Wieder am Steuer

Kontrolliertes Trinken oder Abstinenz bei der MPU? Meine Wahl nach Monaten

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Es ist wieder dieser Moment. Sonntagabend in Neuhausen, draußen ist es endlich warm, aber hier drinnen in meiner Küche fühlt es sich gerade ziemlich schwer an. Ich sitze auf dem Boden, den Rücken gegen die Heizung gelehnt, und starre auf die kleine Pfütze kalten Fencheltees in meiner Tasse. Das einzige Geräusch ist das leise Brummen meines alten Kühlschranks und das Kratzen meines Kugelschreibers auf dem billigen Papier meines Notizbuches. In der Ecke liegt das MPU-Workbook, und ich habe gerade einen kleinen, blauen Punkt für heute gemacht – wieder eine Woche ohne einen Tropfen.

Bevor ich weiterschreibe, ein kurzer Hinweis: Ich teile hier meine ganz persönlichen Erfahrungen und Kämpfe auf dem Weg zurück zum Führerschein. Wenn du über die Links in diesem Text etwas kaufst, zum Beispiel das Workbook, mit dem ich arbeite, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich kostet es keinen Cent mehr. Ich empfehle nur Dinge, die ich selbst auf meinem Küchenboden durchgearbeitet habe. Bitte denk daran: Ich bin keine Verkehrspsychologin, keine Anwältin und keine Therapeutin. Das hier ist ein Tagebuch, keine Rechtsberatung. Wenn du rechtliche Hilfe brauchst, such dir einen Fachanwalt für Verkehrsrecht, und bei Alkoholproblemen sind Suchtberatungsstellen die richtigen Profis.

Der Traum vom Glas Wein beim Geschäftsessen

Vor ein paar Monaten, als der Brief mit der offiziellen MPU-Aufforderung im November 2025 eintrudelte, war mein erster Gedanke: „Ich mache Kontrolliertes Trinken.“ Ich meine, ich bin 36, ich war Office Managerin, ich stehe eigentlich mitten im Leben. Die Vorstellung, nie wieder mit den ehemaligen Kollegen in der Bar am Rotkreuzplatz anzustoßen oder – noch schlimmer – bei geschäftlichen Bewirtungen im Außendienst (wo ich mich gerade bewerbe) nur am Wasserglas zu nippen, war unvorstellbar.

Ich dachte, 1.4 Promille seien ja noch unter der magischen 1.6-Grenze, die in vielen Bundesländern oft die automatische MPU auslöst (auch wenn die Fahrerlaubnis-Verordnung da Spielräume lässt). Aber da ich am Steuer absolut fahruntüchtig war – die rechtliche Grenze für die absolute Fahruntüchtigkeit liegt laut Strafgesetzbuch § 316 ja bei 1.1 Promille – war der Lappen sofort weg. Und jetzt saß ich da und versuchte mir einzureden, dass ich einfach nur lernen muss, „besser“ zu trinken.

Das Scheitern an der Planung: Wenn KT zur Last wird

Letzten Mittwoch hatte ich einen Termin bei meiner Verkehrspsychologin. Ich erzählte ihr ganz stolz, dass ich meinen Konsum jetzt „plane“. Aber die Wahrheit sah anders aus. Letzten Freitag war ich auf einer Geburtstagsfeier. Ich hatte mir ein Glas Sekt vor mich hingestellt, nur damit niemand fragt. Ich habe es nicht angerührt, aber es war ein dummer, fast schon masochistischer Test. Ich starrte das Glas an und rechnete im Kopf aus, ob das jetzt als eines meiner maximal 10 bis 12 erlaubten Trinkereignisse pro Jahr zählen würde, die man beim Kontrollierten Trinken (KT) oft angibt.

Ich habe drei Stunden damit verbracht, im MPU Masterplan Alkohol die nächsten „Trinkanlässe“ für das Jahr vorzuplanen. Und wisst ihr was? Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich nur nach Ausreden gesucht habe, um bei der nächsten Firmenfeier nicht die „Komische“ zu sein. Ich war so sehr damit beschäftigt, mein Image als gesellige Kollegin zu retten, dass ich die eigentliche Arbeit an meiner Einstellung zum Alkohol völlig vernachlässigt habe. Das Workbook lag da, aufgeschlagen bei den Fragen zum Trennungsvermögen, und ich konnte nicht eine einzige Frage ehrlich beantworten, ohne mich selbst zu belügen.

