
Ich dachte, ein MPU Fragenkatalog Alkohol funktioniert wie eine Vokabelliste – einmal auswendig gelernt, und der Gutachter ist zufrieden. Genau das habe ich geglaubt, kurz nachdem die Aufforderung zur Alkohol-MPU bei mir ankam. Die Antwort auf diese Frage lasse ich hier erstmal offen, denn sie ist komplizierter, als jede Liste mit hundert Fragen es zeigen kann.
Kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: Dieser Text enthält Affiliate-Links, und wenn du darüber etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass du mehr bezahlst. Ich verlinke nur, was ich selbst benutze, wie mein Workbook. Und noch etwas Grundsätzliches: Ich bin keine Psychologin, keine Anwältin, keine MPU-Beraterin – nur eine Frau, die ihren Führerschein verloren hat und seitdem versucht, ehrlicher mit sich selbst zu sein. Für rechtliche Fragen ist ein Anwalt die richtige Adresse, bei Alkoholthemen eine Suchtberatungsstelle.
Der Irrtum bei jeder auswendig gelernten MPU-Vorbereitung
Auf dem mintgrünen Boden meiner Küche in Neuhausen sitze ich, seit ich denken kann, sonntagabends mit meinem Notizbuch. Die Kacheln sind hart und kühl, selbst durch die Wollsocken, und meine Fingerkuppen sind vom langen Schreiben so kalt geworden, dass der Stift schwerer in der Hand liegt als sonst. Neben mir steht die blaue Tasse mit dem Sprung, gefüllt mit Tee, der längst nicht mehr warm ist. Und trotzdem, so oft ich diese Liste mit den hundert wichtigsten Fragen auch durchgehe, die Antworten fühlen sich hohl an, sobald ich sie laut ausspreche.
Der Grund, warum ich das überhaupt aufschreibe, liegt ein paar Monate zurück: eine Hochzeit im Spätsommer, zu viel Sekt, eine Kontrolle mit 1,4 Promille – weit über der Grenze von 1,1 Promille, ab der man in Deutschland als absolut fahruntüchtig gilt.
Bevor ich beim Workbook gelandet bin, habe ich anderes ausprobiert. Eine Selbsthilfegruppe zum Beispiel – ich bin dreimal hingegangen, wollte es wirklich ernst meinen, aber beim vierten Termin habe ich es einfach nicht mehr geschafft, aus der Tür zu gehen. Nicht, weil die Gruppe schlecht war. Sondern weil ich dort nur zugehört habe, ohne selbst etwas zu sagen, das mich etwas gekostet hätte.
Die richtigen Sätze zu kennen reicht nicht
Am Freitagabend saß ich wieder auf diesem Boden, während nebenan durch die Wand eine fremde Party dröhnte, Bässe und Gelächter, das ganze Programm. Ich habe keine Sekunde lang an ein Glas Wein gedacht, obwohl ich es früher nach so einer anstrengenden Woche fast automatisch geöffnet hätte. Das kam mir erst später in den Sinn, beim Aufschreiben, und keine der auswendig gelernten Antworten aus meinem Fragenkatalog hätte mir diesen Moment erklären können.
Der Denkfehler beim Auswendiglernen ist simpel: Man verwechselt eine richtige Antwort mit einer ehrlichen. Ein Gutachter hört im Lauf eines Tages mehrere Versionen desselben Skripts, und jede klingt für ihn ähnlich glatt und ähnlich leer. Bei der MPU geht es nicht um Wissen über die eigene charakterlichen Eignung, sondern um das Zeigen davon, und Zeigen kann man nicht auswendig lernen.

Einsicht statt Geständnis
Eine Frau aus einem MPU-Forum, Susanne Bäuerle, hat unter meinem allerersten Beitrag dort zwei Sätze geschrieben, ohne jedes Mitleid, aber genau richtig: Der Gutachter will keine Geständnisse hören, er will Einsicht sehen. Das hat mir mehr geholfen als jeder vorformulierte Satz aus einem Fragenkatalog.
Mein ehemaliger Kollege Dirk Wossidlo hat mir neulich wegen eines ganz anderen Themas geschrieben, keine Silbe zum Führerschein, obwohl er einer der wenigen ist, die wissen, was an jenem Samstag passiert ist. Manche Menschen halten einfach den Mund, ohne dass man sie darum bitten muss, und auch das ist eine Form von Hilfe, die kein Workbook ersetzt.
So merkst du, ob du wirklich verstanden hast
Ein einfacher Test hat mir seitdem geholfen, und er hat mehr mit Selbstreflexion zu tun als mit Lernen: Ich lese eine Antwort aus einem Forum oder Ratgeber, und dann versuche ich, denselben Gedanken an einem schlechten Tag zu formulieren, ohne die Vorlage vor mir zu haben. Wenn die eigenen Worte an einem stressigen Tag genauso ehrlich klingen wie die schönen Sätze am Schreibtisch, ist etwas wirklich verstanden. Wenn nicht, ist es nur eine Rolle, die irgendwann bei der kleinsten Rückfrage zusammenbricht.
Beim Thema Trennungsvermögen merke ich das besonders deutlich, Auswendiglernen hilft hier gar nichts, weil man dieses Trennen zwischen Trinken und Fahren wirklich entwickelt haben muss, nicht bloß rezitieren können.
Das Gleiche gilt für die Analyse der Trinkanlässe: eine ehrliche Trinkanamnese lässt sich nicht aus einer Vorlage abschreiben, sie entsteht nur, wenn man die eigenen Anlässe wirklich durchgeht.
Auch mein Abstinenznachweis zeigt nur, dass ich nicht getrunken habe, nicht, wie ich beim nächsten Mal reagiere, und mein kleiner Punkt für schlechte Tage im Notizbuch ist eher eine Erinnerung an mich selbst als ein Beweis für den Gutachter.

Am Ende zählt die eigene Antwort, nicht die auswendig gelernte
Was mir wirklich weiterhilft, ist nicht die Liste mit hundert Fragen, sondern das MPU Masterplan Workbook, weil es mir keine fertigen Sätze vorgibt, sondern unbequeme Fragen stellt, die ich selbst beantworten muss.
Der MPU Masterplan Alkohol ist deshalb nicht bequemer als die Liste, eher unbequemer, weil sich jede Aufgabe je nach Tagesform anders beantworten lässt und sich schlecht auswendig lernen lässt. Wenn ich es zwei Wochen liegen lasse, fange ich manchmal wieder bei Modul drei an, aber selbst das fühlt sich ehrlicher an als eine glatte Antwort vom Blatt.

Am Nachmittag bin ich eine Runde um den Hirschgarten gelaufen, vorbei am Biergarten, wo alle anderen ihr Bier heben, ohne eine Sekunde über Promille nachzudenken, und mir wurde klar, dass ich denen nichts vorwerfen kann – ich war früher genau da. Für manche ist vielleicht ein Kurs oder eine Einzelberatung der bessere Weg, um diese Ehrlichkeit zu üben, gerade wenn man sie nicht allein auf dem Küchenboden hinbekommt.
Wenn du gerade selbst nach einem Fragenkatalog suchst, nimm ihn als Inhaltsverzeichnis, nicht als Drehbuch. Die Fragen sind überall gleich. Die Antwort, die zählt, ist die, die du dir selbst nicht vorsagen kannst. Das hier ist mein MPU-Tagebuch, kein Vorbereitungskurs. Deshalb schreibe ich das so auf, wie es war, und nicht so, wie es sich gut anhören soll.
Pass auf dich auf.
Deine Ex-Office-Managerin aus Neuhausen