
Sonntagabend in Neuhausen. Ich sitze auf dem Küchenboden, der Fliesenboden ist noch ein bisschen kühl, und neben mir steht eine Tasse Tee, die ich vor einer Stunde vergessen habe – jetzt ist er so kalt, dass er fast schon wieder erfrischend schmeckt. Diese Woche war hart. Draußen ist es dieser drückende August-Abend, an dem ganz München gefühlt im Hirschgarten sitzt und die Maßkrüge klingen hört, während ich hier mit meinem Notizbuch sitze und versuche, meine Woche 48 ohne Führerschein zu sortieren.
Hinweis: In diesem Text teile ich meine persönlichen Erfahrungen. Er enthält Affiliate-Links zu Hilfsmitteln, die ich selbst nutze. Bei einem Kauf über diese Links erhalte ich eine Provision, für dich ändert sich nichts am Preis. Ich bin keine Verkehrspsychologin, keine Therapeutin und keine Anwältin. Mein Tagebuch ist keine Rechtsberatung. Wenn du juristische Hilfe brauchst, wende dich an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht, und bei Alkoholproblemen sind Suchtberatungsstellen die richtige Adresse. Meine vollständige Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.
Der Sommer in München und die 0,5-Prozent-Falle
Letzten Donnerstag bin ich nach der Arbeit – ja, immer noch mit der U7 Richtung Westfriedhof, weil mein Auto seit dem Vorfall letzten Spätsommer 2025 mit 1,4 Promille quasi im Dornröschenschlaf liegt – an einer Bar am Rotkreuzplatz vorbeigekommen. Ein ehemaliger Kollege hat gewinkt, ich bin kurz stehen geblieben. Und da war sie wieder, diese Unsicherheit: Was bestelle ich, ohne dass die Fragen kommen? Was trinke ich, ohne mein Abstinenzprogramm zu gefährden?
Ich habe in meinem MPU Masterplan Alkohol Workbook viel über das sogenannte Trennungsvermögen gelesen. Aber in der Realität fühlt sich das oft viel komplizierter an als in der Theorie. In Deutschland darf ein Getränk nämlich als "alkoholfrei" bezeichnet werden, wenn es bis zu 0,5 Vol.-% Restalkohol enthält. Klingt wenig, aber wenn man wie ich gerade jeden ETG-Wert im Urin oder in den Haaren fürchten muss, um den 12-monatigen Abstinenznachweis sauber zu halten, fängt man an zu rechnen.

Mein Test: Von 0,0% bis zu den Isotonischen
Ich habe diesen Frühling angefangen, mich durch das Regal zu testen. Nicht, weil ich den Rausch suche, sondern weil ich die Routine brauche. Das ist so ein Punkt, den ich auch bei meiner Verkehrspsychologin besprochen habe: Die Gewohnheit ist das Gefährliche. Hier ist mein ganz persönliches Fazit aus den letzten Wochen:
- Das echte 0,0% Bier: Mein Rettungsanker. Es gibt ein paar Marken, die wirklich Null-Komma-Null garantieren. Der Geschmack ist oft ein bisschen süßlicher, fast wie Brot, aber es gibt mir die Sicherheit, dass kein Molekül Alkohol meine Leberwerte oder den ETG-Test triggert.
- Alkoholfreies Weißbier (bis 0,5%): Hier bin ich vorsichtig geworden. Im Winterurlaub habe ich eins getrunken und hatte danach sofort dieses schlechte Gewissen. Mein Kopf hat mir eingeredet, dass ich den Alkohol spüre, was bei 0,5% biologisch kaum möglich ist, aber psychologisch war es ein Desaster.
- Alkoholfreier Gin Tonic: Das war mein teuerster Versuch. Ich saß auf dem Sofa, habe an dem Glas genippt und bekam plötzlich diesen Phantom-Kopfschmerz. Rein körperlich war da nichts, aber mein Gehirn verbindet den Geruch von Botanicals so stark mit dem Kater von früher, dass es sofort in den Abwehrmodus ging.
Einer der schwierigsten Momente war ein Grillabend vor ein paar Wochen. Ich hatte mir aus Versehen eine Flasche "Light"-Cider gegriffen. Ein Schluck – und ich habe sofort gemerkt, dass da was nicht stimmt. Ich habe den Rest des Sechserpacks sofort in der Spüle ausgeleert. Die Angst, alles zu verspielen, was ich mir seit November 2025 aufgebaut habe, war in diesem Moment größer als jeder Durst. Ich habe danach lange im Workbook geblättert, um mich wieder zu beruhigen.
Die besondere Herausforderung: Gastronomie und sozialer Druck
Eine Freundin von mir arbeitet in einer Bar in Neuhausen. Wir haben neulich darüber gesprochen, wie viel schwerer es Leute in der Gastro haben. Als Office Managerin kann ich mich im Büro hinter meiner Kaffeetasse verstecken. Aber wer hinter dem Tresen steht, ist ständig von der Verfügbarkeit umgeben. Für Gastronomieangestellte ist die MPU-Vorbereitung oft ein Spießrutenlauf durch den eigenen Arbeitsalltag. Ständig wird einem ein Probier-Schluck angeboten oder der Gast will anstoßen.
Ich merke oft, wie ich beim MPU Gespräch üben ins Stocken gerate, wenn es um solche sozialen Situationen geht. Meine Psychologin fragt dann immer: "Was ist Ihr Plan B?" Und mein Plan B sind mittlerweile oft Getränke, die gar nicht erst versuchen, wie Alkohol auszusehen. Eine Rhabarberschorle mit viel Eis sieht im Glas auch nach Feierabend aus, triggert aber keine alten Muster.

