
Ich sitze gerade auf meinem Küchenboden in Neuhausen, der Rücken lehnt am Kühlschrank, und ich starre auf eine vertrocknete Limettenscheibe in meinem Leitungswasser. Draußen ist es noch drückend schwül, typisch für diesen Spätsommerabend Anfang September. Vor genau einem Jahr, Ende August 2025, saß ich nach dieser verhängnisvollen Hochzeit mit 1,4 Promille in der Polizeikontrolle – und jetzt, ein Jahr später, habe ich mein erstes richtiges Firmen-Sommerfest ohne Alkohol hinter mir.
Bevor ich dir erzähle, wie sich das angefühlt hat: Ein kleiner Hinweis. Dieser Blog ist mein ganz persönliches Tagebuch, keine Rechtsberatung und keine Suchttherapie. Ich bin keine Psychologin, nur eine 36-Jährige, die ihren Führerschein zurückwill. Wenn du rechtliche Fragen hast, geh zu einem Fachanwalt für Verkehrsrecht, und bei Alkoholproblemen ist die Suchtberatung die richtige Adresse. In meinem Text findest du Affiliate-Links zu Workbooks, die ich selbst nutze. Wenn du darüber etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, für dich bleibt der Preis gleich. Ich teile hier nur, was wirklich auf meinem Küchenboden landet.
Die Angst vor der Maß – Wenn Networking zur Zerreißprobe wird
In München ist ein Sommerfest nicht einfach nur ein Fest. Es ist ein Hochamt des Alkohols. Besonders in meiner alten Rolle als Office Managerin und jetzt, wo ich versuche, im Vertrieb wieder Fuß zu fassen, ist das Networking oft direkt an das Klirren von Gläsern gekoppelt. Man sagt in München oft: 'Geh, eine Maß geht scho', aber wir wissen alle, dass eine Maß in Bayern eine Ansage ist. Für mich bedeutete es diesmal: 0,0 Promille. Absolut. Keine Ausnahme. Die Medizinisch-Psychologische Untersuchung verzeiht keine 'kleinen Sünden', wenn man seinen Abstinenznachweis sauber halten will.
Wochenlang hatte ich Panik vor diesem Termin. In der Branche wird erwartet, dass man 'gesellig' ist. Wer nicht trinkt, gilt schnell als langweilig oder – noch schlimmer – als jemand, der etwas zu verbergen hat. Ich habe mir oft den Kopf zerbrochen: Was sage ich, wenn die Kollegen fragen? Die ungeöffnete Mail mit der Einladung lag tagelang in meinem Posteingang, während ich auf dem Sofa lag und die Zimmerdecke anstarrte.

Vorbereitung im Stillen: Modul 3 und die Taktik des Trennungsvermögens
Ein paar Tage vor dem Fest habe ich mich endlich aufgerafft und zum MPU Masterplan Alkohol gegriffen. Ich hänge schon seit einer Weile bei Modul 3 fest, in dem es um die Reflexion des eigenen Verhaltens geht. Da gibt es diesen Begriff: Trennungsvermögen. Es geht darum, Trinken und Fahren strikt zu trennen – oder eben, wie in meinem Fall, die Entscheidung für die Abstinenz auch in schwierigen sozialen Situationen durchzuziehen.
Ich habe mir im Workbook die Reflexions-Fragen durchgelesen und angefangen, mir Antworten zurechtzulegen. Nicht als auswendig gelernte Lügen, sondern als Sätze, die sich nach *mir* anfühlen. Ich habe gelernt, dass ich niemandem meine ganze Geschichte mit dem ETG-Wert oder der charakterlichen Eignung auf die Nase binden muss. Ein einfaches 'Ich trinke heute nicht, ich muss morgen früh raus' reicht oft schon. Aber die Angst, dass jemand nachbohrt, blieb. Ich habe im Notizbuch sogar meine Trinkgewohnheiten für die MPU reflektiert, um zu verstehen, warum ich früher immer mitgetrunken habe: Es war der Wunsch, dazuzugehören.
Der Moment der Wahrheit im Hirschgarten
Das Fest fand im Hirschgarten statt. Der Geruch von Steckerlfisch und gebrannten Mandeln lag in der Luft, vermischt mit diesem süßlich-schweren Duft von verschüttetem Augustiner auf den Holzbänken. Es war klebrig. Überall standen Leute mit riesigen Gläsern. Mein Herz hat bis zum Hals geschlagen, als ich an den Tisch meiner Abteilung trat.
Ein ehemaliger Kollege, der schon sichtlich gut gelaunt war, hielt mir sofort ein Bier entgegen. 'Komm, auf das neue Projekt!' In diesem Moment passierte etwas Seltsames. Ich spürte eine plötzliche, scharfe Kühle in meiner Brust, ein fast körperliches Gefühl der Klarheit. Ich sagte: 'Nein danke, ich trinke nicht mehr.' Es war das erste Mal, dass ich das so laut und öffentlich gesagt habe. Kein 'heute nicht', kein 'vielleicht später'. Einfach: 'Ich trinke nicht mehr.'