Abstinenznachweis: Die harte Realität der Haaranalyse

In den kalten Wochen im November dachte ich noch, ich komme um die Abstinenzbelege herum. Aber meine Psychologin war gnadenlos ehrlich: „Frau Office Managerin“, sagte sie fast mitleidig, „wenn Sie bei der MPU sitzen und sagen, Sie trinken kontrolliert, aber Ihr ganzer Lebensstil im Außendienst schreit nach Routine-Konsum, dann zerlegt der Gutachter Sie in fünf Minuten.“

Ich habe mir dann im Masterplan das Modul zu den ETG-Werten und den CTU-Kriterien angesehen. ETG ist dieses Abbauprodukt von Alkohol, das man in den Haaren nachweisen kann. Für einen 3-monatigen Nachweis brauchen die im Labor genau 3 cm Haare. Ich sah mich im Spiegel an – meine Haare sind mein Stolz – und dachte daran, wie sie mir im Labor eine Strähne abschneiden würden. Es fühlte sich so demütigend an. Aber noch demütiger war das Gefühl, ständig Angst haben zu müssen, ob mein „kontrolliertes“ Glas Wein am Vorabend vielleicht doch den Wert sprengt.

Die Entscheidung: Warum „Nichts“ einfacher ist als „Wenig“

Anfang Frühling diesen Jahres kam der Wendepunkt. Ich saß wieder hier auf dem Boden, die U7 draußen Richtung Westfriedhof ratterte vorbei, und ich versuchte, mein „Trinktagebuch“ für KT zu führen. Es war so anstrengend. Dieses ständige Verhandeln mit mir selbst: „Darf ich heute? Ist das ein besonderer Anlass? Was denken die anderen?“

Ich habe dann eine Mail von meiner ehemaligen Lieblings-Bar bekommen – ein Newsletter über neue Sommer-Cocktails. Ich habe sie nicht mal geöffnet, sondern sofort gelöscht. In dem Moment wurde mir klar: Ich will diese Verhandlungen nicht mehr. Ich will nicht mehr beweisen müssen, dass ich „kontrolliert“ trinken kann. Ich will einfach Ruhe im Kopf haben. Ich habe mich für die volle Abstinenz entschieden. Nicht, weil ich ein „Alkoholiker“ bin (ein Wort, vor dem ich immer noch Angst habe), sondern weil ich meine charakterliche Eignung für den Straßenverkehr wiedererlangen will, ohne ständig auf Messers Schneide zu tanzen.

Die Entscheidung für die Abstinenz fühlte sich an, als würde ein riesiger Stein von meiner Brust rollen. Plötzlich war die Vorbereitung mit dem Workbook viel klarer. Ich muss nicht mehr lügen. Ich muss nicht mehr taktieren. Ich bereite mich jetzt auf die ärztliche Untersuchung vor, wissend, dass meine Leberwerte und meine Haare die Wahrheit sagen werden.

Der Blick nach vorn: Zwischen Angst und Zuversicht

Gestern habe ich mit meiner Schwester Kaffee getrunken. Sie weiß alles. Sie hat mich nicht verurteilt, als ich ihr sagte, dass ich jetzt offiziell „Abstinenzlerin“ für das nächste Jahr bin. Sie hat nur genickt und gesagt: „Dann müssen wir wenigstens nicht mehr diskutieren, wer fährt.“

Trotzdem habe ich Angst. Wenn ich an das psychologische Gespräch denke, kriege ich immer noch weiche Knie. Werden sie mir glauben? Werden sie denken, ich sage das nur, um den Lappen zurückzubekommen? Ich arbeite mich jetzt durch die Analyse meiner Trinkanlässe im Masterplan. Es ist schmerzhaft zu sehen, wie oft ich getrunken habe, nur um Stress abzubauen – den Stress in der Firma, den Stress mit den Erwartungen an mich selbst.

Falls du gerade an demselben Punkt stehst wie ich im letzten November: Es ist okay, wenn du nicht sofort weißt, welcher Weg der richtige ist. Aber sei ehrlich zu dir selbst. Wenn dich die Planung von KT mehr stresst als der Verzicht, dann ist Abstinenz vielleicht nicht der „harte“ Weg, sondern der befreiende. Mir hat es geholfen, ein festes System zu haben. Ohne den MPU Masterplan Alkohol wäre ich wahrscheinlich immer noch in der „Ich schaff das schon irgendwie allein“-Phase und würde mich bei der MPU um Kopf und Kragen reden. Es gibt einem eine Struktur, wenn das eigene Leben sich gerade wie eine Wanderkarte im dichten Nebel anfühlt.

Ich mache jetzt das Licht in der Küche aus. Morgen ist Montag, ein neuer Tag ohne Führerschein, aber mit einem klaren Kopf. Wir schaffen das, Schritt für Schritt, Sonntagabend für Sonntagabend.

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