Wieder am Steuer

Was Freunde sagen: Meine MPU Vorbereitung wegen Alkohol im sozialen Umfeld

Der Pfefferminztee ist längst kalt, aber ich starre immer noch in die Tasse. Es ist Sonntagabend in Neuhausen, draußen ist es dieses spezifische, ruhige Dunkel, das man nur kennt, wenn man weiß, dass morgen die U7 zum Westfriedhof wieder voll mit Pendlern sein wird – und ich nicht am Steuer sitze.

Kurzer Hinweis, bevor ich mich um Kopf und Kragen schreibe: In diesem Tagebuch stecken Affiliate-Links. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, aber für dich bleibt der Preis genau gleich. Ich erzähle hier nur von Sachen, die ich wirklich selbst nutze, wie mein Workbook. Aber wichtig: Ich bin keine Psychologin und keine Anwältin. Das hier ist mein Weg, kein Ersatz für eine Suchtberatung oder einen Fachanwalt. Meine ganze Story gibt’s auf der Über-mich-Seite.

Ich sitze auf dem Boden, die weißen Küchenfliesen fühlen sich durch meine Jeans hindurch hart und kalt an. Vor mir liegt das Modul zum Thema Trennungsvermögen. Ein Wort, das ich vor einem Jahr nicht mal buchstabieren wollte und das jetzt darüber entscheidet, ob ich jemals wieder legal ein Auto bewege. Es ist Woche 40 nach diesem einen Samstagabend im Spätsommer 2025, der alles verändert hat. 1.4 Promille. Eine Zahl, die sich wie ein Brandmal anfühlt.

Das Schweigen der „Trink-Buddies“

Wisst ihr, was das Seltsamste ist? Die Stille. Als der Brief im letzten November kam, diese formale Aufforderung zur MPU, dachte ich, meine Freunde würden mich auffangen. Und einige taten es. Aber ein ganzer Teil meines sozialen Umfelds ist einfach... verdampft.

Früher war ich die „zuverlässige Office Managerin“, die nach Feierabend eben noch ein Helles mitgetrunken hat. Oder zwei. Oder drei. In München gehört das dazu, oder? Man trifft sich am Rotkreuzplatz, man geht in die Bar, man lacht. Wenn man dann plötzlich mit einem ETG-Wert und Abstinenznachweisen um die Ecke kommt, passt man nicht mehr ins Bild.

Detailaufnahme eines Notizbuchs mit dem Begriff Trennungsvermögen und einer Tasse Tee.

Ich erinnere mich an ein Treffen im März, als die ersten warmen Abende kamen. Ein ehemaliger Kollege fragte, ob wir in den Biergarten gehen. Ich sagte: „Klar, aber ich trinke nichts.“ Er schaute mich an, als hätte ich gesagt, ich gehöre jetzt einer Sekte an. Und dann passierte mir dieser Fehler, der mir heute noch peinlich ist. Ich sagte: „Ich darf nicht.“

In dem Moment fühlte ich mich wie ein Kind, dem man das Spielzeug weggenommen hat. Es hat Wochen gedauert, bis ich durch die Reflexionsaufgaben in meinem Workbook begriffen habe, dass dieses „Ich darf nicht“ genau das falsche Mindset ist. Es geht nicht um ein Verbot von außen, sondern um meine eigene Entscheidung, meine charakterliche Eignung wiederherzustellen. Aber sag das mal jemandem, der gerade sein drittes Helles bestellt.

Wenn die beste Freundin den Spiegel vorhält

Ganz anders war es bei meiner besten Freundin. Wir saßen vor ein paar Wochen bei ihr auf dem Balkon. Sie hatte sich ein Glas Wein eingeschenkt, ganz automatisch. Dann sah sie mich an, sah mein Glas Leitungswasser, und ich sah, wie es in ihrem Kopf arbeitete. Sie hat das Weinglas ganz langsam auf die andere Seite des Tisches geschoben, fast so, als wollte sie es verstecken.

„Du musst das nicht wegstellen“, habe ich gesagt. Aber die Wahrheit ist: Es hat gutgetan. Es hat gezeigt, dass sie versteht, dass das hier kein kleiner „Alkohol-Detox-Trend“ ist, sondern harte Arbeit an mir selbst. Ich habe in diesen Monaten oft darüber nachgedacht, wie viele meiner vermeintlich besten Erinnerungen der letzten fünf Jahre eigentlich nur durch ein 0,5-Liter-Glas Helles weichgezeichnet waren. Wenn man den Alkohol wegnimmt, bleibt manchmal erschreckend wenig Substanz in manchen Gesprächen übrig.

Ich merke das besonders, wenn ich mich durch den MPU Masterplan Alkohol arbeite. In Modul drei geht es viel um das soziale Umfeld und Rückfallgefahren. Da wird man gezwungen, ehrlich zu sein. Wer sind die Leute, die fragen: „Ach komm, ein Glas Sekt zur Feier des Tages schadet doch nicht“? Das sind nicht die Freunde, die ich in meiner „neuen“ Zeit brauche. Es ist ein schmerzhafter Filterprozess.

