
Es ist fast Mitternacht hier in Neuhausen, und ich sitze wieder auf den kalten Küchenfliesen. Meine Leggings sind dünn, die Kälte zieht langsam hoch, aber irgendwie brauche ich das gerade, um mich zu spüren. Neben mir steht eine Tasse Pfefferminztee, die schon längst eiskalt geworden ist – klassisch für meine Sonntagabende. Ich starre auf die Seite in meinem Notizbuch, auf der ich die abstinenten Wochen zähle. Zum ersten Mal sieht die Zahl nicht mehr nach einem winzigen Tropfen auf dem heißen Stein aus, sondern nach einem echten Fundament.
Hinweis: In diesem Text teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen. Er enthält auch Affiliate-Links zu Materialien, die mir helfen. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision, ohne dass es für dich teurer wird. Ich bin keine Ärztin oder Therapeutin – das hier ist mein privates Tagebuch. Bei gesundheitlichen Fragen solltest du unbedingt eine Suchtberatung oder medizinisches Fachpersonal aufsuchen. Meine vollständige Offenlegung findest du auf der Über-mich-Seite.
Der Blick in den Spiegel: Vom aufgedunsenen Gesicht zur Klarheit
Wenn ich an den letzten Herbst zurückdenke, kurz nachdem sie mich nach dieser Hochzeit im Spätsommer 2025 mit 1,4 Promille angehalten haben, sehe ich ein anderes Ich. Ich habe damals immer behauptet, mein Gesicht sei einfach vom Stress im Büro so aufgedunsen. Ich war Office Managerin, hab Überstunden geschoben, die ungeöffnete Mail von meiner ehemaligen Lieblings-Bar in der Maxvorstadt ignoriert und mir eingeredet, dass der morgendliche Druck im Kopf eben der Preis für das Leben in der Stadt ist. MPU Vorbereitung für Frauen sieht oft genau so aus: Wir funktionieren nach außen hin perfekt, während wir innerlich langsam vernebeln.
In den ersten sechs Wochen der Abstinenz war es hart. Ich habe mich nicht sofort besser gefühlt. Ich war müde, gereizt und habe mich gefragt, warum alle von diesem Glow reden. Aber dann, irgendwann im frühen Frühjahr 2026, passierte etwas. Ich stand morgens vor dem Spiegel im Bad und habe bemerkt, dass das Weiß in meinen Augen tatsächlich wieder weiß ist. Nicht mehr dieses trübe Gelb-Rosa, das ich jahrelang mit Concealer und Augentropfen bekämpft habe. Es war ein Moment der absoluten inneren Wahrheit: Ich habe mich jahrelang selbst belogen, was den Alkohol angeht.

Wenn Entspannung zum Stress wird: Die Falle der Routine
Ich habe im MPU-Kurs eine Frau kennengelernt, eine Alleinerziehende mit zwei Kleinkindern. Wir haben uns oft nach den Terminen unterhalten. Sie hat mir erzählt, dass all diese Standard-Tipps zur Abendroutine – Meditation, Yoga, ein langes Bad – für sie völlig utopisch sind. Wenn man den ganzen Tag fremdbestimmt ist und unter permanentem Schlafmangel leidet, ist die Hemmschwelle, abends zum Glas Wein zu greifen, um überhaupt mal kurz abzuschalten, gigantisch hoch. Die Entspannungstechniken, die uns zur Alkoholprävention beigebracht werden, scheitern oft an der harten Realität des Alltags.
Für sie ist die körperliche Regeneration ein viel langsamerer Prozess als für mich, die hier alleine in Neuhausen auf dem Boden sitzt. Aber auch ich habe meine Rückschläge. Letzten Mittwoch hatte ich einen Termin bei meiner Verkehrspsychologin. Danach war ich so fertig, dass ich fast automatisch in den Kiosk am Rotkreuzplatz gegangen wäre. Ich habe es nicht getan, aber mein Körper hat förmlich nach diesem alten Betäubungsmittel geschrien. Es ist wichtig zu verstehen, dass die MPU Begutachtungsleitlinien nicht nur auf das schauen, was wir sagen, sondern auf die Stabilität, die wir ausstrahlen. Und diese Stabilität beginnt im Körper.
Abstinenznachweise und der Druck der 6 Zentimeter
Ich habe mich für Haaranalysen entschieden. Alle drei Monate gebe ich ein Stück meiner Identität ab, um mein Trennungsvermögen und meine Abstinenz zu beweisen. Für einen Nachweis von sechs Monaten braucht man genau 6 cm Haar – ein Zentimeter pro Monat. Jedes Mal, wenn ich beim Arzt sitze und die Schere höre, denke ich daran, dass in diesen Haaren meine ganze Geschichte gespeichert ist. Die 1,1 Promille Grenze für die absolute Fahruntüchtigkeit klingt in der Theorie so klinisch, aber wenn man mit 1,4 Promille aus dem Verkehr gezogen wird, merkt man erst, wie weit man über dem Limit gelebt hat – nicht nur rechtlich, sondern auch körperlich.
In den Momenten, in denen ich zweifle, greife ich zum MPU Masterplan Alkohol. Das Workbook liegt meistens griffbereit neben meinem Sofa. Es hilft mir, die körperlichen Veränderungen nicht nur als nettes Extra zu sehen, sondern als Beweis für meine charakterliche Eignung. Wenn ich die Module durcharbeite, verstehe ich langsam, dass mein Körper mein wichtigster Zeuge vor dem Gutachter sein wird. Aber ich bin ehrlich: Es klappt nicht immer. Letzten Sonntag habe ich versucht, Modul 3 zu bearbeiten – da geht es tief in die Trinkmotive. Ich saß zwei Stunden davor, konnte keine einzige ehrliche Antwort schreiben und habe das Buch schließlich frustriert in die Ecke gepfeffert.

