am Gleis stehen, als hinterher erklären zu müssen, warum ich zu spät bin.

Kolleginnen fragen manchmal, warum ich neuerdings so früh im Büro sitze. Ich sage meistens nur, ich mag die Bahnfahrt am Morgen — nicht ganz gelogen, aber auch nicht die ganze Wahrheit.

MVV-Netzplan neben ungenutzten Autoschlüsseln in einer Münchner Wohnung – Mobilität ohne Auto

Einkaufen, der Schlosspark und die Sache mit dem Rucksack

Einkaufen bedeutet jetzt: zweimal die Woche, dafür jedes Mal nur so viel, wie in den Rucksack passt. Kein großer Wocheneinkauf mehr, kein Kofferraum voller Wasserkisten. Am Anfang fand ich das nur lästig. Mittlerweile mag ich sogar, dass ich nicht mehr hamstere, nur weil ich es kann.

Sonntags gehe ich oft durch den Nymphenburger Schlosspark, einfach weil das einer der wenigen Orte in München ist, an denen zu Fuß gehen genauso gut funktioniert wie mit dem Auto hinzufahren. Eine Freundin von mir macht seit einer Weile beim Stadtradeln mit und pendelt regelmäßig den Radweg nach Dachau — wenn sie mir davon erzählt, merke ich den Unterschied zwischen unseren beiden Wegen ganz deutlich: Sie hat sich fürs Rad entschieden, ich habe im Moment keine andere Wahl.

Workbook, Nachweise und Akte im Griff behalten

Ich hatte mir im Winter fest vorgenommen, nach Weihnachten endlich mit fester Struktur anzufangen. Der Vorsatz hat ziemlich genau bis Anfang Januar gehalten, dann blieb das Workbook zwei Wochen lang komplett unangerührt.

Der MPU Masterplan Alkohol, den ich seit einer Weile durcharbeite, hat auch ein Modul zu den Begutachtungsleitlinien für die Alkohol-MPU — genau die Regeln, nach denen ein Gutachter später entscheidet.

Nach einer Weile im Notizbuch merke ich oft, wie die Fingerspitzen kalt werden und der Stift schwerer in der Hand liegt, ein kleines, unlogisches Zeichen dafür, wie viel Konzentration so ein Sonntagabend eigentlich braucht.

Der Abstinenznachweis gehört inzwischen zur festen Routine, auch wenn Routine nicht automatisch leicht bedeutet.

Die miesen Tage markiere ich weiterhin mit einem kleinen Punkt im Notizbuch, mehr Auswertung braucht dieses System gerade nicht.

Akteneinsicht habe ich beantragt, nur um schwarz auf weiß zu sehen, was tatsächlich über mich in den Unterlagen steht.

Blick aus dem Fenster in Neuhausen auf einen leeren Parkplatz im Regen – Alltag ohne Auto in München

Das dritte Gespräch verändert, wie ich über mich selbst denke

Beim dritten Termin nickte die Verkehrspsychologin, als ich zum ersten Mal in eigenen Worten beschreiben konnte, was Trennungsvermögen für mich eigentlich bedeutet — nicht nur der Fachbegriff aus dem Workbook, sondern das Gefühl, Trinken und Fahren wirklich als zwei getrennte Dinge zu behandeln.

Das psychologische Gespräch selbst fühlt sich inzwischen eher wie ein ehrlicher Abgleich an, weniger wie eine Prüfung, bei der ich durchfallen kann.

Eine ehrliche Trinkanamnese aufzuschreiben war unangenehmer als jede andere Aufgabe im Workbook, weil sie keine Ausreden zulässt.

Die Frage kontrolliertes Trinken oder vollständige Abstinenz habe ich für mich früh beantwortet, auch wenn ich weiß, dass andere in der Vorbereitungsgruppe das anders für sich entscheiden.

Ein größerer Teil davon ist wie ich meine Scham psychologisch aufarbeite, ein Prozess, der spürbar langsamer läuft, als mir lieb wäre.

Einladungen, bei denen früher automatisch Alkohol dazugehörte

Einladungen sind das Feld, auf dem ich gerade am meisten über mich selbst lerne. Wenn früher ein Glas Wein einfach automatisch dazugehörte, muss ich heute vorher entscheiden, wie ich den Abend überhaupt angehe.

Meine Regel dafür ist simpel geworden: Kann ich diesen Abend auch dann gut aushalten, wenn ich komplett nüchtern bleibe? Wenn die Antwort unsicher ist, plane ich vorher eine Rückfahrt, die nicht davon abhängt, wie die Stimmung sich entwickelt.

Eine Bekannte aus meiner Vorbereitungsgruppe, die wegen einer Drogen-MPU dort ist, arbeitet mit dem FLEX3 Online MPU Drogen Programm — anderes Thema, aber überraschend ähnliche Logik: sich selbst ehrlich gegenübertreten, ohne Ausreden.

Der Unterschied zwischen einem Plan und einer Ausrede

Der Unterschied zwischen einem Plan und einer Ausrede ist meistens klein: Ein Plan hat einen konkreten nächsten Schritt, eine Ausrede hat nur ein gutes Gefühl für den Moment. Mein Alltag ohne Führerschein funktioniert vor allem an den Tagen, an denen ich mir diesen einen nächsten Schritt aufschreibe — und weniger an den Tagen, an denen ich mir nur vornehme, ab morgen besser zu sein.

Falls du gerade selbst versuchst, deinen Alltag ohne Auto neu zu ordnen: Schau dir in Ruhe den MPU Masterplan an, wenn du eine Struktur suchst, an der du dich entlangarbeiten kannst — bei mir hilft er vor allem an den Tagen, an denen die eigene Motivation gerade nicht reicht.

Bis bald, und pass auf dich auf.

Verwandte Artikel