Wenn die Erklärung nach hinten losgeht
Natürlich lief nicht alles perfekt. Später am Abend, als die Stimmung stieg und mein Spezi lauwarm und schal wurde, unterhielt ich mich mit einem Kollegen aus dem Außendienst. Er fragte nach meinem Führerschein, weil er mitbekommen hatte, dass ich viel mit der U7 nach Westfriedhof fahre. Anstatt es kurz zu halten, fing ich an, mich in Details zu verlieren. Ich versuchte ihm die rechtlichen Hintergründe der MPU zu erklären, sprach über Trennungsvermögen und die strengen Regeln in Bayern.
Mitten im Satz merkte ich, dass er mir gar nicht richtig zuhörte. Er starrte nur auf mein Glas und nickte abwesend. Ich hatte mich völlig um Kopf und Kragen geredet und viel zu viel von meiner Scham preisgegeben. Er wollte eigentlich nur Smalltalk machen, und ich habe mein ganzes MPU-Lehrgespräch über ihn ausgegossen. Das war so ein Moment, in dem ich am liebsten im Boden versunken wäre. Ich habe mich in dem Moment so klein gefühlt, wie die 36-Jährige, die am Sonntagabend auf dem Küchenboden sitzt und weint.
Falls du selbst gerade in dieser Phase bist: Du musst dich nicht erklären. Dein Selbstbild darf wachsen, ohne dass du jedem deine Fehler beichtest. Ich habe danach lange darüber nachgedacht, wie ich mein Selbstbild für die MPU reflektiere, und gemerkt, dass meine Identität nicht mehr an diesem einen Fehler mit 1,4 Promille hängen darf.
Was ich gelernt habe: Alkoholfrei durch München
Trotz des peinlichen Moments beim Gespräch war der Abend ein Sieg. Ich habe Tipps für mich mitgenommen, die vielleicht auch dir helfen, wenn du gerade durch die Abstinenz-Hölle gehst:
- Hab immer ein Glas in der Hand: Sobald du etwas hälst (Spezi, Wasser, Saftschorle), fragen die Leute seltener, ob du was willst.
- Bereite einen Standardsatz vor: Übe ihn zu Hause. 'Ich trinke momentan keinen Alkohol' klingt fester als 'Ich darf nicht'.
- Such dir Verbündete: Es gibt immer jemanden, der auch wenig oder nichts trinkt. Such diese Leute.
- Geh, wenn es unangenehm wird: Sobald die Gespräche lallend werden, verpasst du nichts mehr.
Ich habe im Vorfeld auch viel mit alkoholfreien Getränken experimentiert, um zu sehen, was mir auf Partys schmeckt, damit ich mich nicht wie ein Kind mit einer Apfelsaftschorle fühle. Ein Tonic Water mit viel Eis und Zitrone sieht aus wie ein Longdrink und niemand stellt Fragen.

Der Heimweg durch den Hirschgarten
Als ich gegen Ende des Abends durch den dunklen Park Richtung U-Bahn lief, fühlte ich mich zum ersten Mal seit Monaten wieder richtig leicht. Ich war nicht benebelt, mein Kopf war klar, und ich wusste: Morgen früh werde ich ohne Kopfschmerzen aufwachen und kann direkt an meinem Workbook weiterarbeiten, ohne dass mir schlecht ist. Ich habe gemerkt, dass der soziale Druck oft nur in meinem eigenen Kopf existiert. Die meisten Leute sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um zu merken, was in meinem Glas ist.
Zu Hause angekommen, habe ich mein Sonntagabend-Tagebuch aufgeschlagen. Ich habe einen dicken, sauberen Kreis um den heutigen Tag gemalt. Kein kleiner Punkt für einen schlechten Tag. Ein Sieg. Es ist Woche 52 ohne Führerschein, und auch wenn der Weg zum Abstinenznachweis noch weit ist, fühlt es sich heute machbar an. Ich habe sogar kurz im MPU Masterplan geblättert, um zu sehen, was als Nächstes kommt. Es ist harte Arbeit, ja, aber es lohnt sich.
Morgen ist wieder Montag. Ich werde meinen kalten Tee trinken, die U-Bahn nehmen und weiter an meiner Rückkehr hinter das Steuer arbeiten. Falls du auch gerade vor einem Event Angst hast: Du schaffst das. Die erste Maß, die man ablehnt, ist die schwerste. Danach wird es mit jedem Mal ein bisschen leichter. Wir sehen uns nächsten Sonntagabend wieder hier auf dem Küchenboden.
Wenn du das Gefühl hast, dass du bei der Vorbereitung feststeckst, schau dir mal an, wie ich mein MPU Gespräch übe. Es hilft enorm, sich sicher zu fühlen, bevor man sich in den Münchner Party-Dschungel stürzt. Bis bald!