Es ist Sonntagabend in Neuhausen. Der Linoleumboden in meiner Küche ist verdammt kalt an den Oberschenkeln, aber irgendwie brauche ich das gerade – dieses Gefühl von hartem, realem Boden unter mir. Neben mir steht eine Tasse Tee, die ich vor einer Stunde aufgebrüht habe. Er ist inzwischen so kalt wie die Luft, die durch den Fensterspalt vom Rotkreuzplatz herüberzieht.
In meinem Notizbuch starrt mich ein Wort an, das ich heute schon fünfmal umkreist habe: Abhängigkeit. Und direkt daneben: Alkoholiker. Ich sitze hier, Woche 43 nach dem Vorfall, und frage mich zum ersten Mal ganz ohne Schutzschild: Wer bin ich eigentlich in dieser ganzen Geschichte? Bin ich die Office Managerin, die einfach einmal Pech hatte, oder bin ich jemand, der ein echtes Problem hat?
Bevor ich mich tiefer in diese Gedanken stürze: Ein kurzer Hinweis. In diesem Tagebuch teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen und die Workbooks, die mir helfen. Wenn du über meine Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision – für dich kostet es keinen Cent mehr. Ich empfehle nur Dinge wie den Masterplan, den ich selbst auf diesem Küchenboden durchgearbeitet habe. Aber Achtung: Ich bin keine Psychologin oder Anwältin. Das hier ist mein Weg, kein Ersatz für eine professionelle Suchtberatung oder einen Fachanwalt für Verkehrsrecht. Meine komplette Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.
Der Moment, in dem die Welt aus den Fugen geriet
Wenn ich an den Spätsommer 2025 zurückdenke, an diese Hochzeit, fühlt es sich an wie ein Filmriss in Zeitlupe. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass ich völlig okay bin. Ein paar Gläser Wein, die gute Stimmung, die Musik – es fühlte sich leicht an. Bis das Blaulicht kam. 1.4 Promille. In Bayern ist das kein Kavaliersdelikt, das ist ein Erdbeben. Ich lag damals deutlich über der Grenze von 1.1, die in Deutschland als absolute Fahruntüchtigkeit gilt. In diesem Moment war ich nicht mehr die zuverlässige Frau aus dem Büro, sondern eine Nummer in einer Polizeiakte.
Jedes Mal, wenn ich heute an der Straßenecke vorbeifahre, an der der Streifenwagen an jenem Samstagabend stand, läuft mir ein scharfer, kalter Schauer über den Rücken. Es ist ein physischer Reflex. Mein Körper erinnert sich an die Scham, noch bevor mein Kopf sie greifen kann. Der Führerschein war weg, noch an der Straße. Und im November 2025 lag dann der Brief im Kasten: Die Aufforderung zur MPU.
Das Radiergummi und die Wahrheit
Letzten Mittwoch saß ich über Modul 3 von meinem MPU Masterplan Alkohol. Da war diese eine Aufgabe: Beschreiben Sie Ihr Trinkverhalten vor dem Delikt. Ich habe mit dem Bleistift das Wort 'gelegentlich' hingeschrieben. Und dann habe ich es wieder ausradiert. Dann wieder hingeschrieben. Dann so fest radiert, dass das Papier fast gerissen ist. Das kratzende Geräusch des Radiergummis war das einzige Geräusch in der Wohnung.
Ich habe drei Sonntage hintereinander damit verbracht, mir einzureden, dass die 1.4 Promille ein einmaliger Ausrutscher waren. Ein 'One-Time-Mistake'. Aber dann habe ich im Workbook gelesen, was die Gutachter hören wollen – oder vielmehr, was die Realität ist. Jemand, der keine Gewöhnung hat, kann mit 1.4 Promille kaum noch den Zündschlüssel finden, geschweige denn so tun, als wäre alles normal. Diese Erkenntnis war wie ein Schlag in die Magengrube.
Bin ich also Alkoholikerin? Die Verkehrspsychologin nennt es oft 'Missbrauch' oder spricht von mangelndem Trennungsvermögen. Das klingt klinischer, weniger endgültig als das Wort mit 'A'. Aber die Frage bleibt: Warum ist es in dieser Wohnung eigentlich so verdammt leise, seit die Weinflaschen im Altglascontainer am Winthirplatz gelandet sind und keine neuen mehr nachkommen?
Die Falle der Selbstrechtfertigung
Das Schwierigste an der MPU-Vorbereitung ist nicht das Auswendiglernen von Fakten über den Promille-Abbau. Es ist das Aufbrechen des eigenen Selbstbildes. Ich dachte immer, Alkoholiker sind die Leute, die morgens am Hauptbahnhof sitzen. Nicht ich, mit meinem Job in Neuhausen und meinem ordentlich gebügelten Blazer. Aber die MPU fragt nicht nach deinem Blazer. Sie fragt nach deiner charakterlichen Eignung.
