Wieder am Steuer

Meine Trinkbiografie für die MPU schreiben: Tipps für die Aufarbeitung zu Hause

Der Kühlschrank hinter mir brummt lauter, als er es tagsüber tut, während ich in meinem Tagebuch an der Trinkbiografie für die MPU-Vorbereitung weiterschreibe. Drei Seiten in meinem schwarzen Notizbuch sind schon vollgeschrieben, wieder durchgestrichen, neu angesetzt.

Genau das ist der Kern der Sache: Eine Trinkbiografie wird nicht in einem Zug fertig, und wer bei der Alkohol-Abstinenz-Vorbereitung nur eine Liste von Trinktagen abtippt, hat den eigentlichen Auftrag verfehlt. Der Gutachter blättert nicht nach Jahreszahlen. Er sucht das Muster dahinter – und genau darum soll es hier gehen.

Was der Gutachter zwischen den Zeilen liest

Als die Aufforderung kam, dachte ich, ich müsste nur den einen Abend erklären: die Hochzeit, das eine Glas zu viel, die Kontrolle danach. Das reicht nicht. Der Gutachter will die Entwicklung sehen, vom ersten Glas bis zu dem Punkt, an dem die eigene Toleranz zur stillen Gewohnheit wurde. Meine 1,4 Promille an jenem Abend waren kein Ausrutscher nach oben, sondern das Ergebnis von Jahren, in denen sich die Menge langsam verschoben hat, ohne dass ich es je als Problem benannt hätte.

Eine ehrliche Trinkanamnese beginnt deshalb nicht bei dem einen Abend, sondern bei dem ersten Glas, das überhaupt etwas in mir ausgelöst hat. Wie man diese Anamnese im Detail führt, ist allerdings ein eigenes Kapitel für sich. Die Begutachtungsleitlinien selbst habe ich mir nicht Punkt für Punkt vorgenommen, dafür gibt es andere Texte, die das besser können als ich.

Handschriftliche Notizen zur Trinkbiografie mit Korrektionen für die MPU-Vorbereitung

Drei Phasen für eine ehrliche Trinkbiografie

Ich habe meine Biografie in drei Phasen unterteilt, weil eine durchgehende Erzählung mich sonst überfordert hätte. Die erste Phase ist die Jugend: das erste Glas, das Umfeld, das entschieden hat, ob Trinken die Ausnahme war oder die Regel. Die zweite Phase beginnt mit dem Berufseinstieg – bei mir als Office Managerin –, wenn Alkohol zum Ventil nach langen Arbeitstagen wird. Die dritte Phase ist die Zeit direkt vor der Auffälligkeit, wenn die Toleranz am höchsten ist und Restalkohol am nächsten Morgen regelmäßig unterschätzt wird.

Für jede Phase stelle ich mir dieselbe Frage: Wann wurde aus einem Genussglas ein Funktionsglas? Diese eine Frage macht aus einer Aufzählung von Trinkanlässen erst eine Biografie, die auch etwas erklärt statt nur aufzuzählen. Wer nach MPU Vorbereitung Materialien: Warum ich auf den MPU Masterplan Alkohol setze sucht, findet dort, wie ich mit Vorbereitungsmaterial arbeite. Hier soll es aber vor allem um die Methode gehen, nicht um das Material selbst.

Nach einem Jahr auf diesem Küchenboden weiß ich wenigstens so viel: Die Fassung, die am Ende beim Gutachter landet, hat mit der ersten Version kaum noch etwas gemeinsam.

Warum ich die Vorbereitungs-App nach zwei Tagen wieder gelöscht habe

Ich habe es mir leichter machen wollen und mir eine App fürs Handy heruntergeladen, extra für die MPU-Vorbereitung gemacht, mit Erinnerungen und kleinen Feldern zum Ausfüllen. Nach zwei Tagen habe ich sie wieder gelöscht. Die Felder waren zu klein für das, was ich eigentlich sagen musste, und die Erinnerungen fühlten sich an wie eine weitere Aufgabe auf einer ohnehin zu langen Liste. Auf Papier merke ich sofort, wenn ein Satz nur behauptet und nichts erklärt – am Bildschirm rutscht das viel leichter durch.

