Wieder am Steuer

Alkoholfrei durch die Feiertage: Wie ich Einladungen in München meistere

Ich sitze gerade auf meinen kalten Küchenfliesen in Neuhausen, der Tee neben mir ist schon wieder eiskalt geworden, und ich starre auf diese eine Einladung. Goldrand, schweres Papier, die Weihnachtsfeier der Firma – und mir wird einfach nur schlecht. Es ist jetzt Mitte Dezember, ein paar Monate nach dieser Samstagnacht im Spätsommer, als mich die Polizei mit 1.4 Promille aus dem Verkehr gezogen hat. Mein Führerschein ist weg, mein Stolz auch, und jetzt kommen die Feiertage.

Bevor ich dir erzähle, wie ich versuche, nicht komplett durchzudrehen: Ein kurzer Hinweis. Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, aber für dich bleibt der Preis genau gleich. Ich empfehle hier nur Sachen, die ich selbst auf meinem Küchenboden durchgeackert habe, wie mein Workbook. Mein Tagebuch ist natürlich keine Rechtsberatung oder Therapie – bei rechtlichen Fragen brauchst du einen Anwalt für Verkehrsrecht, und wenn der Alkohol zum echten Problem wird, ist die Suchtberatung die richtige Adresse.

Der goldene Umschlag und die nackte Angst

Eigentlich sollte ich mich freuen, oder? München im Lichterglanz. Aber seit die formale MPU-Aufforderung im November in meinem Briefkasten gelandet ist, fühlt sich jede Einladung wie ein Verhör an. Früher war ich diejenige, die bei der Weihnachtsfeier als Letzte an der Bar stand. Heute ist mein Ziel eine glatte 0.0 – nicht nur, weil ich es will, sondern weil mein Ethylglucuronid-Wert (ETG) darüber entscheidet, ob ich jemals wieder hinter einem Steuer sitzen darf.

Ich habe diese Woche mein Notizbuch aufgeschlagen und gesehen, wie viele kleine Punkte ich für die schlechten Tage gemacht habe. Der schlimmste Moment war am Mittwoch am Rotkreuzplatz. Der Geruch von gebrannten Mandeln und Glühwein stieg mir in die Nase, und plötzlich hat sich mein Magen so zusammengezogen. Es war eine Mischung aus Nostalgie und dieser ekelhaften Schuld. Ich habe mich gefragt, ob der MPU-Gutachter mir jemals glauben wird, dass ich mich geändert habe, selbst wenn ich sechs Monate saubere ETG-Berichte vorlege.

Eine festliche Einladung liegt neben einem Glas Wasser auf einem Tisch in München.

Trennungsvermögen im Angesicht der Helles-Schwemme

In der MPU-Vorbereitung reden alle immer vom Trennungsvermögen. Das klingt so klinisch, so einfach. Aber erklär das mal einem Kellner in einem Münchener Wirtshaus. Letzten Freitag war ich mit einer Freundin verabredet. Wir saßen im Gastraum, es war laut, es roch nach Schweinebraten, und der Kellner hat mir ganz automatisch einen Bierfilzl hingeknallt. In dem Moment hatte ich diesen kalten Schweiß auf den Handflächen. Nur ein Pappdeckel, aber für mich war er das Symbol für mein Versagen.

Ich habe dann versucht, meiner Freundin zu erklären, was ich im MPU Masterplan Alkohol über die Aufarbeitung gelernt habe. Ich wollte ihr erklären, warum mein Trinkverhalten früher eben nicht normal war, auch wenn in Bayern alle so tun. Aber ich habe mitten im Satz angefangen zu weinen. Ich habe die richtigen Worte aus Modul 3 einfach nicht gefunden. Es war so ein Moment, in dem ich mich wie die größte Versagerin gefühlt habe. Ich saß da mit meinem Spezi und konnte nicht mal einen geraden Satz über meine eigene Trinkbiografie rausbringen.