Ich habe mir oft überlegt, wie ich das beim Gutachter erklären soll. Inzwischen weiß ich: Wenn ich dort sitze und sage 'Es war nur dieses eine Mal', habe ich schon verloren. Das ist genau das, was jeder sagt, der durchfällt. Die wahre Arbeit findet hier auf dem Küchenboden statt, wenn ich meine Trinkbiografie für die MPU schreibe und merke, dass Alkohol viel öfter eine Rolle spielte, als ich mir eingestehen wollte – zum Runterkommen nach einem stressigen Tag im Büro, zum Feiern, zum Trösten.
Reflexion braucht Raum (den nicht jeder hat)
Gestern habe ich beim Lehrgespräch eine Frau kennengelernt. Sie ist alleinerziehend, zwei kleine Kinder, arbeitet Teilzeit. Sie wirkte so unglaublich erschöpft. Während ich hier in meiner Stille sitze und stundenlang in mein Notizbuch starre, hat sie vielleicht zehn Minuten, bevor sie selbst vor Müdigkeit umkippt. Wir haben kurz gewartet, bis wir zur Urinabgabe für den ETG-Nachweis gerufen wurden.
Sie sagte mir, dass sie gar nicht weiß, wie sie diese tiefe Selbstreflexion leisten soll. Die Standard-MPU-Beratung geht davon aus, dass man Zeit und geistige Kapazität hat, um über Jahre der Fehlentwicklung nachzudenken. Aber wenn man zwischen Windeln wechseln, Job und dem Stress ohne Führerschein feststeckt, ist dieser 'tiefe Blick in die Seele' fast unmöglich ohne Hilfe. Ich habe ihr von meinem Workbook erzählt, weil man das in Etappen machen kann, wenn die Kinder schlafen. Es ist oft diese Fremdbestimmung, die einen bei der MPU scheitern lässt – nicht der böse Wille, sondern der schlichte Schlafmangel, der keine echte Aufarbeitung zulässt.
Die Angst vor dem ETG-Wert
Apropos Urinabgabe: Jedes Mal, wenn ich zum Screening muss, bin ich nervös. Der Grenzwert für Ethylglucuronid (ETG) liegt bei 0.1 mg/l. Das ist so wenig, dass ich sogar bei alkoholfreiem Bier oder Apfelsaft paranoid werde, obwohl ich weiß, dass das meistens unbegründet ist. Es ist dieses Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen. Mein Körper wird zum Beweisstück meiner Ehrlichkeit.
Früher dachte ich, Abstinenz wäre eine Strafe. Heute sehe ich es eher als ein Experiment am eigenen Ich. Ich fühle mich klarer, aber auch verletzlicher. Die Barrieren sind weg. Wenn ich mich schlecht fühle, kann ich es nicht mehr einfach wegspülen. Ich muss es aushalten. Das ist der Teil der Vorbereitung, auf den dich kein Kurs der Welt wirklich vorbereitet – das pure Aushalten der eigenen Emotionen in der U7 Richtung Westfriedhof, wenn man sich wünscht, einfach nur nach Hause zu fahren und den Kopf auszuschalten.
Was ich diese Woche gelernt habe
Ich bin vielleicht keine Alkoholikerin im klassischen Sinne einer körperlichen Abhängigkeit – das sagen zumindest meine bisherigen Gespräche. Aber ich hatte eine problematische Trinkgewohnheit. Und das zuzugeben, tut weh. Es kratzt an meinem Stolz als 'funktionierende' Frau. Aber ohne dieses Eingeständnis gibt es kein echtes Trennungsvermögen. Wer nicht weiß, warum er trinkt, kann auch nicht garantieren, dass er nie wieder betrunken fährt.
- Die Akzeptanz der 1.4 Promille als Zeichen einer hohen Gewöhnung war der erste Schritt.
- Abstinenz ist kein bloßes Abwarten der Sperrfrist, sondern eine Identitätsarbeit.
- Der MPU-Gutachter sucht keine perfekten Menschen, sondern reflektierte Menschen.
Falls du auch gerade an diesem Punkt stehst und dich fragst, wo du anfangen sollst: Schau dir mal die MPU Vorbereitung Materialien an, die ich nutze. Besonders der MPU Masterplan Alkohol hat mir geholfen, diese schwierigen Fragen strukturiert anzugehen, wenn ich mal wieder nicht wusste, wie ich meine Gedanken ordnen soll. Es ist okay, wenn man es nicht alleine schafft. Eine Bekannte aus einem Forum nutzt übrigens den FLEX3 Online MPU Drogen Kurs, falls dein Thema eher in diese Richtung geht – die Logik dahinter ist ähnlich strukturiert.
Ich mache jetzt den Tee weg. Er ist wirklich ungenießbar geworden. Morgen ist Montag, wieder ein Tag ohne Auto, wieder ein Tag mit dem Bus durch Neuhausen. Aber vielleicht ein Tag, an dem ich ein bisschen weniger Angst vor dem Wort 'Aufarbeitung' habe. Wir schaffen das, Schritt für Schritt, auch wenn der Boden manchmal kalt ist.
Deine Office Managerin aus Neuhausen.