Was bei mir zuverlässig funktioniert, ist Handschrift plus Zeit. Kein Countdown, keine Erinnerung am Abend, nur die Frage, ob der Satz auf dem Papier noch stimmt, wenn ich ihn zwei Tage später noch einmal lese.

Innere Motive nicht schönreden

Der schwierigste Teil ist nicht die Aufzählung, sondern die Frage nach dem Warum. Was hat mir der Alkohol in dem Moment gegeben – Belohnung nach einem anstrengenden Tag, oder einfach einen Grund, die Kontrolle für ein paar Stunden abzugeben? Im dritten Gespräch mit meiner Verkehrspsychologin habe ich verstanden, was „Trennungsvermögen" wirklich bedeutet, weil sie bei genau diesem Wort genickt hat, ohne mehr dazu zu sagen.

Ob kontrolliertes Trinken für manche überhaupt infrage kommt oder ausschließlich Abstinenz zählt, ist eine Debatte, die ich hier nicht führen will. Was im psychologischen Gespräch selbst passiert, könnte ich ein andermal beschreiben. Hier reicht der Satz, dass es selten so verläuft, wie man es sich beim Üben vor dem Spiegel vorgestellt hat.

Meine beste Freundin Melanie hört sich das am Telefon oft an und erzählt mir dann von ihren eigenen schlechten Tagen, damit ich mich mit meinen nicht so allein fühle.

Die schlechten Tage bekommen bei mir einen eigenen Punkt in einem separaten Protokoll, aber wie genau ich das führe, ist ein anderes Thema.

Der ETG-Wert spielt für Abstinenznachweise eine Rolle, aber wie man die im Detail dokumentiert, ist wieder ein eigenes Kapitel. Ein Eintrag im Fahreignungsregister bleibt jedenfalls länger bestehen, als mir lieb ist.

MPU-Vorbereitung Workbook aufgeschlagen während der Aufarbeitung der Alkohol-Abstinenz

Der erste Satz auf dem leeren Blatt

Falls du selbst gerade vor einem leeren Blatt sitzt und nicht weißt, wo du anfangen sollst: Schreib nicht „Warum ich getrunken habe", sondern „Was hat der Alkohol für mich getan". Diese Umformulierung allein ändert, wie ehrlich der restliche Text wird. Es geht nicht darum, sich selbst fertigzumachen. Dafür sorgt der innere Kritiker ohnehin zuverlässig genug. Es geht darum, Trinken und Fahren in Zukunft klar auseinanderzuhalten.

Markus, den ich beim MPU-Infoabend kennengelernt habe, ist in seiner Vorbereitung schon weiter als ich und hat mir offen erzählt, dass sich für ihn das Bild vom eigenen Trinken verändert hat, sobald er es in Phasen aufgeschrieben hat statt als eine einzige durchgehende Geschichte.

Wenn ich von meiner Wohnung in Neuhausen aus eine Runde im Nymphenburger Schlosspark drehe, sortiere ich im Kopf oft schon, welche Phase als Nächstes an der Reihe ist. Das klappt erstaunlich gut ohne Notizbuch in der Hand.

Diese Trinkbiografie ist nur ein Teil der ganzen Vorbereitung. Auch die Akteneinsicht bei der Begutachtungsstelle ist ein eigenes Thema, das ich hier nicht aufrolle.

Therapeutin oder MPU-Beraterin bin ich keine, nur eine 36-Jährige, die einmal richtig Mist gebaut hat. Wer wirklich tiefe psychologische Probleme hat oder merkt, dass sich der Konsum nicht allein stoppen lässt, sollte sich an eine Suchtberatung oder eine professionelle Verkehrspsychologin wenden. Auch ein Gespräch mit einem Fachanwalt kann bei rechtlichen Unsicherheiten helfen.

Was das für mich als Frau in München nochmal anders macht, habe ich in MPU Vorbereitung für Frauen: Warum meine Geschichte in Neuhausen anders ist aufgeschrieben.

Blick aus dem Fenster in Neuhausen am Abend mit Kalendernotizen zur Trinkbiografie

Fertig ist meine Trinkbiografie noch nicht. Aber die Version, die jetzt auf dem Tisch liegt, ist ehrlicher als die erste, und das war der einzige Maßstab, an dem ich sie messen wollte.

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