Der „Sekt-Test“ – Warum ich fast schwach geworden wäre

Letzten Freitag war so ein Moment. Eine Geburtstagsfeier, vollgestopft mit Leuten aus der alten Firma. Ich hatte solche Angst vor den Fragen („Warum fährst du eigentlich immer mit der U-Bahn?“), dass ich mir selbst eine Falle gestellt habe. Ich habe mir ein Glas Sekt gegriffen und es einfach vor mich hingestellt. Damit niemand fragt. Damit ich „normal“ wirke.

Ich habe es nicht angerührt. Aber ich habe gemerkt, wie meine Hand immer wieder Richtung Glas zuckte. Es war ein dummer, gefährlicher Test. In meinem Notizbuch habe ich diesen Tag mit einem besonders fetten, schwarzen Punkt markiert. Es war ein Rückfall in alte Verhaltensmuster, auch ohne zu trinken. Die Scham danach war fast so schlimm wie der Kater nach der Hochzeitsnacht 2025.

Ein einsames Glas Sekt auf einem Tisch als Symbol für soziale Versuchung.

Die harte Realität: Wenn das Umfeld Trinken erzwingt

Ich habe viel über meine Situation nachgedacht und sie mit der von anderen verglichen. Eine Bekannte aus einem Forum nutzt zum Beispiel den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs, weil sie ein ganz anderes Problem hat, aber die soziale Komponente ist ähnlich. Was mir aber wirklich die Augen geöffnet hat, war ein Gespräch mit meinem Nachbarn hier in Neuhausen. Er ist Zimmerer, arbeitet auf dem Bau.

Wir haben neulich im Treppenhaus gesprochen, als ich mein Fahrrad hochschleppte (mein neues Hauptverkehrsmittel). Er erzählte, dass er auch mal wegen Alkohol den Lappen weg hatte. Aber er sagte etwas, das mich schockiert hat: „Mädel, in deinem Büro-Job ist das einfach. Bei uns auf’m Bau bist du kein Mann, wenn du nach Feierabend nicht die Kiste mit leer machst. Wenn ich da sage, ich trinke nicht, weil ich zur MPU muss, lachen die mich aus oder ich flieg aus der Kolonne.“

Das hat mich demütig gemacht. Meine sozialen Hürden sind psychologisch – die Scham, die Erklärungsnot. Aber für viele Handwerker oder Bauarbeiter ist der Alkoholkonsum ein fester Bestandteil der Arbeitskultur. Da geht es um Anerkennung und Zugehörigkeit. Wenn das Umfeld den Konsum quasi erzwingt, ist die Entscheidung für Abstinenz ein Akt von unglaublichem Mut. Ich habe nur mit ein paar hochgezogenen Augenbrauen im Marketing-Meeting zu kämpfen; die kämpfen um ihren Platz im Team.

Was ich gelernt habe (und was ich noch lernen muss)

Die MPU-Vorbereitung ist kein Sprint, es ist eine Inventur des gesamten Lebens. Und das soziale Umfeld ist das Lagerregal, das am meisten Staub angesetzt hat. Ich lerne gerade, dass „Nein“ eine vollständige Antwort ist. Ich muss nicht erklären, dass ich 1.4 Promille hatte. Ich muss nicht von meinem Neuhausener Schicksal erzählen, wenn ich nicht will.

Gestern Abend habe ich wieder lange auf dem Sofa gelegen und die Zimmerdecke angestarrt. Ich habe mich gefragt, ob ich jemals wieder die „Alte“ sein werde. Die Antwort ist: Hoffentlich nicht. Die „Alte“ hat sich mit 1.4 Promille ans Steuer gesetzt, weil sie dachte, sie hätte alles im Griff. Die „Neue“ sitzt sonntags auf dem Küchenboden und ist ehrlich zu sich selbst.

Abendliche Stimmung in München-Neuhausen mit Blick auf die Straße.

Falls du auch gerade merkst, dass deine Freunde sich zurückziehen oder du dich schämst: Es ist okay. Der Prozess filtert die Menschen heraus, die nur dein „Party-Ich“ mochten. Was übrig bleibt, ist echt. Und falls du dich fragst, wie du die psychologischen Hürden nimmst, kann ich dir nur raten, dir Struktur zu suchen. Warum der MPU Masterplan meine größte Hilfe gegen die Angst ist, habe ich ja schon mal geschrieben – es sind genau diese Fragen nach dem sozialen Druck, die dort ehrlich behandelt werden.

Der Tee ist jetzt wirklich eiskalt. Ich räume die Tasse weg, klappe das Workbook zu und mache für heute Schluss. Morgen ist Montag. Wieder U-Bahn. Wieder ein Tag mehr auf dem Konto der Ehrlichkeit. Wenn du selbst in der Situation steckst, such dir professionelle Hilfe, red mit Leuten, die das Gleiche durchmachen, und bleib standhaft – auch wenn das Umfeld mal wieder drängelt. Wir schaffen das, Schritt für Schritt, von Sonntagabend zu Sonntagabend.

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