Wenn der Job zum Endgegner wird: Vertrieb in München

Das größte Problem ist aber mein Job. Als ehemalige Office Managerin, die jetzt im Vertrieb Fuß fassen will, gehören Geschäftsessen dazu. In München bedeutet das oft: Brauhaus. Und da versagen alle Standard-Tipps. „Sag einfach, du fährst noch“ – ja, toller Witz, wenn alle wissen, dass ich die U7 nach Westfriedhof nehme, weil ich keinen Lappen mehr habe. Der soziale Druck ist im Vertrieb so krass, weil das gemeinsame Anstoßen oft als Vertrauensbeweis gilt.

Gestern Abend hatte ich so ein Essen in der Maxvorstadt. Ich habe mir vorher im Workbook die Strategien für schwierige soziale Situationen durchgelesen. Ich habe mir sogar Sätze zurechtgelegt. Bei der Geburtstagsfeier davor habe ich noch ein Glas Sekt vor mich hingestellt, damit niemand fragt – ich habe es nicht angerührt, aber es war ein dummer Test. Gestern war ich mutiger. Ich habe direkt Wasser bestellt. Als die Frage kam, warum ich nichts „Gescheites“ trinke, habe ich gesagt, dass ich gerade eine gesundheitliche Kur mache. Es hat funktioniert, aber die Angst, dass jemand nachbohrt und meine charakterliche Eignung infrage stellt, bleibt immer im Hinterkopf.

Ich habe in diesen Wochen gelernt, dass 3 cm Haaranalyse eine verdammt lange Zeit sein können, wenn man jede Woche gegen die alten Gewohnheiten ankämpft. Es geht nicht nur darum, den Alkohol wegzulassen. Es geht darum, auszuhalten, dass man plötzlich die „Anstrengende“ ist, die nicht mitmacht. Ich habe mich oft gefragt, ob ich jemals wieder die alte Unbeschwertheit zurückbekomme, oder ob die MPU jetzt für immer wie ein Schatten über jedem Glas Wasser hängen wird.

Silvester-Panik und der Blick an die Decke

Jetzt steht Silvester vor der Tür. Der erste Jahreswechsel seit meiner Teenagerzeit, den ich komplett nüchtern verbringen werde. Es ist eine legale Notwendigkeit, klar, aber es fühlt sich auch an wie eine Reifeprüfung. Ich liege oft lange auf dem Sofa und starre die Zimmerdecke an, während die U-Bahn draußen vorbeirauscht. Ich frage mich, ob ich die Kurve kriege. In München ist es so leicht, sich im „Gmiatlichen“ zu verlieren und dabei zu vergessen, dass 1.4 Promille am Steuer eben keine Bagatelle sind.

Falls du auch gerade in dieser Phase steckst und nicht weißt, wie du die Feiertage überstehen sollst: Mir hilft die Struktur extrem. Wenn ich sonntagabends hier sitze, meinen ETG-Wert im Kopf und das Workbook vor mir, fühle ich mich weniger hilflos. Es ist wie eine Wanderkarte im Nebel. Man sieht zwar immer noch nicht alles, aber man weiß zumindest, wo man den nächsten Schritt hinsetzen muss. Ich setze gerade alles auf den MPU Masterplan, weil er mir die harten Fragen stellt, vor denen ich mich sonst drücken würde.

Vielleicht ist das Meistern dieser Einladungen am Ende das beste Training für das Gespräch beim Gutachter. Wenn ich es schaffe, im Brauhaus nein zu sagen, dann kann ich vielleicht auch irgendwann wieder mit Überzeugung sagen: Ich habe verstanden, warum das damals passiert ist. Und bis dahin trinke ich eben meinen kalten Tee und zähle die abstinenten Wochen in meinem Notizbuch. Wir schaffen das, irgendwie.

Wenn du selbst gerade für eine MPU wegen Drogen statt Alkohol lernst, habe ich gehört, dass viele auf den FLEX3 Online Kurs setzen – das ist wohl das Pendant für Drogenfragen. Aber für mich bleibt das Alkohol-Workbook mein täglicher Begleiter. Falls du mehr darüber wissen willst, wie man den Strafbefehl in München verdaut oder wie man die richtige Begutachtungsstelle findet, schau dich mal auf meinem Blog um. Wir sitzen im selben Boot.

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