Die kleinen Siege auf der U7 Richtung Westfriedhof
Gestern saß ich in der U7 Richtung Westfriedhof und habe eine Frau beobachtet, die eine Flasche Bier in der Hand hielt. Früher hätte ich nichts dabei gedacht. Heute nehme ich den Geruch sofort wahr, und mein Körper reagiert mit einer Mischung aus Abstoßung und Mitleid. Mein Schlaf hat sich massiv verbessert. Dieses typische Aufwachen um drei Uhr morgens mit Herzrasen und Panikattacken? Verschwunden. Ich fühle mich morgens nicht mehr wie ein Wrack, das sich mit drei Kaffee ins Büro schleppen muss.
Ich merke auch, wie sich meine Wahrnehmung verändert. Ohne den ständigen ETG-Wert im Hinterkopf, der mich früher bei jedem zufälligen Test hätte auffliegen lassen können, lebe ich freier. Es ist fast so, als hätte ich eine schwere Rüstung abgelegt, von der ich gar nicht wusste, dass ich sie trage. Das ist vielleicht die wichtigste körperliche Veränderung: Die Abwesenheit von Angstschweiß und das Wiedererlangen eines normalen Herzrhythmus.
Warum die MPU (vielleicht) eine Chance war
Ich weiß, das klingt nach Stockholm-Syndrom, aber manchmal denke ich, dass dieser Schock im Spätsommer 2025 mein Leben gerettet hat. Ohne den Brief im November 2025 hätte ich vermutlich nie aufgehört, meinen Körper so zu misshandeln. Ich hätte weiterhin mein aufgedunsenes Gesicht dem Stress in der Firma zugeschoben. Wie ich meinen Alltag ohne Führerschein organisiere, hat mich gezwungen, mehr zu Fuß zu gehen und die Stadt anders wahrzunehmen. Das hat meiner Kondition gutgetan, auch wenn ich das Fluchen über die Verspätungen der MVG wohl nie ganz abstellen werde.
Falls du gerade erst am Anfang stehst: Gib deinem Körper Zeit. Er muss den ganzen Müll der letzten Jahre erst einmal loswerden. Und wenn du merkst, dass du alleine nicht weiterkommst oder die Selbstreflexion dich erdrückt, schau dir Materialien an, die dich an die Hand nehmen. Ich nutze wie gesagt das Workbook aus dem Masterplan, aber eine Bekannte aus einem Forum schwört auf den FLEX3 Online Kurs, falls bei dir andere Themen im Vordergrund stehen. Wichtig ist nur, dass du anfängst – nicht für den Gutachter, sondern für dich selbst.

Es ist jetzt wirklich spät. Der Tee ist immer noch kalt, und meine Beine sind vom Fliesenboden eingeschlafen. Aber mein Kopf ist klar. Und das ist mehr wert als jeder Führerschein der Welt, auch wenn ich ihn verdammt noch mal wiederhaben will. Wir hören uns nächsten Sonntag. Bleib dran.
Deine Office-Managerin aus Neuhausen (die jetzt endlich ins Bett geht, ohne dass sich das Zimmer dreht).