Was mir wirklich hilft (und was nicht)
Manchmal starre ich auf das eiskalte Kondenswasser an einem Glas Sprudel mit Zitrone und versuche mir einzureden, dass das jetzt mein Highlight des Tages ist. Es klappt nicht immer. Es gibt Sonntage, da fühlt sich die Abstinenz einfach nur nach Verzicht an und nicht nach Gewinn. Aber dann schaue ich in mein Tagebuch auf die vielen kleinen Punkte für die "guten Tage" und weiß, warum ich das mache.
Was mir in dieser Phase extrem geholfen hat, war die Struktur im MPU Masterplan Alkohol. Besonders das Modul zum Trennungsvermögen hat mir die Augen geöffnet. Es geht nicht nur darum, nicht zu trinken, wenn man fährt. Es geht darum, zu verstehen, warum man überhaupt getrunken hat, um mit Stress oder sozialen Situationen klarzukommen. Wenn ich heute ein 0,0% Getränk wähle, ist das eine bewusste Entscheidung für meine charakterliche Eignung und gegen die alten Automatismen.
Falls du wie eine Bekannte von mir eher mit anderen Substanzen zu kämpfen hast, gibt es auch den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs, der wohl ähnlich aufgebaut ist, aber für mich war der Fokus auf Alkohol und die Aufarbeitung meiner Trinkbiografie entscheidend. Ich musste erst lernen, meine Trinkbiografie für die MPU zu schreiben, um zu sehen, wie oft ich alkoholfreie Getränke früher nur als lästige Pause zwischen den echten Drinks gesehen habe.

Fazit vom Küchenboden
Der Test von alkoholfreien Getränken ist für mich mehr als nur eine Geschmackssache. Es ist ein Experiment an mir selbst. Kann ich den Moment genießen, ohne benebelt zu sein? Kann ich in München sozial existieren, ohne eine Maß in der Hand zu haben? Die Antwort ist meistens ja, auch wenn es sich manchmal einsam anfühlt, wenn die U7 voll mit feiernden Menschen ist.
Ich werde weiterhin meistens zum Tee greifen – auch wenn er kalt wird. Aber für die harten Tage habe ich jetzt meine zwei, drei 0,0% Favoriten im Kühlschrank. Es ist ein langer Weg bis zum positiven Gutachten, und ich weiß oft selbst nicht weiter, aber jeder Tag ohne Rückfall ist ein Sieg. Wenn du auch gerade mittendrin steckst: Du bist nicht allein auf deinem Küchenboden. Such dir Tools, die dir Struktur geben, wie das Workbook, das ich nutze, und sei ehrlich zu dir selbst – auch bei den kleinen Fehltritten.
Nächste Woche steht wieder ein Termin bei der Verkehrspsychologin an. Ich werde ihr von dem Cider-Schreck erzählen. Nicht, weil ich muss, sondern weil ich merke, dass diese Ehrlichkeit mir hilft, mein Selbstbild für die MPU zu reflektieren. Wir schaffen das, Schritt für Schritt. Oder Schluck für Schluck, solange es die richtigen sind.