
Ein Workbook mit vollgeschriebenen Seiten wiegt in der Hand anders als eines, das ungeöffnet im Regal steht. Zwischen diesen beiden Zuständen liegt für mich der ganze Unterschied zwischen einer Ausrede und einer Alkohol-MPU-Vorbereitung, die tatsächlich etwas bewegt.
Bevor es weitergeht, kurz so viel: Dieser Beitrag ist ein Eintrag aus meinem Abstinenz-Tagebuch, kein Ratgeber, und er enthält einen Affiliate-Link zu dem Workbook, das ich selbst nutze. Kaufst du darüber, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich bin weder Verkehrspsychologin noch Anwältin, nur eine Frau, die nach einer Kontrolle mit 1,4 Promille ihren Führerschein abgeben musste. Rechtliche Fragen gehören zu einem Fachanwalt für Verkehrsrecht, Alkoholthemen in die Hände einer Suchtberatungsstelle.
Am Anfang stand keine Strategie, nur die Hoffnung, dass sich das Ganze irgendwie von selbst erledigt. In München nehmen sie es genau: Bei 1,4 Promille ist die Medizinisch-Psychologische Untersuchung so gut wie sicher, auch beim ersten Mal, und genau diese Gewissheit hat mich am längsten gelähmt.
Nach Weihnachten hatte ich mir geschworen, jetzt wirklich anzufangen: geordnet, mit Übersicht, mit einem richtigen Plan. Passiert ist: nichts. Der Vorsatz hielt bis zum ersten Werktag im neuen Jahr, dann lag der Ordner mit den Unterlagen der Begutachtungsstelle wieder unangerührt unter der Post, und ich habe stattdessen abends in Foren gelesen, wo andere ihre MPU-Horrorgeschichten austauschen.
Zwei Wege, dieselbe Angst
Der eine Weg bestand aus offenen Tabs und dem Gefühl, irgendwann genug gelesen zu haben, um vorbereitet zu sein. Geschichten über Prüfer, die angeblich wegen der falschen Wortwahl durchfallen lassen, über Fangfragen ohne richtige Antwort. Es fühlte sich an wie Navigieren ohne Karte. Ich wusste, dass ich irgendwo ankommen musste, aber nicht, in welche Richtung ich zuerst gehen sollte.
Anders lief es mit dem MPU Masterplan Alkohol, bestellt an einem Tag, an dem mir die Kraft für weiteres Aufschieben ausgegangen war. Kein Impulskauf, eher ein Akt der Erschöpfung. Das Papier im Workbook war so viel dicker, als ich erwartet hatte, dass ich es tatsächlich anfassen wollte, statt es wie die Unterlagen der Begutachtungsstelle irgendwo verschwinden zu lassen.

Warum hat der gute Vorsatz nicht gereicht?
Vorsätze scheitern ohne Struktur, und das klingt banal, aber ich habe es erst verstanden, als ich beide Zustände nebeneinandergelegt habe. Foren liefern Angst in großen Mengen und keine einzige Übung dazu. Das Workbook zwingt zu kleinen, konkreten Schritten: eine Seite, eine Frage, eine ehrliche Antwort, kein großes Versprechen.
Wie sehr das hilft, merke ich immer dann, wenn ich mir vorstelle, wie es im psychologischen Gespräch laufen würde, wenn ich dort so auftauchen würde wie früher, mit Ausreden statt Antworten. Fünf Minuten, dann wäre der Termin für mich gelaufen.
Der MPU-Masterplan verlangt eine andere Art von Ehrlichkeit
Ein bestimmtes Modul hat mir das besonders deutlich gemacht. Dort geht es um die Aufarbeitung: warum ich in jener Nacht wirklich getrunken habe, nicht die bequeme Version mit „es war halt eine Hochzeit". Der Kugelschreiber kratzte über das dicke Papier, während ich meine üblichen Ausreden aufschrieb und merkte, wie dünn sie klingen, sobald sie schwarz auf weiß dastehen.
Technisch war ein Teil der Angst auch einfach nur Unwissen: Was verlangt so ein Ethylglucuronid (ETG)-Wert eigentlich von mir, und zählt meine Abstinenz überhaupt als Nachweis? Das Workbook übersetzt solche Begriffe in normales Deutsch, ohne dass ich vorher etwas hätte studieren müssen. Wie ein Abstinenznachweis am Ende bewertet wird, ist ein eigenes Thema für einen anderen Eintrag. Mir reicht es, dass ich die Abkürzung nicht mehr googeln muss, sobald sie in einem Brief auftaucht.

Ehrlich zu sein bei der eigenen Trinkanamnese ist ein Kapitel für sich, das ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben habe, beim Analysieren meiner Trinkanlässe. Für diesen Vergleich reicht die Kurzfassung: Foren-Lektüre stellt dir nie die Frage, warum du wirklich getrunken hast. Das Workbook schon, auf jeder Seite neu.
Mein Trennungsvermögen – die Fähigkeit, Trinken und Fahren wirklich zu trennen und nicht nur als Begriff zu kennen – beschreibe ich ausführlicher dort, wo es um meine MPU Fragen ehrlich beantworten geht. An dieser Stelle zählt nur so viel: Das Wort war mir vertraut, lange bevor ich begriffen hatte, was es tatsächlich von mir verlangt.
Falls dich das Thema interessiert, obwohl es nicht dein Fall ist: Eine Bekannte aus einem MPU-Forum nutzt für ihre Drogen-MPU das FLEX3 Online MPU Drogen Programm. Sie sagt, die Grundlogik ähnelt meiner, auch wenn die Themen völlig andere sind.
Die Angst messen, statt sie nur auszuhalten
Neulich lag ich abends im Bett, kurz vor sieben, und zum ersten Mal habe ich fünf Minuten lang einfach dagelegen, ohne dass sich mein Magen zusammengezogen hat. Am nächsten Morgen bin ich am Rotkreuzplatz in den Bus gestiegen wie jeden Tag, aber ohne das übliche Ziehen, das sonst schon beim Aufstehen anfängt. Das ist kein großer Moment für irgendjemand anderen, aber für mich war es der Beweis, dass sich etwas verschoben hat, seit ich nicht mehr nur warte, sondern arbeite.
Eine Nachbarin von mir macht beim Stadtradeln mit und pendelt seitdem auf dem Radweg Richtung Dachau, mit einem festen Kilometerziel für jeden Tag. Ich hatte lange nicht mal ein Ziel für die nächste halbe Stunde. Genau darum geht es in diesem Vergleich eigentlich: nicht um Willenskraft, sondern darum, ob überhaupt eine Richtung vorgegeben ist.
Wie ich meine schlechten Tage inzwischen markiere, ist wieder eine eigene Geschichte für einen anderen Eintrag. Hier zählt nur, dass ich sie markiere, statt sie zu verdrängen.
Wenn du noch Kraft hast, dir Versprechen zu machen, die du sowieso nicht hältst, probier ruhig noch eine Weile den leisen Weg über Vorsätze und gute Absichten. Aber sobald derselbe Vorsatz zum zweiten oder dritten Mal fällig wird, brauchst du vermutlich etwas, das dich zwingt, es aufzuschreiben, Seite für Seite. Bei mir war das dieses Workbook – kein Wundermittel, nur ein Ort, an dem ich mich nicht mehr an mir selbst vorbeischummeln kann.